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Gibt es am Brenner-Nordzulauf eine Zukunft?

So geht es mit dem Brenner-Nordzulauf weiter: Bürgermeister Weigl über Existenzängste

Die Ostermünchener Mitte ist das größte Projekt der Gemeinde Tuntenhausen in diesem Jahr. Bürgermeister Georg Weigl (links) und Karin Gnatz vom Bauamt freuen sich, dass alle Weichen für die Investorensuche gestellt sind.
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Die Ostermünchener Mitte ist das größte Projekt der Gemeinde Tuntenhausen in diesem Jahr. Bürgermeister Georg Weigl (links) und Karin Gnatz vom Bauamt freuen sich, dass alle Weichen für die Investorensuche gestellt sind.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Die Gemeinde Tuntenhausen könnte vom Brenner-Nordzulauf zerschnitten werden. Bürgermeister Georg Weigl erklärt, warum die Gemeinde trotzdem positiv vorausblickt.

Tuntenhausen – Es gibt keine Gemeinde im Mangfalltal, deren Zukunft so unsicher ist, wie die der Gemeinde Tuntenhausen. Der Brenner-Nordzulauf könnte sie von Aubenhausen bis Hohenthann zerschneiden. Auch zahlreiche Existenzen sind bedroht. Warum die Gemeinde trotzdem optimistisch in die Zukunft blickt, erklärt Bürgermeister Georg Weigl im Interview.

Der Brenner-Nordzulauf schwebt wie ein Damoklesschwert über der Gemeinde. Wie ist die Stimmung?

Georg Weigl: Die Unsicherheit ist riesig. Der Brenner-Nordzulauf stellt die Menschen in unserer Gemeinde vor existenzielle Fragen. Allein der Trassenverlauf bis Ostermünchen würde vielen Landwirten so viel Grund kosten, dass sie nicht weitermachen könnten. Damit würde auch nachfolgenden Generationen die Existenzgrundlage entzogen. Der Verlauf der Auswahltrasse von Ostermünchen bis Grafing soll bis Mitte des Jahres feststehen. Sobald wir Genaueres wissen, werden wir Bürgerinformationsveranstaltungen durchführen. Doch wir müssen davon ausgehen, dass auch der nördliche Trassenabschnitt die Landschaft und die Menschen in unserer Gemeinde hart treffen wird.

Was können Sie dagegen tun?

Georg Weigl:Ich bin sehr dankbar, dass wir in der Gemeinde eine eigene Bürgerinitiative gegen den Brenner Nordzulauf haben, die eine hervorragende Arbeit leistet. So können wir unseren Forderungen auf verschiedenen Ebenen Gehör verschaffen. Uns geht es um Erhalt und Auslastung der Bestandsstrecke. Für eine neue Trasse fordern wir eine Untertunnelung. Ich bin in den Foren zum Brennernordzulauf, versuche, gemeinsam mit den Nachbarbürgermeistern Einfluss auf Planer und Deutsche Bahn zu nehmen. Unsere Bürgerinitiative organisiert Aufklärungsveranstaltungen und Proteste, macht die Bürger mobil. Wir müssen die Menschen dafür sensibilisieren, was der Brennernordzulauf für unsere Region bedeutet – nämlich, dass jeder Einzelne betroffen ist. Wir müssen jetzt Einfluss nehmen, damit wir gehört werden, denn 2025 entscheidet der Bundestag über die Realisierung des Projektes.

Bringt der Brenner-Nordzulauf alle Projekte in der Gemeinde zum Stillstand?

Georg Weigl:Die Projekte der betroffenen Bauern zur Zukunftssicherung ihrer Landwirtschaften auf jeden Fall. Ein Landwirt wird nicht Millionen Euro in einen neuen Laufstall investieren, wenn er davon ausgehen muss, dass er in circa zehn Jahren für die Brenner-Trasse wieder abgerissen wird.

An den gemeindlichen Projekten arbeiten wir unabhängig vom Brenner-Nordzulauf weiter – beispielsweise an der Neuaufstellung unseres Flächennutzungsplanes, mit dem wir definieren, wie wir weiter wachsen, wo wir Bauland oder Gewerbegebiete schaffen wollen. Tuntenhausen ist eine traditionelle ländliche Gemeinde. In unseren Ortschaften funktioniert das Vereins- und Dorfleben. Gleichzeitig sind wir zukunftsfähig aufgestellt. Unternehmen bieten in der Gemeinde mehr als 2300 Arbeitsplätze an. Weitere werden entstehen – unter anderem am Oberrainer Feld in Ostermünchen. Für die Erweiterung dieses Gewerbegebietes um etwa fünf Hektar entwickeln wir gerade planerische Konzepte, die in den nächsten Monaten dem Gemeinderat vorgestellt werden. Mit der Erschließung rechne ich im Jahr 2023. Wir sind zukunftsfähig aufgestellt.

