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Streitfrage: In der Gemeinde kocht's

Auch neue Jugendräume sollen im geplanten Kultur- und Sportzentrum geschaffen werden. Foto Merk

In der Gemeinde Feldkirchen-Westerham formiert sich groß angelegter Widerstand gegen den geplanten Neubau eines Kultur- und Sportzentrums: Die Gegner machen bei der Regierung von Oberbayern mobil und stellen den Zuschuss-Bescheid im Rahmen des Konjunkturprogrammes II in Frage. Zudem haben sie prominente Mitstreiter für das Bürgerbegehren ins Boot geholt: die Altbürgermeister Georg Röhrmoser und Michael Weber sowie die ehemaligen Zweiten Bürgermeister Karl Klier und Fritz Krause. Regierung und Gemeinde bleiben aber dabei: Ein Neubau ist einer Modernisierung vorzuziehen.

Feldkirchen-Westerham - Sanierung oder Neubau - diese Streitfrage kocht in der Gemeinde immer weiter hoch. Während sich die Gemeinderats-Mehrheit für den Abriss und den Bau eines neuen Kultur- und Sportzentrums mit Räumen für Vereine, Institutionen und die Jugend aussprach (wir berichteten), setzen sich die Gegner für eine Sanierung des Anfang der 70-er Jahre errichteten Gebäudes ein, da ihrer Ansicht nach kostengünstiger. Entscheiden soll nun der Bürger: im Rahmen eines Bürgerentscheides am 2. August, bei dem zugleich, wie berichtet, über ein Ratsbegehren pro Neubau abgestimmt werden soll.

An den Argumenten der Gemeindeverwaltung bezüglich Abriss und Neubau des Sportzentrums sowie am Termin für den Bürgerentscheid (Sommerferien, Wunschtermin Bundestagswahl, wir berichteten) scheiden sich nun die Geister: Die Gegner um den ehemaligen zweiten Bürgermeister Karl Klier, Ex-Gemeinderat Josef Lichtblau, üWG-Rat Dr. Otmar Rieß sowie Pro-Bürger-Rat Franz Bergmüller fahren schwere Geschütze auf. In zahlreichen Schreiben werfen sie der Gemeinde vor, die Kostenschätzung für die Sanierung "äußerst hochgerechnet" zu haben. In diesem Zusammenhang erklärten die Pro-Bürger-Gemeinderäte Bergmüller, Klaus Samstl und Martin Faltlhauser: "Der Zustand der Halle kann laut Expertenmeinung und mittlerweile gewährter Einsicht der Akten zu weitaus günstigeren Preisen, als vom Architekten kalkuliert, energetisch saniert und die Sanitäranlagen im Keller renoviert werden." Die Berechnung der Bürgerbegehren-Vertreter - für eine Sanierung nach "aktuellen Marktpreisen" inklusive Anbau mit Räumen für Schule, VHS, Jugend und Vereine: 1,835 Millionen Euro abzüglich Zuschüssen in Höhe von 400000 Euro. Inbegriffen in dem Sanierungspaket wären Wärmedämmung, Fensteraustausch, Lift und Erneuerung der Haustechnik (rund 550000 Euro).

Die Gemeinde wiederum schätzt eine Generalsanierung samt Anbau auf rund 3,9 Millionen Euro - "alles andere ist nicht solide und unrealistisch", so Bürgermeister Bernhard Schweiger. Dem gegenüber stehen Neubaukosten von 5,3 Millionen Euro abzüglich der Förderung aus dem Konjunkturprogramm II mit 1,6 Millionen Euro, verblieben für die Gemeinde 3,7 Millionen Euro.

