Statik wird nun eingehend geprüft

Schuld an den Statikproblemen der Sporthalle auf dem ehemaligen US-Areal in Mietraching sind die Rahmenecken der Stahlkonstruktion, die den großen Druckkräften nicht standhalten. Das verdeutlichte Ingenieur Nikolaus Reiser vor zahlreichen Zuhörern in der jüngsten Stadtratssitzung.

Bad Aibling - Im günstigsten Fall reichen dem Fachmann zufolge einige Verstärkungsmaßnahmen aus, um die Halle zu sichern und wieder benutzbar zu machen. Aufgrund der notwendigen Statik-Prüfungen sei dies jedoch frühestens ab Sommer denkbar.

Fehlende statische Berechnungen und Planunterlagen erschwerten laut Reiser die Arbeit der Gutachter zusätzlich.

"Uns wurde doch damals gesagt, dass die Halle bombenfest sei", wunderten sich einige Stadträte. Bürgermeister Felix Schwaller erinnerte an den Kaufvertrag für den Sportpark, durch den die Stadt auch die Hallen übernommen habe. Darin gehe es auch um die Duldung einer Nutzung des Dachs durch eine Photovoltaikanlage. "Es hieß, dass die Mehrbelastung ausreichend möglich ist, dass aber vorsichtshalber noch Stärkungen angebracht werden müssen", so Schwaller.

Ende November habe die Stadt dann jedoch ein Schreiben von Dr. Ernst Böhm von der Firma B&O (Vorbesitzer der Hallen) erhalten, dass diese Ertüchtigungsmaßnahmen aus ihm unerklärlichen Gründen nicht durchgeführt worden seien. Daraufhin kam es zu den zunächst zeitlich begrenzten und schließlich zu kompletten Sperrungen von Sport- und Fliegerhalle (wir berichteten). Während Reiser die Sporthalle bereits unter die Lupe genommen hat, ist die Fliegerhalle erst in der kommenden Woche an der Reihe.

Das Gewicht der Photovoltaikanlage selbst, das Reiser mit zirka zehn Kilogramm pro Quadratmeter angab, sei gar nicht das große Problem für die Sporthalle, sondern vielmehr die schräge Anordnung, durch die sich bei entsprechender Witterung so genannte Schneesäcke mit nicht unerheblichem Gewicht bilden. Zudem gelte bei der Regelschneelast heute eine andere Norm als 1936, als die Halle gebaut wurde, so der Statiker.

Die geschweißte Stahlkonstruktion, die alles trägt, bezeichnete der Statiker als einwandfrei und interessant. Nur die Rahmenecken seien eben eine Fehlkonstruktion. Sie sind nach momentanem Stand der Dinge das Hauptproblem. Sie halten Reiser zufolge den großen Druckkräften nicht stand, weichen daher seitlich aus, die Längsträger krümmen sich. Statische Verstärkungen könnten jedoch mit geringem Aufwand angebracht werden.

Das weitere Vorgehen ist nun wie bei einem Bauantrag. Für die vom Landratsamt verlangten statischen Berechnungen benötige er zwei Monate, so Reiser. Diese werden von einem Prüfstatiker geprüft. Danach gelte es bestimmte Fristen bei den Ausschreibungen einzuhalten: "Laut Architekt dauert das rund vier Monate."

"Sicherheit geht vor", war der allgemeine Tenor des Stadtrates, auch wenn die Schließung zahlreiche Sportler trifft - allein bei den TuS-Fußballern fällt bei drei bis vier Mannschaften derzeit das Training aus.

Früher sei man schließlich auch ohne die Halle ausgekommen, meinte Bürgermeister Felix Schwaller. Richard Lechner (SPD) wies noch einmal darauf hin, dass die Stadt das Sportpark-Areal zum Quadratmeterpreis von fünf Euro erworben habe. Man habe damals gewusst, dass die darauf befindliche Sport- und auch die Fliegerhalle in marodem Zustand sind. Von Problemen, wie sie jetzt aufgetaucht sind, habe man jedoch nichts geahnt.

Sportreferent Erwin Kühnel (CSU) schloss sich an: "Es war jedem klar, dass es nicht ohne Reparaturen und Schließungen abgehen kann. Auch wenn die Halle wieder in Betrieb genommen wird, sind bei diesen erheblichen Mängeln weitere Schließungen wegen Sanierungsarbeiten nicht auszuschließen."

Auch die Kostenfrage wurde erörtert. Die statische Untersuchung der beiden Hallen werde auf 10000 bis 11000 Euro kommen, so Reiser, damit würden dann die statischen Berechnungen angestellt, die für die erste Halle mit 33000 Euro veranschlagt würde. "Bei der zweiten Halle ist das in der Regel dann die Hälfte, wenn sie baugleich ist." Auf Max Leuprechts (GOL) Frage, ob die Stadt die Kosten denn weiterreichen werde, erklärte der Bürgermeister, dass man dies hinsichtlich der Ertüchtigungsmaßnahmen machen werde.

Dass sich die Stadt bei den beiden Hallen neben der Statik in den kommenden Jahren auch mit dem Brandschutz und der neuen Energieeinsparverordnung beschäftigen muss, war ein weiteres Thema des Abends.

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