Hilft Unterricht online?

Wie Bad Aiblings Lehrer und Schüler trotz Corona-Lockdown Abschluss-Prüfungen vorbereiten

Längst Alltag an der Wilhelm-Leibl-Realschule: Direktor Matthias Wabner bereitet eine Videokonferenz vor.
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Längst Alltag an der Wilhelm-Leibl-Realschule: Direktor Matthias Wabner bereitet eine Videokonferenz vor.
  • vonJohann Baumann
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Für Hunderte Aiblinger Schüler stehen in wenigen Monaten die Abschlussprüfungen an. Doch Präsenzunterricht ist wohl noch lange nicht möglich. Wir haben uns an den Schulen umgehört, wie das Lernen und die Vorbereitungen auf Distanz so klappen.

Bad Aibling – Nach dem Ende der wegen Corona verlängerten Weihnachtsferien bleiben die Klassenzimmer in den Schulen vorläufig leer: Derzeit ist allerorten Distanzunterricht angesagt. Wann die Schülerinnen und Schüler wieder persönlich in ihren Schulen zurückkehren, ist momentan ungewiss.

Besonders von der aktuellen Lage betroffen sind die Abschlussklassen, in denen ja die entscheidenden Prüfungen anstehen.

Das sind die neuen Prüfungstermine

Seitens des bayerischen Kultusministeriums wurde festgelegt, die Abitur- beziehungsweise Abschlussprüfungen nach hinten zu verschieben. Als Prüfungsstart hierfür nannte das Kultusministerium ganz aktuell: Mittelschule/ Mittlerer Schulabschluss und Realschule 6. Juli, Mittelschule/Qualifizierender Abschluss und Realschule ab 12. Juli, Wirtschaftsschule ab 2. Juli, Gymnasium an 12. Mai, FOS/BOS ab 10. Juni.

Mündliche Tests sind möglich

Während des aktuellen Distanzunterrichts werden keine „großen Leistungsnachweise“ (Schulaufgaben) angesetzt, mündliche Tests sind aber möglich. Unsere Zeitung hat sich in einer Umfrage bei den Leitungen der betreffenden Aiblinger Schulen und bei einigen ihrer Schützlinge über die aktuelle Situation erkundigt.

Fabian Jablonski (15), Kolbermoor Wilhelm-Leibl-Realschule (10c): „Es ist schon ungewohnt, die ganze Zeit vor seinem Gerät zu sitzen, aber alle gewöhnen sich daran und der Distanzunterricht wird mehr und mehr zum Alltag. Auch wenn der Prüfungszeitpunkt ungewiss ist, mache ich mir keine Sorgen, alle sind sehr zuversichtlich und auch die Lehrkräfte beruhigen uns.“

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In der Wirtschaftsschule Alpenland streben 142 Schüler in sechs Klassen ihrem Schulabschluss entgegen. Dort hat man für den digitalen Unterricht die Plattform „Teams“ ausgewählt. „Wir sind sehr zufrieden mit der Wahl und das System läuft wirklich gut“, attestiert Oberstudiendirektor Randolf John. Er könne sich vorstellen, mündliche Leistungsnachweise beispielsweise per Video-Konferenz durchzuführen. Generell sei es möglich, dass nicht alle vorgesehenen Leistungsnachweise erbracht werden müssen.

Leonie Fuchs (17), Raubling, Gymnasium Bad Aibling (Q12): „Das Home Schooling ist in der zweiten Corona-Phase mit ,Teams‘ besser organisiert, es gibt zum Beispiel weniger Überschneidungen. Da die Prüfungstermine noch nicht feststehen, empfinde ich derzeit viel zu wenig Druck und das ist irgendwie irreal. Ich fühle mich daher momentan noch nicht so richtig als Abiturientin.“

„Ein Schulhaus ohne Schulkinder is‘ nix“

„Ein Schulhaus ohne Schulkinder is‘ nix“, konstatiert Wolfgang Baumann, Rektor der St. Georg-Mittelschule mit 49 künftigen Schulabgängern in drei Klassen. Er hebt die beeindruckenden Leistungen der Lehrkräfte und der Eltern bei der Suche nach kreativen Lösungen in den Home-Schooling-Zeiten hervor. Dort werden die Systeme „Teams“ und „Homeworker“ erfolgreich eingesetzt. Da in den Mittelschulen die Abschlussprüfungen spät stattfänden, habe man genügend Zeit.

