Startschuss auf der Rösnerwiese: Ein Blick in die fast 70-jährige Historie des Volksfestes

Als „Wasserschlacht auf der Rösner Wiese“ ging das Volksfest 1955 in die Geschichtsbücher ein. Neuwirth

Ohne Corona hätte der Bruckmühler Sportverein (SVB) sein traditionelles Volksfest in diesem Jahr zum 69. Mal veranstaltet. Die Wurzeln reichen ins Jahr 1951. Wenn heuer schon nicht gefeiert werden darf, soll ein Blick in die Geschichte der Bruckmühler Wiesn die Stimmung aus 69 Jahren einfangen.

Von Torsten Neuwirth

Bruckmühl– Das erste Volksfest fand vom 2. bis zum 10. Juni auf der Rösnerwiese – östlich der evangelischen Kirche – statt. Als Veranstalter fungierte damals Sebastian Garnreiter. Ein Jahr später übernahm der SVBdie „Spielführerbinde“ als Veranstalter, Organisator und Festwirt. Damit wurde auch der Festplatz an die Kirchdorfer Straße verlegt und der Termin auf die erste Juli-Woche verschoben.

Dem ersten Festausschuss gehörten Ludwig Sessler, Georg Kürmeier, Alois Plank, Georg Geigerseder und Franz Lobinger an. 150 Hektoliter Fest-Bier der Rosenheimer Brauerei Auer wurden ausgeschenkt. Die Mass kostete damals 1,20 Mark. Die Dreder Musi sorgte unter Leitung von Dirigent Markus Babl ab der ersten Stunde für bayerische Stimmung.

Dirndl bringen das Festzelt zum Beben

Legendär waren zu dieser Zeit die Wahlen „zur nettesten Wiesnbesucherin“, die für Stimmungshöchstwerte unterm Zeltdach sorgten. 1954 stand der nächste Umzug auf die Wiesenfläche hinter dem Rathaus an. Grund dafür waren sintflutartige Regenfälle Anfang Juli, die den Platz an der Kirchdorfer Straße in eine große Morastfläche verwandelt hatten.

Die in Feldkirchen ansässige Brauerei Laib lieferte dazu den Gerstensaft. Als „Wasserschlacht“ auf der Rösner Wiese“ fand das Volksfest 1955 nicht nur in der Vereinschronik Einzug, sondern auch in der lokalen Presse. Als wichtigstes Bekleidungsstück erwies sich vor 65 Jahren wasserdichtes Schuhwerk.

Lesen Sie auch: Bruckmühl feiert „Wiesn light“ – SVB-Handballer organisieren Volksfest in Miniformat

Legendären Ruhm erlangte die Radlwache – als Vorgänger der Auto-Parkplatzwache – in den 50er-Jahren. 1957 öffnete erstmals die Schnapsbar der Sparte Tischtennis ihre Pforten.

Seit 1958 hat das Volksfest seine Bleibe hinter dem Rathaus. Die Kaffeebar wurde erstmals 1964 erwähnt. Vier Jahre später feierte die Torwand der Fußballer Premiere. 1974 schließlich wurde die Kirchdorfer Musi unter der Leitung von Hans Niedermeier als zweite Festkapelle engagiert. Seit diesem Jahr laden auch die Wintersportler zum Ratsch an ihre Sekt- und Weinbar ein.

Schon nach 20 Jahren riesiger Zulauf

In seinen ersten 20 Jahren hatte das Bruckmühler Volksfest so eine imposante Entwicklung genommen, dass umfangreiche logistische Planungen und Organisationen erforderlich wurden. Mit einem Zeltgerüst aus Aluminium, Teermaßnahmen des Festplatzes sowie der Verlegung von Wasseranschlüssen und der Installation eines zentralen elektrischen Verteilers fanden 1975 erste große Modernisierungsmaßnahmen statt.

Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre erfuhr der Zeltbetrieb mit der Pils- und Weißbierbar der Handballer, dem Brezen- und Käse-Verkaufsstand der Volleyballer und dem Stand mit alkoholfreien Getränken der Eisschützen eine Aufwertung.

Der Münchner Georg Pötsch übernahm 1980 die „Kapitänsbinde“ für den Schaustellerpark und Heinz Wagner den „Trainerposten“ als Wiesn-Bürgermeister. Im gleichen Jahr wurden die Holzfässer (Hirsche) durch Bier-Container ersetzt.

Ein weiterer Meilenstein war die Neuorganisation des Wiesn- Aufzuges mit Brauereiwagen samt Pferdegespann, Festkapellen, Kutschen sowie Sparten- und Vereinsabordnungen als farbenprächtiger Volksfestauftakt. Seit 1985 spielen die Musiker der Großkarolinenfelder Musi als dritte Festkapelle auf. Nachdem die Laib-Brauerei 1987 ihre Produktion einstellte, wurde die Spaten-Brauerei als neuer Partner verpflichtet.

Das könnte Sie auch interessieren:

Von 1997 bis 2001 war Arthur Böttcher Wiesn-Bürgermeister. Ihm folgte ein Jahr später Alex Zehetmaier, der bis heute das Zepter als Wiesn-Chef in Händen hält.

Als Volltreffer ins Tor-Kreuzeck erwiesen sich die Einführungen des Senioren- und Kindernachmittags sowie des Tages der Betriebe. Für volles Haus sorgten auch die spannenden Zelt-Boxkämpfe, die Meisterschaften im Steinheben mit Lokalmatador Klaus Rath und Alfons Grenzebach, das Masskrugstemmen und Masskrugtragen sowie unzählige Radrennen.

Seit zehn Jahren mit Biergarten

Auch aus Film und Funk bekannte Musikgrößen gaben und geben ihre Visitenkarte auf dem Volksfest ab. Seit fast zehn Jahren ist als jüngstes Highlight der fast 500 Quadratmeter große Biergarten mit eigenem Maibaum großer Anziehungsmagnet. Abgerundet wird das Volksfest-Spektakel auf dem sportlichen Sektor seit Jahrzehnten durch diverse Volksfest-Turniere der Handballer, Volleyballer und Tischtennisler, zu denen Teams aus dem gesamten deutschen Raum und dem benachbarten Ausland eingeladen werden.

Corona verschiebt Jubiläum auf 2022

Anfang Juli 2022 steht das nächste große Volksfest-Jubiläum an, dann heißt es zum 70. Mal „O`zapft is“. In diesen sieben Jahrzehnten hat sich die zehntägige „Fünfte Bruckmühler Jahreszeit“ zu einem beliebten Treffpunkt für Jung und Alt entwickelt.

Durch seine bayerische und bodenständige Ausrichtung ist es weit über die Landkreisgrenzen hinaus beliebt. Und auch viele Gäste rund um den Globus waren schon zu Gast im Mangfalltal. Mehr als 30 000 Besucher steuern pro Jahr die SVB-Wiesn an. Sie schätzen besonders die familiäre Atmosphäre.

Dies gilt auch für die Schausteller und Betreiber der Verkaufsstände, die teilweise schon über 30 Jahre eine enge Freundschaft zur SVB-Familie pflegen.

Mit dem Bruckmühler Volksfest besitzt der SVB ein Alleinstellungsmerkmal.

Kommentare