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Ihr Tod brachte Geldsegen für André Engelhardt

So hat ein Großkarolinenfelder vom Unfall von Prinzessin Diana vor 25 Jahren profitiert

Stolz präsentierte das Ehepaar 1998 in Großkarolinenfeld das Logo der Marke „Lady Di“.
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Stolz präsentierte das Ehepaar 1998 in Großkarolinenfeld das Logo der Marke „Lady Di“. 
  • Mathias Weinzierl
    VonMathias Weinzierl
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Während die Welt vor 25 Jahren um Königin Diana trauerte, schickte André Engelhardt aus Großkarolinenfeld ein Fax, mit dem er sich die Rechte an der Marke „Lady Di“ sicherte. Ein Coup, der ihm viel Geld, aber auch Vorwürfe einbrachte.

(ANMERKUNG DER REDAKTION: Dieser Artikel wurde ursprünglich am 31. August 2017 in den OVB-Heimatzeitungen veröffentlicht.)

Großkarolinenfeld – Während für Millionen Fans heute vor 25 Jahren eine Welt zusammengebrochen ist, konnte das Ehepaar André (59) und Annette Engelhardt (64) aus Großkarolinenfeld den 31. August 1997 rückblickend als persönlichen Erfolgstag verbuchen. Zumindest aus finanzieller Sicht.

Denn der dramatische Unfalltod von Diana, Prinzessin von Wales, der Menschen rund um den Globus in Trauer stürzte, brachte André Engelhardt auf eine gewinnbringende Idee: Nur einen Tag nach dem Ableben der royalen Ikone sicherte sich der gelernte Industriekaufmann und spätere Jura-Student die Rechte am Markennamen „Lady Di“ – und verdiente damit ein Vermögen.

Linke Bildhälfte: Pferdebegeistert - das Ehepaar Annette und André Engelhardt auf seiner Ballermann-Ranch in Niedersachsen. Rechte Bildhälfte: Dieses Modell trägt „Lady Di“ auf der Haut.

Braungebranntes Gesicht, akkurat geschnittener Schnurrbart und Cowboyhut – so präsentiert sich der Selfmade-Millionär, der 2011 seine Zelte in Großkarolinenfeld abgebrochen hat, dessen Unternehmen A. Engelhardt-Markenkonzepte GmbH aber weiterhin in der kleinen Gemeinde ansässig ist, auf einer seiner Internetseiten. Er ist keiner, der die Öffentlichkeit scheut.

Dass er in der Vergangenheit mit Markenrechten Millionen gemacht hat, sei ja auch kein Geheimnis, so der gebürtige Nordrhein-Westfale gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Und die finanziellen Quellen sprudeln weiter. Den Großteil seines Vermögens machte das Ehepaar Engelhardt in den vergangenen Jahrzehnten allerdings nicht mit der verstorbenen Prinzessin, sondern – etwas weniger glamouröser, dafür umso lauter – mit der Marke „Ballermann“.

Nachdem er während seines Jura-Studiums Mitte der 90er-Jahre eine Studienarbeit über die Neuregelung der Markenrechte verfasst hatte, schlug er selbst zu und sicherte sich die Rechte an der Marke „Ballermann“. Eine Goldgrube, wie der damals 34-Jährige schnell bemerkte. Egal ob Ballermann-Party, Ballermann-CD oder Ballermann-Shirt – überall, wo das Wort „Ballermann“ auf kommerziellen Angeboten auftaucht, verdient das Ehepaar bis heute mit.

Durch „Ballermann“ zum Millionär

Beispiel Ballermann-Feten: 1,50 Euro pro Besucher, mindestens aber 750 Euro, kassiert der Großkarolinenfelder Unternehmer für Partys, die eine Lizenz für den Titel „Ballermann“ gekauft haben und beispielsweise zur „Ballermann-Sommerparty“ laden. „Wir haben unter anderem viele Burschenvereine, die mit dem Namen ,Ballermann‘ eine Duftmarke in ihrer Region setzen wollen und daher das Geld in die Lizenz investieren“, gewährt Engelhardt Einblicke in seinen Kundenstamm.

