Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Mit dem Unwetter kommt der Totalschaden

Tag nach der Katastrophe: Göttinger Landwirt berichtet über Flutwelle und Schäden an seinen Anlagen

Die Kreuzung von Irschenberger und Waither Straße in der Nacht zu Dienstag. Unmittelbar dahinter liegt der Hofvon Hans Görgmayer.
+
Die Kreuzung von Irschenberger und Waither Straße in der Nacht zu Dienstag. Unmittelbar dahinter liegt der Hof von Hans Görgmayer.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
    schließen

Eine Flutwelle vom Irschenberg ist am Montagabend über Götting hereingebrochen. Mehr als 50 Häuser und Höfe sind vollgelaufen. Mehr als 15 Landwirte stehen jetzt vor einer existenziellen Herausforderung. Einer von ihnen ist Landwirt Hans Görgmayer.

Bruckmühl – Am Tag nach der Katastrophe schätzt er den Schaden auf seinem Hof und den Feldern auf mehrere Hunderttausend Euro. Die Technik seiner Biogasanlage ist hin, das Futter für die Tiere, alle Geräte in seiner landwirtschaftlichen Werkstatt.

Hilfsbereitschaft macht zuversichtlich

Nachdem das Wasser abgeflossen ist, wurde das ganze Ausmaß der Schäden sichtbar – auf seinem Hof und auf den Feldern. „Es ist nur Wasser und Schlamm“, sagt er. „Das kriegen wir schon wieder hin.“ Seine Zuversicht schöpft der einstige Kommandant der Göttinger Feuerwehr aus der Hilfe, die ihm zuteil wird. Er ist dankbar, denn: „Die Hilfsbereitschaft ist brutal.“

Landwirt Hans Görgmayer (Mitte) beschreibt Straßenmeister Martin Göhly (rechts) und Unternehmer Vigil Neureither, wie er die Flutwelle am Kropfbach erlebte.

Als das Unwetter am Montagabend begann, war Görgmayer mit Traktor und Gülleanhänger gerade auf seinem Feld am Kropfbach. „Ich wollte nach meinen Weidetieren sehen“, berichtet er. Zu dem Zeitpunkt sah der Kropfbach genauso aus wie immer.

Flutwelle reißt 15 Tonnen mit sich

Doch fünf Minuten später stürzte eine Flutwelle aus dem Irschenberg ins Tal und riss das 15 Tonnen schwere Gefährt des Landwirtes mit sich. Auf dem Feld kommt es zum Stehen. Görgmayer befreit sich aus dem Fahrzeug, läuft mit einer blutenden Wunde am Kopf nach Hause und versucht, seinen Hof so gut es geht zu sichern. Mit den Sandsäcken von den Fahrsilos werden Ställe, Wohnhaus, Schaltschränke und Biogasanlage gesichert.

Das könnte Sie auch interessieren: HAGELSTURM UND STARKREGEN IN DER REGION

Im Stall stehen 70 Kühe und Kälber in kniehohem Wasser – und mit ihnen der Melkroboter. Der Hühnerstall läuft voll, die Fahrsilos, das Getreidelager, die Werkstatt, die Keller des Wohnhauses. „All meine Akten sind im Wasser versunken.“ Die Göttinger Kameraden sichern die Biogasanlage und die Güllegrube. „Zum Glück ist keine Gülle ausgelaufen. Auch Heizöl, Diesel und das Düngerlager sind verschont geblieben“, ist Görgmayer froh.

Auf einer Fläche von etwa vier Hektar stand auch am Dienstag, 27. Juli, noch immer das Wasser vor Götting.

In der Unwetternacht wähnt er sich noch gut geschützt, denn er hat eine Elementarversicherung, für die er jährlich mehrere Tausend Euro zahlt. Doch am Morgen nach der Flut kommt die Ernüchterung. „Die Elementarversicherung kommt nur für Gebäudeschäden auf, nicht aber für den Inhalt“, weiß er jetzt. Die Gebäude werden trocknen. Doch was ist mit der Technik seiner Biogasanlage? Was mit seinen Geräten in der Werkstatt? Was mit dem Futter in den Fahrsilos, das unbrauchbar geworden ist? Was mit 80 Tonnen Gerste im Lager?

