Tipps: So päppelt man Igel auf

Verletzt und in Not: Frau aus Kolbermoor rettet einem Igel das Leben

OP gut überstanden – der kleine Igel aus Kolbermoor.
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OP gut überstanden – der kleine Igel aus Kolbermoor.
  • Ines Weinzierl
    vonInes Weinzierl
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Kunststofffäden verursachen tiefe Schnittwunden im Beinchen des Säugers. Nach erfolgreicher Operation überwintert ein etwa einjähriger Igel nun bei einer Patin. Wie es sich genau abgespielt hat und welche Tipps eine Igel-Expertin parat hat.

Kolbermoor/Bruckmühl – Die Kolbermoorerin Brigitte Schindler ist überglücklich: Der kleine Igel, den sie in ihrem Garten entdeckte, hat überlebt. Nach einer Operation in einer Bruckmühler Tierarztpraxis geht es dem Igelchen wieder gut. Nachdem er in der Praxis aufgepäppelt wurde, überwintert das etwa einjährige Tier jetzt bei einer Patin im Mangfalltal.

Kolbermoorerin bringt Igel zu Tierärztin

Aber von vorne: Brigitte Schindler entdeckte den Igel völlig zurückgezogen in ihrem Garten. Nachdem sie ihn mit Katzenfutter versorgt hatte, wollte sie ihn von den grünen Kunststofffäden befreien, die an seinen Beinchen festhingen. „Allerdings rollte er sich sofort ein. Er muss große Schmerzen gehabt haben.“

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Daraufhin fuhr sie mit dem Igel in die Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Dr. Mager & Dr. Radzey nach Bruckmühl. „Ob er das überlebt, wissen wir nicht“, habe man ihr dort gesagt.

Fäden stammen von Meisenknödel

Tierärztin Dr. Tanja Radzey stellte fest, dass sich die grünen Kunststofffäden – von einem Meisenknödel – bis auf die Knochen in eines seiner Vorder- und eines seiner Hinterbeinchen gefressen hatten. Er wurde narkotisiert und die Tierärztin entfernte die Fäden, versorgte die Wunden und nähte sie wieder zu. Daraufhin wurde er in der Praxis aufgepäppelt und gesund gepflegt.

Schlimme Verletzungen durch Mähroboter

Hat sie diese Art von Verletzungen öfter? „Zwei- bis dreimal im Jahr schon“, sagte sie. Noch häufiger passiere es hingegen, dass den Igeln Beinchen fehlen – „das komme von Mährobotern“, sagt sie.

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Wenn man die Tiere nicht findet, verenden sie jämmerlich. Denn sie verkriechen sich, wenn sie Schmerzen haben, so die Veterinärin. Ein Glücksgriff, also den Brigitte Schindler in ihrem Garten hatte, andernfalls wäre auch der Kolbermoorer Igel gestorben.

Tierärztin versorgt Igel ehrenamtlich

An dieser Stelle in ihrem Garten hat Brigitte Schindler den Igel gefunden.

Der ist jetzt bei einer Igel-Patin, die sich um ihn kümmert. Vermittelt wurde die Patin vom Tierschutzverein Bruckmühl und Umgebung, mit der Radzey eng zusammen arbeitet. In der Bruckmühler Tierärztlichen Gemeinschaftspraxis Dr. Mager & Dr. Radzey werden die Tiere ehrenamtlich versorgt – kurz: Schindler sind für die Igel-OP keine Kosten angefallen. Eine Igelstation gibt es in Bruckmühl nicht mehr. Deshalb werden kranke oder unterernährte Igel in Pflegestellen betreut.

Jetzt muss er ordentlich zunehmen

In so einer Station überwintert auch der Kolbermoorer Igel – jetzt muss er noch ordentlich zunehmen, damit er über den Winter kommt. Wenn er aus dem Winterscherschlaf im Frühjahr erwacht, soll er nach Kolbermoor zurück. Nach Hause in Brigitte Schindlers Garten.

Damit die stacheligen Säugetiere gesund und munter bleiben: Das rät der Tierschutzverein Bruckmühl

Damit Igel gut durch den Winter kommen, sollten Zwei- bis Dreijährige um die 1000 Gramm auf die Waage bringen, etwa einjährige Tiere mindestens 500 Gramm. Im Garten von Julia Grundmann vom Tierschutzverein Bruckmühl, leben gleich mehrere Igel. Sie hat beispielsweise Futternäpfe versteckt – „die Katzen finden die nicht, Igel aber schon“, sagt Grundmann. Und wenn abends mal der Napf leer ist, schieben die stacheligen Säuger ihn durch die Gegend. Ganz nach dem Motto „Mehr!“

Folgende Tipps hat sie parat, damit sich die Igel auch in anderen Gärten wohlfühlen:

  • Wasserschalen aufstellen
  • trockenes oder feuchtes Katzenfutter bereit stellen
  • Laubhaufen liegen lassen und erst im späten Frühjahr wegräumen
  • Stellen im Garten „verwildern“ lassen
  • Schlupflöcher in Gartenzäunen lassen – Igel wandern gerne herum.
  • Wer sich als Pate für Igelchen engagieren möchte – oder weitere Informationen rund um die Säugetiere benötigt, schaut unter www.tierschutzverein-bruckmuehl.de

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