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PROJEKT „WALDKINDERGARTEN“

Spielen in Wald und Natur

Bei Wind und Wetter toben Kinder, die in Waldkindergärten betreut werden, im Freien umher, bewegen sich und spielen mit Materialien aus der Natur.  Stache/DPA
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Bei Wind und Wetter toben Kinder, die in Waldkindergärten betreut werden, im Freien umher, bewegen sich und spielen mit Materialien aus der Natur. Stache/DPA

Wie wichtig das Spielen für Kinder ist und welche Faszination der Wald ausübt, wurde interessierten Eltern im vollen Gasthaus Schmid in einem Infoabend zum Projekt „Waldkindergarten“ vor Augen geführt. Wegen der knappen Betreuungsplätze will die Gemeinde Tuntenhausen dieses bis September voranbringen. „Wir schaffen das“, meinte Bürgermeister Georg Weigl.

Tuntenhausen – Mit Rudolf Hettich hatte die Gemeinde einen renommierten Umweltpädagogen und Spieltherapeuten als Referenten eingeladen. Und dieser zeigte den gut 60 Interessierten, darunter Vertreter aller örtlichen Kindergärten, auf, dass ein Waldkindergarten keine Seltenheit ist und es zur Normalität gehört, sich im Wald aufzuhalten: „1600 Waldkindergärten gibt es in Deutschland. 40 000 Kinder gehen täglich in den Wald“, zählte Hettich auf. In seinen Augen übt dieser eine besondere Faszination aus.

Die Fragen der Besucher drehten sich unter anderem um die örtlichen Anforderungen, die Zufahrt und die Gruppengröße. Hettich erklärte, dass eine Fläche von 70 Meter Durchmesser ausreiche und der Treffpunkt eine Stelle am Waldesrand sein könnte, die durch eine gemeindliche Straße zugänglich ist. Laut dem Bürgermeister würden maximal 20 Kinder betreut.

„Was kommt auf die Eltern zu?“, fragte Diakon Josef Hilger. Einblicke konnte die Leiterin des Waldkindergartens Niederaichbach geben, die ebenfalls nach Tuntenhausen gekommen war. Mütter und Väter müssen für wetterfeste und wasserdichte Kleidung sowie Ersatzwäsche sorgen und einiges an Mitarbeit leisten. Denn die Sauberkeit des Bauwagens und die sukzessive Versorgung mit Trinkwasser sind von den Eltern zu regeln.

Die Euphorie einiger Eltern, ihren Nachwuchs gleich im künftigen Waldkindergarten anzumelden, dämpfte der Bürgermeister jedoch. „Bis Mitte März sollte unser Konzept stehen“, gab Weigl den Zeitplan vor. An einigen Grundstücken sei die Kommune „schon dran“, zwischen Ostermünchen und Tuntenhausen sei die ideale Lage. Vorerst werde es nur eine Gruppe am Vormittag geben. Dafür müsse auch noch geeignetes Personal gefunden werden – drei Betreuer und eine Hilfskraft. Als nächsten Schritt wird sich der Gemeinderat mit dem Thema beschäftigen.

Zuvor hatte Hettich dargelegt, dass in seinen Augen die Natürlichkeit von Städten und Dörfern verloren gehe. Kinder wüchsen heute meist nur noch in Räumen und zudem mit überwiegend nicht kindgerechtem Spielmaterial auf. „Die Kinder leben aktuell in einer Gesellschaft, in der alles vorgegeben ist“, kritisierte der Pädagoge. Dabei sei es wichtig, dass sie Kreativität an den Tag legten. „In den ersten sieben Jahren lernen Kinder 90 Prozent ihrer Lebensfähigkeiten“, erklärte der 40-Jährige.

Im Wald fänden die Kleinen dagegen zum „natürlichen Spiel“ zurück. Sie würden sich mit Blättern, Stöcken und Steinen beschäftigen, klettern auf Baumstämme, hangeln, balancieren, matschen und buddeln und ließen ihrer Fantasie im Umgang mit Naturmaterialien freien Lauf. Als Rückzugsort dient bei Schmuddelwetter etwa ein Bauwagen.

Eines stellte Weigl am Ende des Infoabends deutlich heraus: „Wir sind vom Konzept überzeugt.“ Der Resonanz nach zu schließen, waren das auch viele Eltern. ws