Stadtratswahlen 2020 in Kolbermoor: Ein schwarzer Tag für die Schwarzen

Sieben Parteien und politische Gruppierungen werden in Zukunft im Kolbermoorer Rathaus bei den Stadtratssitzungen vertreten sein. Weinzierl

„Wir haben die Wahl ganz klar verloren – da gibt es nichts herumzureden.“ Deutliche Worte findet der Kolbermoorer CSU-Vorsitzende Sebastian Daxeder einen Tag nach der Stadtratswahl.

Von Mathias Weinzierl

Kolbermoor – Zwei Sitze haben die Christsozialen eingebüßt – und sind somit „der Verlierer der Wahl“, wie Daxeder, selbst wiedergewählt, eingestehen muss.

Über fünf Prozent haben die Christsozialen im Vergleich zu 2014 eingebüßt. Ein Minus von über drei Prozent sind es bei den Sozialdemokraten, die ebenfalls mit sechs Kandidaten – und damit mit einem weniger als 2014 – in den Stadtrat einziehen werden. Gewinne können dagegen die Parteifreien verzeichnen: Sie steigern sich um mehr als zwei Prozentpunkte und haben damit fünf statt bislang vier Sitze errungen. Die Grünen, die ebenfalls leicht zulegen konnten, bleiben bei ihren vier Sitzen.

AfD neu im Kolbermoorer Stadtrat

Neu im Gremium sind die AfD mit zwei sowie die FDP mit einem Sitz. Ein kräftiges Plus von über zehn Prozentpunkte gab‘s zudem bei der Wahlbeteiligung (52,6 Prozent), was Wahlleiter Thomas Rothmayer vor allem darauf zurückführt, dass die Bürger im Vergleich zu 2014 die Wahl zwischen mehreren Bürgermeisterkandidaten hatten. Rothmayer: „Da haben sie den Stadtrat dann gleich mitgewählt.“

Drittbestes Ergebnis für Sedlbauer

Der CSU hat dieser Umstand allerdings nichts gebracht – auch wenn Bürgermeisterkandidat Leonhard Sedlbauer das drittbeste Ergebnis aller Stadtratskandidaten einfahren konnte. „Wir wollten den Wählern ein junges, frisches Gesicht präsentiert – wie beispielsweise mit Sebastian Kurz in Österreich. Doch der Schuss ist letztlich nach hinten losgegangen“, sagt Daxeder gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Fehler im Wahlkampf könne er bei seiner Partei nicht ausmachen. „Wir sind auf die Leute zugegangen – ich wüsste nicht, was wir noch hätten tun sollen.“+++

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SPD Kolbermoor mit lachendem und weinendem Auge

Ebenfalls Federn lassen musste die Kolbermoorer SPD, die laut ihrer Vorsitzenden Sigrid Kumberger das Ergebnis allerdings mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“ betrachtet. Lachend, weil der amtierende Bürgermeister bereits im ersten Wahlgang im Amt bestätigt worden ist. Weinend, weil auch die SPD einen Sitz verliert und nun nur noch mit sechs Ratsmitgliedern im Gremium sitzen wird.

So ist Kumberger selbst im neuen Kolbermoorer Stadtrat nicht mehr vertreten. „Natürlich wäre ich gerne nochmals gewählt worden, sonst wäre ich ja nicht auf Platz acht angetreten“, gesteht die SPD-Vorsitzende und amtierende stellvertretende Fraktionssprecherin. Wichtiger sei ihr jedoch, dass bei den gewählten Sozialdemokraten „eine gute Mischung aus der gesamten Gesellschaft“ herrsche. Daher sei die Kandidatenliste letztlich auch so zusammengestellt worden. Kumberger: „Da muss man dann halt auch mal ins zweite Glied zurücktreten.“

Kolbermoorer Grüne sind zufrieden mit Ergebnis der Kommunalwahl

Zufriedenheit herrscht auch bei den Grünen – auch wenn der leichte Zugewinn bei den Stimmen nicht für einen weiteren Sitz im Gremium gereicht hat. „Wir können zufrieden sein“, sagt Sprecherin Steffi Peters. Besonders freut sich Peters darüber, dass zwei Männer und zwei Frauen der Grünen in den Stadtrat einziehen. „Sonst ist der Stadtrat ja leider wieder sehr männerlastig.“

Einen Anteil daran haben unter anderem die Parteifreien, die nur mit Männern ins neu gewählte Gremium einziehen werden. Vorsitzender Gerhard Schlarb spricht von einem „gewaltigen Ergebnis“, und verweist darauf, dass sich seine Gruppierung um mehr als zwei Prozent steigern und damit einen Sitz mehr als bisher erringen konnte. „Wenn man denkt, mit welchen bescheidenen Mitteln wir im Wahlkampf agieren müssen, ist das schon beachtlich“, freut sich Schlarb über den Wahlerfolg. Was den Zuwachs an Stimmen ausgemacht hat? Schlarb vermutet, dass die Bürger das „sachorientierte Arbeiten“ der Parteifreien honoriert haben: „Das ist ein Dankeschön der Wähler an uns.“

FDP erhält einen Sitz im Kolbermoorer Stadtrat

Einen Sitz haben die Wähler zudem der FDP, gleich zwei Sitze der AfD beschert. Die AfD ist damit erstmals im Kolbermoorer Stadtrat vertreten, was den AfD-Bürgermeisterkandidaten Herbert Schmid, der ins Gremium einziehen wird, freut. Trotzdem hätte sich Schmid noch mehr erhofft: „Wir sind zufrieden, haben aber eigentlich mit etwas mehr gerechnet.“ Doch das sei eben Demokratie. Schmid freut sich auf die Arbeit, die ihn dort erwartet. Probleme mit den anderen Gruppierungen erwartet er eigentlich nicht. „Mit der CSU und den Grünen sind wir ja auch während des Wahlkampfs gut ausgekommen“, sagt Schmid, „nur mit der SPD war es teilweise schwierig“.

Grüne sehen „keine Schnittmenge“

Doch weder CSU, noch Grüne oder SPD können sich eine konstruktive Zusammenarbeit mit den AfD-Vertretern derzeit vorstellen. Während Peters von den Grünen „keine Schnittmenge“ sieht und Daxeder von der CSU sogar „negative Auswirkungen“ befürchtet, wenn die Christsozialen mit der AfD bei Themen übereinstimmen, glaubt Kumberger von der SPD, dass die beiden Stimmen im Stadtrat „überhaupt keine Rolle spielen werden“.

Auch Schlarb von den Parteifreien sieht – was die Grundhaltung der AfD bundesweit anbelangt – keine Gemeinsamkeiten mit seiner politischen Gruppierung. Dennoch ruft er alle neu gewählten Stadtratsmitglieder dazu auf, an einem Strang zu ziehen: „Wir dürfern nicht vergessen: Bei der Kommunalwahl wählen die Bürger nicht die Politik einer Partei, sondern die Menschen, die etwas für ihre Kommune bewegen wollen.“

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