Die Bürger wurden mit einer Umfrage an der Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes beteiligt. Wie war dieResonanz?

Georg Weigl:Sehr gut. Etwa 1000 Bürger haben ihre Meinung geäußert. Es sind sehr viele interessante Anregungen gekommen, die wir sorgfältig auswerten. Sobald es pandemiebedingt möglich ist, wollen wir dazu eine Bürgerversammlung machen, um ausführlich zu informieren und ins Gespräch zu kommen.

Welches ist das größte Projekt in diesem Jahr?

Georg Weigl:Ich freue mich besonders darüber, dass wir im Sommer die Ostermünchener Mitte an einen Investor vergeben können. Nach vielen Gesprächen in Arbeitskreisen und im Gemeinderat stehen wir nach drei Jahren nun vor der Konzeptvergabe. Damit können wir das Projekt ausschreiben und sind gespannt auf die Konzepte, die eingehen. Welches umgesetzt werden soll; und welcher Investor den Zuschlag bekommt, entscheidet der Gemeinderat. Ich freue mich darauf, denn eines ist jetzt schon klar: Es wird eine wertvolle Bereicherung für Ostermünchen.

Entsteht in Ostermünchen auch Wohnraum für Einheimische?

Georg Weigl:Zum Konzept gehören neben ambulant betreutem Wohnen, Tagespflege, Ärztehaus und Dorfladen auch circa 50 Wohnungen. Etwa 20 von ihnen werden zu einem vergünstigten Kaufpreis, der 25 Prozent unter dem des freien Marktes liegen muss, an Bürger unserer Gemeinde vergeben. Außerdem entstehen fünf Sozialwohnungen für Menschen mit Wohnberechtigungsschein.

Können 25 Wohnungen den Bedarf decken?

Georg Weigl:Nein, natürlich nicht. Wir planen im Haushalt zwar jährlich Investitionen für die Wohnungsbauförderung ein, um reagieren zu können, wenn uns Bauland angeboten wird. Die Gemeinde Tuntenhausen selbst hat aber nur ein bebaubares Grundstück in Hohenthann, das wir nach und nach entwickeln werden. Wir wollen unsere jungen Familien in der Gemeinde halten. Momentan können wir dabei aber nur auf innerörtliche Nachverdichtung und private Bauvorhaben setzen. Beispielsweise entstehen am Bräu in Hohenthann und am einstigen Gasthof in Beyharting Mehrfamilienhäuser.

Die Geburtenraten steigen. Gibt es für jedes Kind auch einen Betreuungsplatz?

Georg Weigl:Mit dem Neubau des Kinderhauses in Tuntenhausen können wir jedem Kind bis zum sechsten Lebensjahr einen Betreuungsplatz anbieten. Mit der Ganztagsbetreuung ab 2026 sieht es da schon etwas schwieriger aus. Zwar bieten wir an unseren Grundschulen in Ostermünchen und Schönau schon jetzt eine Ganztagsbetreuung an. Doch da wir davon ausgehen, dass auch unsere Schönauer Schule perspektivisch wieder zweizügig wird, brauchen wir dort mehr Platz für die Ganztagsbetreuung. In unserer mittelfristigen Finanzplanung haben wir dafür vorsorglich eine Million Euro eingestellt. Nun tüftelt unsere Bauverwaltung daran, wie die Schönauer Schule erweitert werden kann, ohne dabei in den schönen Pausenhof oder die darunterliegende Erdwärmeheizung eingreifen zu müssen.

Welche größeren Investitionen sind in den nächsten Jahren geplant?

Georg Weigl:Die Kläranlage in Ostermünchen muss erneuert werden. Sie ist mehr als 40 Jahre alt. Noch funktioniert sie, aber wir brauchen eine neue Lösung. Dafür sparen wir schon seit geraumer Zeit Rücklagen an. Dafür wurden im Investitionsprogramm der Gemeinde für das Jahr 2024 bereits 3,5 Millionen Euro eingestellt. In diesem Jahr wollen wir unsere Pläne konkretisieren und unser Abwasserentsorgungskonzept überarbeiten.

Die Gemeinde ist schuldenfrei. Warum wird nicht mehr investiert?

Georg Weigl:Wir investieren mit Bedacht. Man darf nicht vergessen, dass unsere Pflichtaufgaben immer teurer werden, was sich auch im Haushalt widerspiegelt. Für die Ausstattung der Schulen und neue Fenster in Ostermünchen haben wir beispielsweise mehr als eine halbe Million Euro eingeplant.