Vor der Stichwahl in Bad Aibling : Viel Wirbel nach Wahlempfehlung

Rudi Gebhart unterstützt Martina Thalmayr und trägt die Erklärung mit.

Teile der Bad Aiblinger SPD, ÜWG und ÖDP unterstützen Martina Thalmayr, die Bürgermeister-Kandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, jetzt offiziell mit einer Wahlempfehlung für die Stichwahl am 29. März. Nicht nur bei der ÜWG gibt es auch Gegner dieses Kurses.

Bad Aibling – In einer gemeinsamen Erklärung kritisieren ÜWG-Ortsvorsitzender Rudi Gebhart, SPD-Stadtrat Richard Lechner, Thalmayr und Annemie Kirsch von der ÖDP den CSU-Kandidaten Stephan Schlier vor allem auch wegen seiner Initiative, die Folgen der Corona-Krise für die Stadt möglichst stark abzufedern. Er versteige sich „maßlos in seinen Versprechungen“ und vereinnahme bereits bestehende Hilfsaktionen für seine Zwecke, heißt es in dem Papier unter anderem.

Dass Schlier für ein Sofortprogramm, ein Aibling-Netzwerk und eine Aiblinger Task Force eintrat (wir berichteten), auch dafür erntet er heftige Kritik. Die Unterzeichner sprechen von „gut klingenden Ankündigungen“, die seiner Eigenwerbung, nicht aber den Betroffenen der Krise dienten.

Der ÜWG-Ortsvorsitzende nennt sein Handeln eine persönliche Erklärung, mit der ein Großteil der ÜWG einverstanden sei. „Ich bin für Martina Thalmayr und habe keine Probleme damit, dass die Wellen jetzt hochschlagen“, sagt Gebhart, der von einem abgesprochenen Vorgehen in den eigenen Reihen spricht.

Auf Gegenkurszu Kollegen

Klar auf Gegenkurs zu seinem Stadtratskollegen geht Dieter Bräunlich, der Sozialreferent der Stadt Bad Aibling. „Ich bin für Stephan Schlier und unterstütze ihn auch offiziell“, sagt Bräunlich. Dass ein Großteil der ÜWG Gebharts Kurs mitträgt, daran hat nicht nur er Zweifel. Das Vorgehen sei nicht abgesprochen gewesen. Nicht über die gemeinsame Presseerklärung, die Gebhart unterzeichnet hat, informiert gewesen zu sein, teilte auch ÜWG-Stadträtin Rosemarie Matheis im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen mit. „Ich halte diese Aktion für nicht sinnvoll und finde es generell nicht gut, Wahlempfehlungen abzugeben“, betont Matheis.

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Da befindet sie sich im Einklang mit ihrer Stadtratskollegin Kirsten Hieble-Fritz, die nach ihrem Bekunden von der Erklärung ebenfalls nichts gewusst hat und sie auch nicht für gut findet. Sie habe bisher mit der CSU und den Grünen gut und sachbezogen im Stadtrat zusammengearbeitet und hält Gebharts Positionierung für keinen klugen Schachzug. Eine solche Empfehlung könne er als Person gerne abgeben, aber: „Das hat mit der ÜWG nichts zu tun. Wir sind überparteilich.“

Keinen nach außen vernehmbaren Gegenwind für die Spitze des Ortsvereins gibt es aus den Reihen der SPD.

Hier haben Ortsvorstand und die noch amtierende Stadtratsfraktion nach Auskunft von Ortsvorsitzender Petra Keitz-Dimpflmeier die Situation in einer gemeinsamen Sitzung beraten und sich mit deutlicher Mehrheit für eine Unterstützung Thalmayrs ausgesprochen. Geschlossen seien aber auch die Reihen in der SPD nicht, räumt die Ortsvorsitzende ein.

SPD wünschtÜberarbeitung

Dass sich ihr Name nicht bei den Unterzeichnern der von Thalmayr verschickten Erklärung findet, hat laut Keitz-Dimpflmeier eine einfache Erklärung.

Sie habe redaktionellen Überarbeitungsbedarf bei dem von Thalmayr entworfenen Papier gesehen, ging aber auf Details nicht ein. Sie habe deshalb ihren Stadtratskollegen Richard Lechner darum gebeten, sich um die Modifizierung des Papieres zu kümmern, was dieser getan habe.

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„Die jetzt vorliegende Fassung ist aus Sicht der SPD in Ordnung. Ich trage sie so mit“, lässt Keitz-Dimpflmeier keinen Zweifel aufkommen. Für Martina Thalmayr beinhaltet die Erklärung eine wichtige Kernbotschaft. „Es ist schade und unnötig, die Corona-Krise zum Wahlkampfthema zu machen. Wir sollten den Wahlkampf mit Inhalten füllen.“ Schlier wirft sie vor, auch die Aktion „Brot und Rosen“ des evangelischen Pfarrers für seine Zwecke zu nutzen. Sie sei die Schnittstelle zur Stadt gewesen. So habe sie sich darum gekümmert, dass ein Seniorenbrief der Stadt auf den Weg gebracht worden sei. Nur über die Stadt habe man die nötigen Adressen erhalten. Die Unterstützung von Bürgermeister Felix Schwaller und der Verwaltung sei sehr gut gewesen.

CSU-Kandidatwehrt sich

Stephan Schlier hat für Thalmayrs Vorwürfe nur Kopfschütteln übrig. „Der evangelische Pfarrer hat neben anderen auch Frau Thalmayr und mich zu Vorbesprechungen für den Start der Aktion eingeladen. Auch wir beide haben Aufgaben übernommen. Ich nutze da gar nichts für Wahlkampfzwecke aus.“

Der CSU-Bürgermeisterkandidat wehrt sich auch gegen den Vorwurf, sein Aktionsplan für Bad Aibling zur Bewältigung der Folgen der Corona-Krise sei nurEigenwerbung. „Ich habe mich unter anderem für die Einrichtung einer Koordinierungsstelle bei der Stadt ausgesprochen und ausdrücklich gelobt, dass es bereits viele gute Initiativen in der Stadt gebe. Das hat mit Wahlwerbung gar nichts zu tun“, kontert Schlier.

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Es sei ein Gebot der Stunde, nach Hilfen für betroffene Menschen zu suchen und zu schauen, mit welchen Maßnahmen man die wirtschaftlichen Folgen der Krise für Bad Aibling am besten abfedern könne.

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