Lüften 2.0.

In neuer Bad Aiblinger Zweifachturnhalle wird geschwitzt, trotzdem muss nie ein Fenster geöffnet werden

Blick auf die neue St.-Georg-Schule mit der ansatzweise im Hintergrund zu sehenden neue Zweifachturnhalle. VISUALISIERUNG Obel Architekten
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Blick auf die neue St.-Georg-Schule mit der ansatzweise im Hintergrund zu sehenden neue Zweifachturnhalle. VISUALISIERUNG Obel Architekten
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Wenn in der neuen Zweifachfachturnhalle an der St. Georg-Schule gelüftet wird, dann nicht einfach durch das Öffnen der Fenster. Das Bauwerk erhält eine zentrale Lüftungsanlage und die Nachbarn sollen so vor Lärmemissionen so gut wie möglich geschützt werden.

Bad Aibling – Die Baugenehmigung für die Grund- und Mittelschule St. Georg liegt vor, der Startschuss für den Rohbau an der Sonnenstraße soll nach Ostern fallen. Doch galt es für den Stadtrat jetzt noch, eine Entscheidung darüber zu treffen, wie die neue Zweifach-Sporthalle künftig belüftet werden soll. Und zwar auch so, dass die Nachbarn möglichst wenig beeinträchtigt werden.

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Eine maschinelle Zwangsbelüftung war in den Planungen gar nicht vorgesehen, der Planer sei der Meinung gewesen, dass eine Querlüftung ausreiche, meinte Stadtbaumeister Andreas Krämer auf Nachfrage. Der Statiker habe aber nun auf das Thema hingewiesen, da er eine eventuell doch gewünschte einer Lüftungsanlage auf dem Dach) in seine Berechnungen mit einbeziehen müsste.

Thema Belüftung zunehmend im Fokus

Projektsteuerer Jens-Wilhelm Brand, geschäftsführender Gesellschafter der Constrata Ingenieur-Gesellschaft mbH (Bielefeld) ging in seinen Ausführungen auf solch eine Vorrichtung „vor dem Hintergrund der auch in Zukunft weiterhin steigenden Wichtigkeit einer wirkungsvollen Belüftung von Aufenthaltsräumen vieler Personen“ ein.

Nach eingehender Debatte sprach sich das Gremium letztlich mit 15:8 Stimmen für eine zentrale Be- und Entlüftung aus. Dabei geht man von Kosten in Höhe von für 220 000 Euro aus. Als Vorteile gegenüber einer dezentralen Lösung mit Zu- und Abluft (187 000 Euro) nannte Brand eine geringere Geräuschentwicklung, die Möglichkeit zur Regelung der Luftmengen und der Anbindung an die Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik (MSR) sowie eine bessere Wärmerückgewinnung. Nachteile seien hier der größere Platzbedarf und ein höheres Gewicht.

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SPD-Rat Richard Lechnerwies auf die zu erwartenden Nutzung der Halle auch durch Vereine bis in die Nacht hinein hin und warnte davor, am falschen Ende zu sparen. Er war zwar der Meinung, dass die Möglichkeit des Querlüftens ausreiche, sah aber bei offenen Fenstern das Problem des Lärms, der sich störend auf die Nachbarn auswirken könne. Rudi Hofschneider (SPD) sowie Grünen-Rätin Katharina Dietel pflichteten ihm bei: „Wenn wir etwas machen, dann was Gescheites. Und das ist eine zentrale Lüftungsanlage.“

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Rudi Gebhart (ÜWG) gab zu bedenken, dass jede Lüftungsanlage für einen gewissen Geräuschpegel sorge und verwies auf einen Aiblinger Betrieb, dessen Vorrichtung auf dem Dach im Umfeld von mindestens 30 Metern zu hören sei. „Es muss wirklich im Vorfeld geklärt werden, was hier auf die Nachbarn zukommt“, forderte er.

