Tafel Bad Aibling: Woche für Woche ein Stück Solidarität in der Coronakrise

Nachschub: Tafelleiter Dr. Stefan Stöckel (links) und sein Stellvertreter Ulrich Sibbers bringen eine Lebensmittel-Lieferung in den Kühlraum der Tafel. Die Archiv-Aufnahme entstand vor der Corona-Krise.. Reisner
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Nachschub: Tafelleiter Dr. Stefan Stöckel (links) und sein Stellvertreter Ulrich Sibbers bringen eine Lebensmittel-Lieferung in den Kühlraum der Tafel. Die Archiv-Aufnahme entstand vor der Corona-Krise.. Reisner
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    vonNorbert Kotter
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Die Aiblinger Tafel gleicht mittlerweile einem Mittelstandsbetrieb. Rund 15000 unentgeltliche Stunden haben die circa 65 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Einrichtung im vergangenen Jahr geleistet, um Bedürftige in der Region mit Lebensmitteln zu versorgen.

Bad Aibling – Bürgermeister Felix Schwaller ist voll des Lobes. „Hier wird tolle Arbeit geleistet. Immer wenn ich bei der Tafel vorbeischaue, verspüre ich auch eine gute Stimmung innerhalb des Teams“, sagt der Rathauschef über die Institution, die aus der Kurstadt nicht mehr wegzudenken ist. Sie ist Woche für Woche Hoffnungsschimmer für rund 340 Erwachsene und etwa 125 Kinder, die für einen Obolus, der eigentlich nur Symbolcharakter hat, Lebensmittel beziehen. Einzelkunden müssen einen Euro pro Einkauf berappen, Paare und Familien zwei Euro. Etwa 30 Prozent der Kundschaft sind Asylbewerber.

Lieferung im Bedarfsfall

Wer aus gesundheitlichen Gründen oder altersbedingt nicht zur Ausgabe am Freitag kommen kann, der wird von den Tafel-Helfern beliefert. 50 Warenkisten, deren Inhalt jeweils einem Wocheneinkauf entspricht, werden laut Tafelleiter Dr. Stefan Stöckel pro Woche aus diesem Grund für Einzelpersonen oder Familien zusammengestellt. Versorgt werden von Bad Aibling aus auch Bedürftige in den Gemeinden Tuntenhausen und Großkarolinenfeld. Darüber hinaus fährt die Nachbarschaftshilfe Bad Feilnbach jeden Freitag Kunden zur Bad Aiblinger Tafel, wo auch sie gespendete Ware erhalten.

Eingebunden in regelrechtes Tafel-Netzwerk

Die Einrichtung in der Kurstadt ist laut Stöckel in ein regelrechtes Tafel-Netzwerk eingebunden. So arbeite man in der Stadt und im Landkreis Rosenheim nicht nur eng mit den Tafeln in Rosenheim, Kolbermoor, Bruckmühl, Rott, Wasserburg, Prien, Raubling, Brannenburg und Kiefersfelden zusammen, auch mit den Einrichtungen in München, Traunstein und Aßling im Landkreis Ebersberg bestehe ein reger Austausch. „Vor allem größere Lebensmittelspenden werden untereinander aufgeteilt, anteilig auch die Transportkosten“, berichtet Stöckel.

Unzählige Betriebe helfen mit

Nicht nur viele Betriebe in der Stadt und deren näherer Umgebung, sondern auch Supermärkte, Großbäckereien und -metzgereien, Bio- und Drogeriemärkte sowie Molkereibetriebe gehören zur breitgefächerten Phalanx derjenigen, von denen die Bad Aiblinger Helfer kostenlose Lebensmittel beziehen. Der „Fahrdienst“ der Tafel holt die Güter jede Woche turnusmäßig bei den Unterstützern ab.