Hinzu kommen Einnahmen, die die Engelhardts bei unerlaubter Verwendung der Marke eintreiben lassen. Wobei der Geschäftsmann betont, dass sich diese Einnahmen in Grenzen halten, die Abmahnungen aber dringend notwendig seien. „Wir haben nicht nur das Recht, den Namen zu verwenden, sondern auch die Pflicht, die Marke nicht zu verwässern.“

Kümmere sich das Unternehmen nicht um die Verfolgung der Übeltäter, drohe ihm im schlimmsten Fall, das Recht an der Marke zu verlieren. Eine Erfahrung, die Engelhardt 2004 mit der Marke „Lady Di“ erlebt hat. Allerdings aus anderen Gründen. Anfang Januar 1998 erhielt der Unternehmer vom Deutschen Patentamt die Bestätigung, dass die Marke „Lady Di“ unter der Nummer 39741706 auf seinen Namen eingetragen wurde. Danach rannten ihm Unternehmen nahezu aller Branchen die Türen ein: Parfüms, Unterwäsche, Reisekoffer – alles sollte unter dem Markennamen „Lady Di“ angeboten werden.

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„Der Name steht ja auch für Eleganz, und Glamour“, erklärt der Unternehmer rückblickend den fast schon königlichen Erfolg. Befeuert wurde der Markencoup durch einen immensen Presserummel, der darin gipfelte, dass einst zwei Reporter des englischen Senders BBC in Großkarolinenfeld vorstellig wurden. „Daher wissen wir auch, dass wir sogar am Frühstückstisch im Buckingham-Palast Gesprächsthema gewesen sind“, erinnert sich Engelhardt an das mediale Interesse.

Hunderttausende D-Mark flossen über den Lizenzverkauf aufs Konto der Engelhardts – bis das Ehepaar 2004 den Markennamen auf Intervention des Nachlassverwalters von Prinzessin Diana vor dem Bundespatentgericht verlor. Ein Verlust, der laut André Engelhardt verschmerzbar war – hatte die Marke doch bereits deutlich zum Sinkflug angesetzt. „Für viele hatte es ein Geschmäckle, dass der Markenname der Verstorbenen für Dessous und Kerzen verwendet worden ist“, erinnert sich der Unternehmer. „Die Tragödie hatte Jahr für Jahr mehr Schatten auf die Marke geworfen.“ Deshalb habe er sich auch letztlich nicht gegen den Gerichtsbeschluss zur Wehr gesetzt: „Wir hätten gutes Geld verbrennen müssen. Das wäre Unsinn gewesen.“

Vorwurf der Pietätlosigkeit

Keine Rolle habe hingegen der Vorwurf, mit einer derartigen Tragödie könne man doch kein Geld machen, gespielt, wie der 54-Jährige betont: „Auch Dianas Bruder, die treibende Kraft hinter der gerichtlichen Auseinandersetzung, ging es doch nur darum, den Namen seiner Schwester selbst zu vermarkten“, ist sich Engelhardt sicher.

Nur wenn sich Dianas Söhne William und Harry an den Unternehmer aus Großkarolinenfeld gewandt hätten, wäre er weich geworden und hätte sofort auf die Namensrechte verzichtet. So aber sieht der Unternehmer auch rückblickend keine Pietätlosigkeit und nichts Verwerfliches in seinem Handeln. Engelhardt: „Ich würde es wieder so machen.“ Was auch für seinen privaten Umzug 2011 von Großkarolinenfeld nach Scholen südlich von Bremen gilt. Nachdem die Gemeinde Großkarolinenfeld seinen Wunsch, eine große Pferderanch im Ortszentrum zu eröffnen, abgelehnt hatte, fand er vor den Toren der Hansestadt ein Areal, auf dem er gemeinsam mit seiner Frau seine Pferdeträume verwirklichen konnte.

Heute betreibt das Ehepaar, das verrückt nach Countrymusik ist, sozusagen als zweites Standbein dort die Ballermann-Ranch mit riesiger Reithalle und eigenem Café. Mit der Marke „Lady Di“ hingegen hat der Familienvater abgeschlossen. „Für ihre Familie war es furchtbar, was vor 25 Jahren in Paris passiert ist. Für mich hat diese Frau aber keine Bedeutung“, sagt der 54-Jährige. Auch wenn sie – oder besser gesagt ihr tragischer Tod – ihm ein Vermögen beschert hat.

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