PROJEKT „DORFGEMEINSCHAFTSHAUS“

So soll der neue Treffpunkt für die Berblinger aussehen

Eine der Ansichten des neuen Bebrlinger Dorfgemeinschaftshauses aus den Plänen des Architekturbüros Bauer. Bauer
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Eine der Ansichten des neuen Bebrlinger Dorfgemeinschaftshauses aus den Plänen des Architekturbüros Bauer. Bauer
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Kein Wirtshaus mehr, kein Café, und auch sonst kaum Platz für gesellschaftliche Veranstaltungen: Droht Berbling ein „Schlafort“ zu werden, wie es CSU-Stadtrat Johann Schweiger formulierte? Gebannt wäre diese Gefahr wohl, wenn die Pläne für das neue Dorfgemeinschaftshaus durchgehen.

Bad Aibling– Ein Dorf ohne Wirtschaft – das ist Berbling mittlerweile. Mit schmerzhaften Folgen für die Dorfgemeinschaft, denn die räumlichen Möglichkeiten für Zusammenkünfte unterschiedlicher Art sind seit der Schließung von Oberwirt und Café Staber sehr begrenzt. Deshalb soll nun ein Dorfgemeinschaftshaus errichtet werden. Mit 10:1 Stimmen empfahl der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung dem Stadtrat, die Planungen dafür jetzt in Auftrag zu geben.

Kosten liegen bei einer Million Euro

Errichtet werden soll das eingeschossige Gebäude samt Keller zwischen der Kirche Heilig Kreuz und dem ehemaligen Gasthof zum Oberwirt im Jahr 2022. Kostenpunkt: rund eine Million Euro. Man rechnet laut Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) mit einer staatlichen Förderung zwischen 50 und 60 Prozent.

Unterschiedliche und interessante Entwürfe

Die vier am Planungsverfahren beteiligten Architekturbüros hätten sehr unterschiedliche und sehr interessante Entwürfe eingereicht, sagte Stadtbaumeister Andreas Krämer, der über den Zwischenstand informierte. Die Jury habe sich letztlich klar für die Pläne von Benno Bauer aus München entschieden. Und zwar, wie Bürgermeister Stephan Schlier betonte, in enger Abstimmung mit den Berblingern. Denn: „Es ist ein wichtiges Projekt, um die Dorfgemeinschaft zu stärken, deshalb muss es vor allem für Berbling passen.“

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So waren neben Vertretern der Stadt, der Kreisheimatpflege, des benachbarten Kindergartens und des Amts für ländliche Entwicklung sechs Vertreter der Teilnehmergemeinschaft „Dorferneuerung Berbling“ sowie der Dorfgemeinschaft in der Jury.

Grünen-Rat Sebastian Uhl wollte wissen, nach welchen Kriterien der Bedarf an solch einem Projekt ermittelt werde. Schließlich seien ja Räume vorhanden, die gemeinsam genutzt werden können. Schlier erklärte, dass der Saal über dem Kindergarten schlichtweg zu klein sei – mehr als 30 Personen hätten darin nicht Platz – und die Räumlichkeiten beim früheren Oberwirt nicht mehr zur Verfügung stünden. Er sei selbst überrascht gewesen, als er erfuhr, wie vielfältig die geplante Nutzung des neuen Gebäudes sei. Der Berblinger CSU-Rat Johann Schweiger ergänzte, dass auch das Feuerwehrstüberl mit 20 Plätzen zu klein sei.

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Der Bedarf für das Dorfgemeinschaftshaus orientiere sich an den Veranstaltungen, die früher beim Oberwirt stattgefunden hätten. Durch dessen Schließung sei ein Vakuum im Dorf entstanden. Er warnte: „Gibt es kein Dorfgemeinschaftshaus, gibt es kein gesellschaftliches Leben mehr in Berbling. Das ist wirklich so.“

Bei dem Vorhaben handle es sich auch keinesfalls um eine Luxusplanung. Wünsche seien massiv zusammengestrichen worden, da es sich nur um ein kleines Grundstück handle, das zur Verfügung stehe. Es sei um die Frage gegangen „Was brauchen wir wirklich?“ Und dies sei in der Planung sehr gut ausgearbeitet worden.

Berbling soll nicht „Schlafdorf“ werden

Mit eindringlichen Worten bat Schweiger seine Kollegen im Gremium um Zustimmung – „sonst werden wir ein Schlafdorf“.

Dieses Ansinnen hält Erwin Kühnel (CSU) für „mehr als berechtigt und sehr wichtig für die Gemeinschaft im Ort.“ Er erinnerte daran, dass es auch in den Ortsteilen Mietraching mit dem Vereinsheim, Ellmosen mit Räumlichkeiten im Kindergarten und Willing mit dem Gmoahof Platz für die Dorfgemeinschaften gebe. Ebenso in Harthausen, schloss sich Schlier an.

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Uhl plädierte dennoch für eine Zurückstellung des Projektes um ein halbes oder ein ganzes Jahr. „Es handelt sich doch um viel Geld für vielleicht 300 Leute, das wir im Moment nicht zwangsläufig ausgeben müssen.“ Ob denn ein unterirdischer Schießstand oder eine variable Bühne unbedingt nötig seien, stellte er in Frage.

Schlier wies darauf hin, dass zum Beispiel auch Oberpfarr, Mainz und Heinrichsdorf zu Berbling gehören – „das sind schon mehr als 300 Leute“. Außerdem befinde man sich gerade mitten im Projekt „Dorferneuerung“, das er gerne fortführen wolle. Noch dazu sei fraglich, ob es zu einem späteren Zeitpunkt die Förderung, auf die man „schon ewig“ gewartet habe, noch gibt.

Projekt wird nicht zurückgestellt

Uhls Antrag auf Zurückstellung beziehungsweise Absetzung des Tagesordnungspunktes lehnte der Bauausschuss letztlich mit 8:3 Stimmen ab.

Das Dorfgemeinschaftshaus

Das sollten die Büros bei ihrer Planung berücksichtigen: In dem 215 Quadratmeter großen Erdgeschoss sollen ein Saal mit etwa 90 und ein Stüberl mit 25 Quadratmetern entstehen. Dazu kommen ein Foyer mit Garderobe sowie Lager, Aufwärmküche, Kühllager, Behinderten-WC und Nebenräume. Im circa 180 Quadratmeter großen Keller sind ein Schießstand, ein Lager sowie eine Sanitär-/Toilettenanlage vorgesehen. Der Saal sollte für Veranstaltungen vielfältig nutzbar sein. Von Seiten der Dorfgemeinschaft Berbling wurde insbesondere für den Zusammenhang von Saal, Aufwärmküche und Stüberl ein im Alltag funktionstauglicher Grundriss erwartet.

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Nachdem sich die Nutzungszeiten zwischen Kindergarten und Gemeinschaftshaus nicht überschneiden, sollte der Freibereich im Westen von beiden Einrichtungen genutzt werden können. Wichtig war ferner, dass das Haus in das sensible dörfliche Umfeld (neben dem alten Schulhaus befinden sich drei weitere Baudenkmäler im unmittelbaren Umfeld) eingebunden wird. Der Standort selbst ist Bestandteil des „Ensembles Berbling“. Nach Meinung der Jury hat das Büro Benno Bauer aus München all die Maßgaben am besten umgesetzt. Neben dem Stadtrat, der in seiner Sitzung am Donnerstag, 28. Januar, über den Vorschlag des Bewertungsgremiums und den Planungsauftrag entscheidet, muss ein solcher Beschluss auch in der Teilnehmergemeinschaft zur Dorferneuerung Berbling gefasst werden.

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