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Landwirte als Energieerzeuger

Strom aus Gülle: Die Hof-Biogasanlage in Wiechs ist ein Novum in Deutschland

Ministerin Michaela Kaniber (Mitte) im Gespräch mit (von rechts) den Betreibern Georg Kolb, Josef und Agnes Riedl sowie Martina Kolb.
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Ministerin Michaela Kaniber (Mitte) im Gespräch mit (von rechts) den Betreibern Georg Kolb, Josef und Agnes Riedl sowie Martina Kolb.
  • VonJohann Baumann
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Die erste rein güllebasierte Hofbiogasanlage in Deutschland steht im Bad Feilnbacher Ortsteil Wiechs. Nun besuchte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber die Betreiber der Anlage. Wie sie funktioniert und was sie so besonders macht.

Bad Feilnbach – In Bayern sind nach Angaben des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten derzeit rund 2600 Biogasanlagen in Betrieb. Sie tragen einerseits mit ihrer Eigenstrom- und Wärmenutzung zum Klimaschutz im ländlichen Raum bei. Zum anderen gelten sie als effektiv, was die Kostensenkung durch erneuerbare Energien angeht. Während die herkömmlichen Biogasanlagen in der Regel mit fremdem, angeliefertem organischen Material Strom produzieren, hat der Schweizer Landwirt Niklaus Hari eine rein güllebasierte Hofbiogasanlage entwickelt.

Die erste Anlage dieses Typs in Deutschland steht im Bad Feilnbacher Ortsteil Wiechs und die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber stattete ihr nun einen Besuch ab. Betrieben wird die 2020 am nördlichen Ortsrand von Wiechs errichtete Anlage vom Landwirtsehepaar Georg und Martina Kolb zusammen mit Tochter Agnes und Schwiegersohn Josef Riedl. Familiensitz ist der „Acherhof“ in der Ortsmitte. Zur Biogaserzeugung wird ausschließlich die Gülle von den rund 80 Milchkühen, plus Aufzucht, aus dem Stall nebenan verwendet.

Josef Riedl erläutert Ministerin Michaela Kaniber in der Technikzentrale den Ablauf der Biogaserzeugung

Nahwärmenetz am Ort aufbauen

Das Biogas wird in einem 50-Kilowatt-Blockheizkraftwerk in Wärme und Strom umgewandelt, was wiederum selbst genutzt wird. Der Überstrom wird ins Netz eingespeist. Zukünftig möchten die Betreiber ein kleines Nahwärmenetz am Ort aufbauen. Michaela Kaniber sprach sich vor Ort für die verstärkte und effiziente Nutzung von klimaschützendem Biogas mit der vorwiegenden Nutzung von Gülle aus. „Unsere Landwirte können auch beim Thema Biogas einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende leisten“, betonte die Agrarministerin. Wichtig für die Betriebe sei dabei, zu erkennen: „wo stehe ich, wo bin ich und was kann ich selber machen?“.

Auf die Frage von Josef Riedl nach Klimazertifikaten für die Biogasanlagen-Betreiber, antwortete Kaniber: „Der Staat kann dabei unterstützen, aber die Zertifikate nicht ausgeben. Hier liegt bei den Landwirten eine große Verantwortung“. Die Ministerin plädierte dafür, die Bioenergie maximal zu fördern. „Die Landwirte sind nicht nur Lebensmittel-, sondern auch Energieerzeuger“, unterstrich die Ministerin.

In diesem Gebäude in Wiechs ist die Biogasanlage untergebracht

Ins Bewusstsein der Verbraucher rücken

Dies sowie eine klimaneutrale Produktion in landwirtschaftlichen Betriebe n müsse ins Bewusstsein der Verbraucher gerückt werden. Der Erfinder Niklaus Hari erläuterte anschließend Details der Anlage, für die täglich zirka zehn 10 Kubikmeter Gülle aus dem Stall in den 660 Kubikmeter fassenden unterirdischen Behälter gefördert werden.

Bei der bei 42 Grad erfolgenden sechswöchigen Gärung werde im Gegensatz zu herkömmlichen Anlagen altes und frisches Substrat nicht vermischt. Es fließe durch verschiedene Kammern und durch den verlangsamten Durchfluss sei der Gasertrag doppelt so hoch.

Michela Kaniber wünschte den Schweizern für den Bau dieser Anlagen „viel Erfolg und den Bayern noch mehr“. Abschließend lobte die bayerische Agrar-Ressort-Chefin die starke Innovationskraft in der Landwirtschaft und konstatierte: „Wenn bei der Digitalisierung alle soweit wären wie die Landwirte, stünden wir viel besser da.“ Beim Besichtigungstermin der Ministerin war ebenso Robert Wagner von „C.A.R.M.E.N. e. V.“ (Centrale Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie- Netzwerk) anwesend. Der Abteilungsleiter der Beratungseinrichtung für erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe war ebenso in das Biogas-Projekt in Wiechs eingebunden.

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