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Stöckels Statistik weist beachtliche Mengen an Warenspenden aus, die die Tafelhelfer im Vorjahr verteilen konnten. Rund 11 000 Kilogramm Milchprodukte, 19 000 Kilo Fleisch, 1600 Kilo Tiefkühlkost und 2000 Kilogramm Süßigkeiten gehören unter anderem dazu. „In dieser Auflistung sind die Spenden noch gar nicht eingerechnet, die wir von unseren Unterstützern vor Ort erhalten“, weiß der Tafelleiter. Die Palette des Angebots umfasst hauptsächlich Frischwaren wie Obst, Gemüse, Brot, Wurst, Fleisch, Milch und Süßigkeiten. Aber auch haltbare Lebensmittel wie Zucker, Mehl, Nudeln und Reis sowie Kaffee, Waschpulver und Körperpflegeprodukte runden das Sortiment ab.

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Neben den 18 Fahrern, die für die Anlieferung der Waren verantwortlich zeichnen, sorgen gut drei Dutzend Ehrenamtliche für die Sortierung der Lebensmittel, das Herrichten der Lieferungen und die Ausgabe im Tafelgebäude in der Rosenheimer Straße. Zwei Mitarbeiterinnen kümmern sich im Büro um die Verwaltung. 30 Stunden pro Woche ist zudem eine hauptamtliche Kraft im Einsatz, die großteils über das Projekt „Soziale Teilhabe“ des Jobcenters finanziert wird.

Dank an Helfer und Spender

Dankbar ist Stöckel nicht nur seinem Helferteam und den vielen Großspendern, sondern auch all denen, die die Tafel im Kleinen unterstützen. Wie sehr die Aiblinger ihre Arbeit schätzen, zeigt sich alle Jahre im Ende November, wenn die Einrichtung die Aktion „Eins mehr“ startet. An einem Wochenende stehen dann Dutzende Ehrenamtliche vor den Supermärkten der Stadt und in Bad Feilnbach und bitten um Lebensmittelspenden. Mit großem Erfolg. „Ich helfe bei dieser Aktion gerne mit. Da wird eine Menge Solidarität spürbar“, sagt der Bürgermeister.

Eine Solidarität, über die sich auch der Tafelleiter sehr freut. „Die Aktion beschert uns Vorräte, die wir ausgeben. wenn wir mal einen Engpass haben.“

Einkommensgrenzen sind zu beachten

Tafelkunde kann werden, wer einen Bescheid über den Bezug von Hartz IV-Leistungen oder von Arbeitslosengeld vorweisen kann. Auch wer einen Bescheid vom Sozialamt in Händen hält (zum Beispiel Rente mit Grundsicherung), kann Lebensmittel beziehen. Folgende Einkommensgrenzen gelten: Alleinstehende: 1050 Euro.Zwei-Personen-Haushalt: 1400 Euro. Pro Kind, das in einem Haushalt lebt, werden auf die Einkommensgrenze 250 Euro hinzugerechnet..

Im Einzelfall berücksichtigt die Tafel auch besondere individuelle Umstände zugunsten eines Antragstellers. Wer sich nicht sicher ist, ob er Lebensmittel beziehen darf, soll mit seinen Unterlagen zur Tafel kommen. Dort werden sie geprüft. Wer Ware beziehen darf, bekommt einen Tafelausweis.

40 000 Kilometer zurückgelegt:

Zwei zehn und vier Jahre alte Transporter und ein zehn Jahre altes Kühlfahrzeug umfasst der Fuhrpark der Tafel. Deren Tachostände weisen circa 150 000, 135 000 und 50 000 Kilometer auf. Der Transporter mit dem höchsten Kilometerstand soll noch heuer ersetzt werden. Nach Auskunft von Tafelleiter Dr. Stefan Stöckel wird als Ersatz ein zweites Kühlfahrzeug angeschafft. „Damit können wir die Kühlkette beim Lebensmitteltransport leichter einhalten“, so Stöckel.

Wer die Tafel oder die Finanzierung des neuen Autos noch mit einer Spende unterstützen möchte, kann diese unter DE 40 7115 0000 0000 0604 00 auf das Konto der Bürgerstiftung Bad Aibling oder unter DE 38 7116 0000 0002 9265 39 bei der VR-Bank Rosenheim-Chiemsee eG einzahlen.

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