Auf dieser Basis urteilte auch die Regierung von Oberbayern bezüglich der Zuschussfrage: Förderung für einen Neubau ja, für eine Sanierung, da unwirtschaftlich, nein. Bei der Beurteilung hatte die Regierung von Oberbayern, wie Sprecher Heinrich Schuster auf Anfrage versicherte, das Konzept genau unter die Lupe genommen: Die Entscheidung der Gemeinde für einen Ersatzneubau basiere auf qualifizierten Gutachten und differenzierten Kostenvergleichen. Ergebnis: ein Ersatzneubau als wirtschaftlichere Lösung. "Diese Entscheidung des Projektträgers ist aus unserer Sicht nicht zu beanstanden. Wir haben natürlich nicht eigene Variantenuntersuchungen angestellt, sondern mit sachkundigen Architekten-Augen die vorgelegten Konzepte geprüft", betonte Schuster.

Weiterer Vorwurf der Neubau-Gegner, den sie auch in einem Schreiben an Regierungspräsident Christoph Hillenbrand geäußert hatten: In punkto Schule gebe es keinen Bedarf für eine weitere Sporthalle, jedoch Bedarf für die Ganztagsbetreuung (Mittagstisch). Doch die Regierung von Oberbayern kontert auf Anfrage unserer Zeitung: "Der Bedarf für das multifunktionale Doppelturnhallengebäude wurde von der Schulleitung bestätigt." Und auch Bürgermeister Schweiger unterstreicht dies: "Wir haben jetzt eine etwas größere Einfachturnhalle, es wäre unwirtschaftlich, diese zu sanieren, wenn man mit einem Neubau eine Zweifachturnhalle mit optimalem Raumkonzept erhalten kann."

über die gegenüber der Gemeinde-Berechnung (1,8 Millionen gegenüber 3,9 Millionen Euro) sehr günstige Kostenschätzung der Neubau-Gegner kann Schweiger nur den Kopf schütteln: "Eine Generalsanierung, also eine Sanierung nach Neubau-Standard mit entsprechender Energieeinsparung, plus Anbau ist zu diesem Preis nicht möglich." Sein Vorschlag für eine faire Diskussion: "Aufzeigen, um welche Art von Sanierung es sich handelt, ansonsten werden äpfel mit Birnen verglichen."

Eine nachhaltige und damit energieeinsparende Sanierung ist für Schweiger - neben der Schaffung optimaler Räume für Schule, Sport und Vereine - das A und O. "Auch aufgrund der verschiedensten Nutzungen hätten wir einen bestmöglichen Kosten-Nutzen-Effekt", erklärte er. ähnlich sieht dies die Regierung von Oberbayern: "Bei einer Modernisierung wäre das komplexe Raumprogramm der Gemeinde nur teilweise und ungünstig im Bestand unterzubringen." Und weiter: "Auch der laufende Betriebsaufwand für die bestehende Sporthalle, die in ihren Abmessungen die Normalmaße weit überschreitet, liegt erheblich über einem normgerechten Neubau", so Regierungssprecher Schuster. überdies wären bei einer Modernisierung offenbar erhebliche Eingriffe notwendig - diese könnten nach Einschätzung der Behörde nicht in größerem Umfang reduziert werden, "weil damit Sicherheitsaspekte wie Standfestigkeit und Belastungen durch Faserzementbaustoffe berührt werden dürften".

Sanierung sinnvoll oder nicht - Neubau-Gegner Bergmüller geht in seinem Schreiben an den Regierungspräsidenten sogar noch einen Schritt weiter: Er bringt eine Anzeige wegen Subventionsbetrugs ins Spiel, sollte die Behörde den Fragen "hohe Sanierungskosten" und "Schulbedarf" nicht vor Ort nachgehen. Bergmüller: "Ansonsten befürchte ich, dass dies auf ganz anderer Ebene weiter behandelt wird."

Pro und Contra zur Schulturnhallen-Frage erhalten die Bürger am Montag, 20. Juli, ab 19.30 Uhr bei einer Informationsveranstaltung in der Schulturnhalle (ab 18 Uhr Besichtigungsmöglichkeit).

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