80 Tonnen Gerste im Wert von etwa 16.000 Euro sind im Wasser versunken. Der Landwirt hat fast das komplette Futter für seine Rinder eingebüßt.

Futter in Silos und auf Feldern ist verdorben

„Noch vor wenigen Tagen haben wir uns über die gute Ernte in diesem Jahr gefreut. Jetzt sind 16 000 Euro nass und wertlos“, beschreibt Görgmayer das Ausmaß des Schadens. Auch das Futter auf 90 Prozent seiner Felder ist hin. Zwar könne sich der Mais erholen, doch die Wiesen und Weiden sind voller Schlamm, Geröll und Geäst. Die Wege dorthin hat der Bauhof mit dem Schneepflug beräumt. „Auf den Feldern kriegt man das nur in Handarbeit wieder hin, aber da wird uns Landwirten schon etwas einfallen.“

Görgmayer steht vor einem riesigen wirtschaftlichen Schaden. Seine Tiere haben zum Glück überlebt. Doch sie zu versorgen, wird nun eine Herausforderung werden. Trotzdem ist er gefasst, denn „was nützt es mir, wenn ich mich aufrege und einen Herzinfarkt bekomme. Ich brauche einen guten Plan.“

Die Wiesen sind voller Schlamm und Geäst. Dieses Futter für die Rinder kann nicht mehr geerntet, die Felder müssen in Handarbeit gereinigt werden.

Lesen Sie auch: Bars und Kneipen dürfen öffnen, Kontrollen bei Reisen und strenge Regeln bei Schulstart

Gestern wurde auf dem Hof aufgeräumt, das abgepumpte Wasser auf die Felder gefahren. Viele seiner einstigen Azubis packen mit an. Andi Pritzl aus Högling beispielsweise: Er hat nach seinem nächtlichen Einsatz mit der Feuerwehr am Morgen schnell seine Tiere versorgt, dann ist er nach Götting gekommen. „Wir Landwirte helfen uns, darauf kann man sich in jeder Situation verlassen“, ist Görgmayer dankbar. Immer wieder klingelt sein Handy. Plötzlich strahlt er: „Ich habe gerade erfahren, dass ich meine Gülle erst einmal nach Högling bringen kann.“ Wieder ist ein Problem gelöst.

Die Biogasanlage soll so schnell wie möglich wieder laufen

Doch wie geht es mit der Biogasanlage weiter? „Ich muss sie so schnell wie möglich zum Laufen bringen“, betont er, denn zehn Häuser werden von ihm mit Wärme versorgt. Doch wie lange er dafür brauchen wird: „Vier bis sechs Wochen? Ich weiß es nicht, ich bin von den Lieferzeiten der Technik abhängig.“

Aufräumarbeiten im Fahrsilo. Das Futter ist verdorben. Wasser und Schlamm werden von einer Spezialfirma abtransportiert und entsorgt. Die Kosten von circa 240 Euro pro Stunde muss der Landwirt selbst tragen. Die Elementarversicherung kommt nur für Schäden auf, die an Gebäuden entstanden sind.

Wenn Landwirt Hans Görgmayer in die Zukunft blickt weiß er: „Ich muss auf die Kostenbremse treten, erst einmal nur das Nötigste machen und dann weitersehen.“ Dass er einmal an diesem Punkt stehen würde, hätte er nie gedacht, denn eigentlich hat er ja eine Elementarversicherung.

Hinweis der Feuerwehr Götting

Die Jahreshauptversammlung der Göttinger Feuerwehr, die am Freitag, 30. Juli, stattfinden sollte, wird verschoben. Derzeit haben aktive Kameraden und Vereinsmitglieder mit der Beseitigung der Unwetterschäden zu kämpfen, denn viele von ihnen sind wie Kassier Hans Görgmayer von der Katastrophe selbst betroffen.

Mehr zum Thema

Kommentare