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Rettungsaktion beginnt um 4.30 Uhr morgens

So rettet ein Bad Aiblinger Verein die Rehkitze vor dem Mähtod

Miriam Hinreiner vom Suchtrupp mit dem aufgespürten Rehkitz. Baumann
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Miriam Hinreiner vom Suchtrupp mit dem aufgespürten Rehkitz. Baumann
  • vonJohann Baumann
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Morgens um 4.30 Uhr geht es los: Die Vereinsmitglieder treffen sich, schicken eine Drohne in die Luft, um die Tiere ausfindig zu machen. Mit dem Ergebnis machen sie sich auf die Suche nach den Rehkitzen, um sie vor dem Mähtod zu bewahren. Hat man eines entdeckt, wird es unter einem Wäschekorb am Rand des Feldes gesichert. Die OVB-Heimatzeitungen waren mit vor Ort.

Bad Aibling – „Jedes Jahr werden tausende Rehkitze, Junghasen durch die großen Mähwerke der Landwirte getötet. Wir haben uns zum Ziel gesetzt im Raum Bad Aibling, Tuntenhausen, Bruckmühl, Miesbach und Rosenheim so viele Wiesenflächen wie möglich vor der Mahd mit unseren Drohnen mit Wärmebildkameras abzusuchen und die Tiere zu retten“, so beschreibt der 2020 gegründete Bad Aiblinger Verein „Rehkitzrettung Mangfalltal“ seinen Vereinszweck.

Max Riedl schickt die Drohne auf ihren Flug, sie zeigt, wo Rehkitze sein können.

Die Rehkitze werden von der Mutter, der Rehgeiß, hauptsächlich im Mai und Juni „gesetzt“ – sehr häufig im hohen Gras der an die Wälder grenzenden Wiesen, weil dort der „Feinddruck“, beispielsweise durch Füchse, wesentlich geringer ist als im offeneren Waldgelände. Wegen der gleichzeitigen Heuernte geraten die Jungtiere durch landwirtschaftliche Geräte wie beispielsweise Kreiselmäher oftmals in höchste Lebensgefahr.

Die meist ein bis zwei Wochen alten Jungtiere verfügen noch nicht über einen Fluchtinstinkt und drücken sich stattdessen ganz fest auf den Boden. Daher gilt es, die Kitze vor dem Mähvorgang aufzuspüren und aus den Wiesen zu entfernen.

Start um 4.30 Uhr in der Früh

Der Mangfall-Bote hat jetzt Einsätze der „Rehkitz-Detektive“ begleitet. „Treffpunkt um 4 Uhr 30 am Ortsrand von Bergham“: so lautete die Nachricht von Lukas Kranz, der mit Thomas Wierer das Vorstands-Duo des Vereins, bildet. Es ist noch dunkel, als Lukas mit Max Riedl die Drohne mit der Wärmebildkamera zum Start im Bruckmühler Ortsteil vorbereitet. Vorab wurden die insgesamt acht zu beobachtenden Feldflächen in das System der nur gut zwei Kilo schweren Drohne eingegeben, die automatisch gesteuert in 70 Metern Höhe die insgesamt rund 25 Hektar abfliegt.

Pro Tag kann die Drohne bis zu 55 Hektar „bearbeiten“. Auf dem Monitor des „Fluglotsen“ erscheinen als weiße Flecke die Punkte, die von der Wärmebildkamera erfasst wurden. Die Kamera liefert zudem die genauen Koordinaten der jeweils erfassten Ziele, die vom „Bodenpersonal“ notiert und in ein GPS-Gerät eingegeben werden.

Landwirte informieren Verein über Mähtermin

„Die Flüge müssen so früh wie möglich am Morgen stattfinden, weil da der Kontrast ,kühle Wiese/warmes Kitz‘ am stärksten ist“, schildert Lukas Kranz. Bei der Vorbereitung der Drohnenflüge sind die Rehkitz-Retter auf die rechtzeitige Meldung der Landwirte über ihre „Mähpläne“ angewiesen, die Kranz zufolge nicht immer optimal ist.

