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Spiele, Putzpläne und Kleiderkammer

Helfer des Kreis "Migration" empfingen die Asylbewerber vor den Containern und halfen beim Einzug und der Verteilung. Fotos Reisner/Mischi
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Helfer des Kreis "Migration" empfingen die Asylbewerber vor den Containern und halfen beim Einzug und der Verteilung. Fotos Reisner/Mischi

Mit Verspätung erfolgte gestern der Einzug der Asylbewerber in den Containermodulen. Die bereits im ersten Komplex untergebrachten Flüchtlinge hießen dabei ihre neuen Nachbarn willkommen.

Der Helferkreis "Migration" ist dort sowie in der Turnhalle im Einsatz. Der Alltag läuft den ehrenamtlich Aktiven zufolge gut. Die Asylbewerber seien froh, endlich zur Ruhe zu kommen.

Bad Aibling - Seit wenigen Tagen haben auch die Deutschkurse für die Flüchtlinge im ersten Containermodul begonnen. "Es ist wichtig, Sprachbarrieren abzubauen. Das wird dann auch unsere Arbeit erleichtern", ist sich Helferkreis-Leiterin Petra Mareis sicher. Die Teams hätten dennoch hervorragend funktioniert.

So konnten in der Turnhalle an den ersten trüben Herbsttagen Spieleabende, Filmvorführungen sowie Familiennachmittage ausgerichtet werden. Diese soll es auch für die 199 "Neuankömmlinge" ab 26. Oktober nach Registrierung und Eingewöhnungszeit geben. "Die Spiele sind sehr gut angenommen worden. Besonders Schach und Mensch ärgere Dich nicht wurden favorisiert", erläuterte die Chefin des Betreuungsteams gegenüber unserer Zeitung. Die Flüchtlinge in den Containern würden sich schon auf die nächste Aktion freuen. Leicht erklärbare Brettspiele für Erwachsene wie Mühle und Dame würden vereinzelt immer wieder gebraucht werden.

Sportlich waren die Helfer ebenfalls bereits mit den Asylbewerbern im Einsatz. Neben den Radltouren (wir berichteten), gab es Federball, Fußball sowie eine Lauf- und Wandergruppe. "Wichtig ist es, dass die Flüchtlinge eine Beschäftigung haben und nicht den ganzen Tag über rumsitzen müssen", sind sich die ehrenamtlich Aktiven einig. Auch einige Vereine hätten sich schon mit Sportangeboten beteiligt.

Dabei wird die Betreuung im Gegensatz zu den Asylbewerbern in der Turnhalle für die Flüchtlinge in den Containern ausgebaut. "Hier haben wir eine Fahrradwerkstatt eingerichtet, wo die jungen Männer ihr Radl herrichten und verkehrstauglich machen können. Das Fahrrad gehört ihnen dann, vorausgesetzt sie kaufen sich ein Schloss", so die Vertreterin des Betreuungsteams.

Angedacht ist auch eine weitere Schulung der Verkehrsregeln in Deutschland in der Ausstellungshalle. Auch hoffen die Mitarbeiter des Helferkreises darauf, dass noch einmal ein Polizist zur Fahrradschulung (Richtiges Verhalten auf dem Fahrrad im Straßenverkehr) vorbeikommt. "Das erste Mal hat dies sehr gut geklappt, die Flüchtlinge haben das Angebot gerne angenommen und die Vorschriften gelernt", so die Erfahrungen.

Die erste gemeinsame kult-urelle Aktion war jüngst ein Erntedankfest. Dazu hatte die Adventgemeinde Gemüse und Obst gespendet. Demnächst wird auch ein Kochkurs mit den Asylbewerbern durchgeführt, denn viele Produkte in Deutschland sind unbekannt und folglich damit auch deren Zubereitung. Überhaupt, damit der Ablauf in den Containern reibungslos klappt, wurde eine Selbstverwaltung gegründet.

So erstellen die Asylbewerber selbst einen Putzplan (je zwei Flüchtlinge und eine Vertretung des Helferkreise pro Schicht). Einheitlich muss jeder Asylberwerber zum Kauf von Putz- und Waschmitteln pro Monat einen festen Betrag zahlen. Was davon übrig bleibt kommt in eine Spardose.

Der langfristige Wunsch, den sie sich mit dem Ersparten erfüllen wollen ist dann ein WLAN-Anschluss. "Für das gemeinsame Ziel ziehen alle an einem Strang. Jeder arbeitet und hilft mit. Gleichzeitig wird der Gemeinschaftssinn untereinander gefördert", weiß die Leiterin des Betreuungsteams aus Erfahrung.

Sowohl in der Turnhalle als dann auch noch einmal in den Containern gibt es durch den Helferkreis Hygieneschulungen sowie Hausordnungen und Regelunterweisungen. "Vieles was uns selbstverständlich ist, kennen einige Flüchtlinge gar nicht", so Petra Mareis. Dies fange - so landkreisweite Erfahrungswerte - manchmal sogar schon bei einer Toilettenspülung an, die es im Heimatland nicht gab. Bei den Erklärungen würde unter anderem auf folgende Belange hingewiesen: Privatsphäre, "Sonntag ist Ruhetag", Religionsfreiheit, Diskussionskultur, Demokratie, Kleidung, Händeschütteln, Pünktlichkeit, Gleichberechtigung und Flaschenpfand.

Besonders beliebt: Unter dem Motto "Musik verbindet" treffen sich jede Woche die Mitglieder (Ehrenamtliche und Flüchtlinge) des Trommelkurses. Ziel ist es miteinander Spaß zu haben und auch das eine oder andere Stück einzustudieren. "Ganz nebenbei verbessern sich die Deutschkenntnisse durch das ungezwungene Zusammensein", freut sich auch die zweite Helferkreisleiterin Sissi Zinner-Knarr. Die Kreativwerkstatt hat ebenfalls ihre Arbeit bereits aufgenommen. In Werkstatträumen der Förderschule können Flüchtlinge basteln und werken. Ziel: Zum einen Beschäftigung und zum anderen etwas Schaffen. Denn: Die Arbeiten der Flüchtlinge sollen auf dem Weihnachtsmarkt oder bei einem Basar verkauft werden.

Stets als Dolmetscher und helfend zur Seite bei der Betreuung - sowohl in der Turnhalle als auch in den Containern: Die 31 Flüchtlinge, die bereits seit einem Jahr in der Kurstadt leben. Dies erleichtere die Arbeit der Helfer, denn die Asylbewerber seien verschreckt und müssten erst Vertrauen aufbauen.

Ab heute ist zudem eine Kleiderkammer des Helferkeises geöffnet. Diese ist im ehemaligen Jugendhaus der evangelischen Kirchengemeinde untergebracht. Dort wird ausschließlich Kleidung an Flüchtlinge ausgegeben. Heute von 17 bis 18 Uhr werden noch Spenden - Winterkleidung für junge Männer - angenommen. Ebenfalls benötigt werden Bettwäsche, Handtücher, neue Socken sowie ungetragene Unterwäsche. Spenden sind nicht im Pfarrhaus abzugeben. Auch gibt es keinen Bedarf an Baby- und Kinderkleidung.

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