126 Schüler lernen derzeit fürs Abitur

Im Gymnasium bereiten sich 126 Abi-Aspiranten auf ihre Reifeprüfung vor. „Der digitale Unterricht läuft bei uns stabil über ,Teams‘ für Videokonferenzen, über Mebis‘ für Arbeitsaufträge mit zeitlich gestaffeltem Zugang und das ,Schülerportal‘“, betont Oberstudiendirektor Michael Beer. Bei der Abitur-Vorbereitung komme es außerdem zu einer Ausdünnung der Lehrpläne. „Die Schüler erfahren dabei, was beim Abi nicht drankommt“, erläutert der Schulleiter.

Alexander Lauber (15), Bad Aibling, St. Georg-Mittelschule (9b) „Mit dem Distanzunterricht komme ich gut zurecht und auch die Internetverbindung klappt gut. Die Fächeranzahl ist eingeschränkt und die Hausaufgaben bekommen wir online. Den anstehenden Abschlussprüfungen schaue ich ohne Bedenken entgegen, weil ich das Gefühl habe, dass ich es schaffen kann.“

Jeder Lehrer gibt Online-Unterricht

90 Schüler in sechs Abschlussklassen in den Schularten „Fachoberschule“, „Realschule“,d „Mittelschule“ („Quali“ und „M-Zug“) und „Förderschule“ stehen am Dietrich-Bonhoeffer-Bildungs-Campus in den „Prüfungs-Startlöchern“. An der privaten Schule läuft der „interaktive Live-Unterricht“ problemlos auf „Teams“.

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„Der Schwerpunkt liegt auf den Prüfungsfächern und jeder Lehrer gibt Online-Unterricht“, schildert Schulleiter Markus Schmidt. Ein eventueller, kurzfristiger Wechsel in den Präsenzunterricht stelle für die Eltern organisatorisch ein größeres Problem dar als für die Schule, so Schmidt. Eine große pädagogische Herausforderung sieht er beim Wiederheranführen der Schüler an den Präsenzunterricht und ihre Wiedergewöhnung an die Ganztagsschule.

Shiva-Maria Tackenberg (17), Heufeld, Wirtschaftsschule Alpenland (11z): „Beim Distanzunterricht hat nicht jeder von uns die gleichen technischen Bedingungen, aber er läuft ganz gut. Unsere Lehrer machen das sehr gut und bringen den Stoff gut durch. Wir hoffen, dass wir nochmal in die Schule gehen können, denn die Prüfungen nur mit Distanzunterricht wären sehr schwierig.“

Schüler bereiten sich via Teams vor

An der Rupert-Egenberger-Schule lernen zwölf Abschluss-Schüler digital mit „Teams“ für ihre Prüfungen. Angelika Held, Rektorin des Sonderpädagogischen Förderzentrums, sehnt sich nach der Rückkehr zum Wechselunterricht. „Er ist in einer Förderschule viel effektiver als reiner Distanzunterricht“ argumentiert sie.

Zehn Abschlussklassen an der Realschule

Ein voller, gleichzeitiger Präsenzunterricht für alle zehn Abschlussklassen mit ihren 115 Schülern würde in der Wilhelm-Leibl-Realschule unter Einhaltung der Abstandsregelungen erhebliche Raumprobleme bedeuten. „Der digitale Unterricht mit ,Teams‘ läuft sehr stabil, die Schüler sind sehr diszipliniert, haben einen guten Kontakt untereinander und machen das toll“, berichtet Realschuldirektor Matthias Wabner und ergänzt: „Die digitale Zusammenarbeit geht ja später im Beruf weiter.“

Wie sehen Schüler der Abschlussklassen den Prüfungen entgegen?

Von Ungewissheit geprägt ist die Situation, in der sich neben den Lehrern auch die Schüler der Abschlussklassen befinden. Wir haben in Bad Aibling Schüler der Mittelschule St. Georg, der Wirtschaftsschule Alpenland, der Wilhelm-Leibl-Realschule und des Gymnasium gefragt, wie sie mit der Situation umgehen.

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