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„Hier in Bergham hat uns der Landwirt Josef Wöstner aber geradezu vorbildlich mehrere Tage vorher seine Mähzeiten gemeldet“, hebt Lukas Kranz hervor. Gut zwei Stunden später machen sich dann Suchtrupps anhand der GPS-Daten auf den Weg durch die Wiesen. Dabei stellt sich heraus, dass es sich nicht bei allen aus der Luft erfassten „Objekte“ um Rehkitze handelt.

So registriert das Kamerasystem beispielsweise ein von einem Wildschwein freigelegtes Rasenstück wegen seiner unterschiedlichen Temperaturabstrahlung. Gelegentlich ist das vermeintliche Kitz auch ein Hase, der aber fluchtartig im Zickzack-Kurs das Weite sucht. Manchmal hat ein schon größeres Kitz zwischen dem Drohnenflug und der Bodensuche seinen nächtlichen Schlafplatz schon wieder verlassen – eine kuschelige Mulde im Gras zeugt von seiner Anwesenheit.

Nachwuchs unter Waschekorb gesichert

Größere Rehkitze, die auch noch das Gras für ihre Nachtruhe aufsuchen, laufen nach dem Auffinden meist davon und suchen ihre Mutter, die meist im Waldrand wartet. So ist es auch in Bergham geschehen, wo die „Rehkitz-Fahnder“ aber ein weiteres Rehkitz aufspüren und sichern konnten. Bei der Bergung des Kitzes ist unbedingt darauf zu achten, dass es nicht unmittelbar von Menschenhand angefasst wird, weil es danach von der Mutter eventuell verstoßen wird.

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Die „Finder“ tragen daher Handschuhe und das Kitz wird zudem in ein Grasbüschel gehüllt und am Wiesenrand in einem umgestülpten Wäschekorb gesichert. Wenn der Mähvorgang abgeschlossen ist, wird es aus seiner„Sicherungsverwahrung“ entlassen und kurze Zeit darauf von seiner Mutter wieder in Empfang genommen.

Bei weiteren Einsätzen nahe Tuntenhausen und Sindlhausen konnten zwei Rehkitze aufgespürt und gesichert werden. Dort wurde auch ein Kitz aufgefunden, dass zwischen der Kameraerfassung und der Suche offenbar von einem Fuchs totgebissen worden war.

39 Kitze seit Anfang Mai gerettet

Seit Anfang Mai wurden an zehn Einsatztagen von den rund 20 ehrenamtlich tätigen „Zielfahndern“ 39 Rehkitze gerettet. „Die Drohnenrettung ist eine feine Sache, früher mussten wir die Wiesen ohne jegliche Vorab-Hinweise zu Fuß abgehen“, bekräftigte Kilian Gambos, Jagdpächter des Reviers „Hohenthann I“.

Thomas Wierer (li.) und Markus Huber haben ein Kitz entdeckt und bereiten die Bergung vor – aber das etwa vier Wochen alte Tier war bereits weg.

Der Verein „Rehkitzrettung Mangfalltal“ würde seine „Präventivmaßnahmen“ gern noch ausweiten. „Wir mussten aber die letzten Tage sehr vielen Landwirten absagen, da uns weitere Kapazitäten in Form einer zweiten Drohne gefehlt haben“, so Kranz. Bei der Anschaffung einer weiteren Drohne sei der 33 Mitglieder zählende Verein hauptsächlich auf Spenden angewiesen.

Unterstützer gesucht

„Auch personelle Unterstützung beispielsweise für die Suchtrupps ist willkommen“, so Vorsitzender Lukas Kranz. Wer Interesse hat, meldet sich per E-Mail unter info@rehkitzrettung-mangfalltal.de. Interessenten oder potenzielle Sponsoren können sich auch unter www.rehkitzrettung-mangfalltal.de auf der Homepage informieren.

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