Bevor man so viel Geld in die Lüftungsanlage einer Sporthalle investiert, solle auf alle Fälle der tatsächliche Nutzen abgeklärt werden, forderte Dr. Thomas Geppert (CSU). Er sah dies eher skeptisch und meinte, die beste Lüftungsanlage nutze nichts, wenn der eine Sportler den anderen auf kurzer Distanz anhuste. Auch solle in Erwägung gezogen werden, ob es die Möglichkeit in Frage gebe, mit UV-Licht die Luft zu desinfizieren.

„Besser Anlage als offene Fenster“

Andreas Winhart (AfD) zeigte sich von manchen Argumentationen überrascht: „Die Schule wird 2023 fertig. Ich hoffe doch, dass Corona bis dahin überstanden sein wird. Für mich ist wichtig, dass die Anwohner nicht belastet werden. Deshalb halte ich die Anlage für die bessere Lösung als das Lüften durchs offene Fenster.“

Neben der Mehrheitsentscheidung für die Lüftungsanlage schloss sich das Gremium am Ende noch einstimmig der Forderung von Rudi Hofschneider und Richard Lechner (beide SPD) an, dass das Grundwasser, das während der Bauphase abgepumpt werden muss, in den Triftbach und nicht in die Kanalisation abgeleitet werden soll.

Jetzt wird die Baustelle eingerichtet

Projektsteuerer Jens-Wilhelm Brand, geschäftsführender Gesellschafter der Constrata Ingenieur-Gesellschaft mbH (Bielefeld), rechnet damit, dass bis Ende Januar die Baustelle an der Sonnenstraße komplett eingerichtet sein wird und mit den Erd- und Verbauarbeiten gestartet werden kann. Im April/nach Ostern soll mit dem Rohbau begonnen werden. Ab März 2022 erfolgen laut Bauzeitenplan die Schließung der Gebäudehülle sowie der Innenausbau. Für Mai/Juni 2023 ist die Abnahme anvisiert, sodass der Umzug von der Interimsunterkunft an der Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Straße zurück an die Sonnenstraße rechtzeitig vor dem Schuljahresbeginn 2023/2024 erfolgen kann.

Aktuelle Zahlen zu den Kosten

Die Abbruch- und Entsorgungsarbeiten auf dem Schulgelände an der Sonnenstraße sind termingerecht erledigt – und man blieb damit rund 500 000 Euro unterhalb des dafür vorgesehenen Budgets von 1,3 Millionen Euro. „Die Firma Zosseder hat hier einen tollen Job gemacht“, lobte Projektsteuerer Jens-Wilhelm Brand. Auch bei den Erdarbeiten liege man derzeit unter dem Budget von 814 500 Euro. Die Gesamtkosten für das Neubauprojekt belaufen sich laut Berechnung auf 45,5 Millionen Euro (Eigenanteil für die Stadt: 25 Millionen Euro). Zuletzt noch aufgetretene Mehrkosten von 359 757 Euro ergeben sich aus der großen Variante der Photovoltaik-Anlage, dem zusätzlichen Aufzug für die Sporthalle, das Schlammfangbecken für die Werkräume und der Induktionsschleife für Schwerhörige.

Mehraufwand bei Containerschule

Das knapp 3,04 Millionen Euro umfassende Budget für die Containerschule an der Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Straße wird laut Projektsteuerer Jens-Wilhelm Brand um 6,3 Prozent überschritten. Grund für die Mehrkosten von 192 000 Euro: der zusätzlich angelegte Weg zur Wirtschaftsschule, der zusätzliche Zaun zwischen Containerschule und neuem Parkplatz, der zudem nicht als Provisorium, sondern „dauerhaft“ errichtet wurde (hier werden die Kosten nach Abschluss der Maßnahme mit dem Landratsamt verrechnet) und die zusätzliche Fuß- und Fahrtweganbindung zum Parkplatz.

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