Im Gespräch

Stellvertretende Leiterin am Gymnasium Bruckmühl über Lockdown: „Schule ist mehr als Unterricht“

Alexandra Eberhardt ist die Hygiene-Beauftragte des Gymnasiums Bruckmühl.
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Alexandra Eberhardt ist die Hygiene-Beauftragte des Gymnasiums Bruckmühl.

Vor genau einem Jahr ist Alexandra Eberhardt als stellvertretende Schulleiterin ans Gymnasium Bruckmühl gekommen. Vier Wochen später war Deutschland im Corona-Lockdown. Für die Hygiene-Beauftragte der Schule eine ganz besondere Herausforderung. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen.

Frau Eberhardt, seit dem 15. Februar 2020 sind Sie nun am Gymnasium in Bruckmühl. Welche Bilanz ziehen Sie nach 12 Monaten?

Alexandra Eberhardt: Durch den ersten Lockdown am 13. März, letzten Jahres hatte ich ja eigentlich nur vier Wochen Normalbetrieb. Schüler, Eltern und das Kollegium sind mir dennoch immer vertrauter geworden, aber ich vermisse natürlich die vielen schönen Ereignisse eines Schuljahres. Schule ist mehr als Unterricht. Konzerte, das Sportfest, Theater-Aufführungen oder Austausche und Projekttage fehlen mir genauso wie allen am Gymnasium Bruckmühl. Aber es sind besonders für die Jüngeren interessante digitale Alternativen wie zum Beispiel der „Tutti-Fasching online“ entstanden, ein kleiner Trost.

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Nun sind Sie ja nicht nur Deutsch- und Französisch-Lehrerin und die Stellvertreterin von Herrn Direktor Baier, sondern auch noch die Hygiene-Beauftragte der Schule. Wie fordert Sie diese Aufgabe zusätzlich?

Alexandra Eberhardt: Es ist nicht ganz leicht, die ständigen Neuanpassungen der Rahmenrichtlinien aus dem Landratsamt Rosenheim für die konkrete Situation an unserem Gymnasium zu verarbeiten. Stets muss ich kritisch fragen: Wie sind die Regeln konkret umsetzbar? Was ist kontrollierbar? Und was ist überhaupt vernünftig? Die sinnvolle Handhabung der Corona-Schutzmaßnahmen ist sehr komplex, und wenn zum Beispiel ein Virologe in der Presse eine Trennung der Lerngruppen nach Sozialkontakten anrät, kann das die Familien und Lehrkräfte unter Stress setzen. Wir geben alle unser Bestes.

Kooperieren die Schüler?

Alexandra Eberhardt: Im Schulhaus herrscht eine gute Infektions-Disziplin, wir hatten keinerlei kritische Ansteckungsherde. Was außerhalb auf den Schulwegen und im Privaten abläuft, entzieht sich aber unserer Kontrolle. Gerade die Abiturienten wissen genau, was für sie auf dem Spiel steht. Die Notwendigkeit der Maßnahmen wird nicht infrage gestellt. Und eines ist sicher: Hier wird kein „Not-Abitur“-Jahrgang produziert. Was heuer für die Abiturienten zu leisten ist, erfordert Anstrengungsbereitschaft, Frustrationstoleranz und Courage. Meinen Respekt haben sie schon jetzt, genauso wie das Kollegium und die Familien unserer Schülerschaft.

Lassen Sie uns über den Unterricht sprechen, Frau Eberhardt. Frank und frei: Wie läuft’s?

Alexandra Eberhardt: Der Distanzunterricht läuft insgesamt inzwischen gut. Die meisten Schüler sowie Lehrkräfte haben eine gewisse Routine entwickelt. Seit Anfang Januar haben wir einige Schüler in der Notbetreuung, digitale Leihgeräte gibt es in der Schule. Auch Familien, die Bedarf haben, bekommen von uns eine Ausstattung. Leider gibt es bei Videokonferenzen immer wieder technische Probleme. Unser großes Handicap ist die schwache Qualität des Internet-Anschlusses. Bisher konnten wir im Download nur eine 100-Megabit-Leitung nutzen, im Upload 20 bis 30 Megabit; ab Mitte Februar wird die Kapazität verfünffacht. Dann hoffen wir auf ein baldiges „Upgrade“ durch einen Glasfaseranschluss, doch die Leistung der Internet-Verbindung von Rathaus und Realschule können wir bisher nicht genießen. Erfreulicherweise wurde uns kürzlich mitgeteilt, dass wir für das zweite Quartal eingeplant sind. Es tut sich also etwas.

Und die diversen Unterrichtsformate, wie beurteilen Sie diese?

Alexandra Eberhardt: Grundsätzlich ist Präsenzunterricht und Schule im Präsenzformat ein großes Gut, das wird uns täglich bewusst, wenn wir ihn nicht erleben dürfen. Viele Kinder und Jugendliche vermissen ihre Freunde, in gewissem Maß auch ihre Lehrer. Sei es Schule in Wechsel-, Hybrid- oder Distanz-Format – echte Resonanzen und gelungene Beziehungen entstehen im Schulhaus und nur begrenzt in Video-Konferenzen. Allerdings hat die erzwungene Digitalisierung der Schulwelt neue Möglichkeiten eröffnet zusammenzuarbeiten. Leben heißt Veränderung – alle lernen gerade ganz viel dazu. Wichtig ist aber auch, keine überzogenen Erwartungen zu haben, gelassen und freundlich miteinander umzugehen und den Humor nicht zu verlieren. Ich halte es mit Ringelnatz: „Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.“

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