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Urgestein im Landkreis Rosenheim

Sindlhausen wird 1250 Jahre alt: Warum das mit einer besonderen Glockenweihe gefeiert wird

Die beiden Glocken für die Sindlhausener Kirche holten (von links) Dominik Gambos, Stephan Michelon und Meßner Klaus Gambos bei Glockengießer Rudolf Perner (Zweiter von links) in Passau ab.
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Die beiden Glocken für die Sindlhausener Kirche holten (von links) Dominik Gambos, Stephan Michelon und Meßner Klaus Gambos bei Glockengießer Rudolf Perner (Zweiter von links) in Passau ab.

Sindlhausen wird 1250 Jahre alt und gehört somit zu den ältesten Orten im Landkreis Rosenheim. Am Sonntag, 24. Juli, um 10 Uhr, wird das Jubiläum mit einem feierlichen Feldgottesdienst gefeiert. Ein besonderer Höhepunkt ist die Glockenweihe.

Tuntenhausen – „Eine abenteuerliche Fahrt war’s nach Passau“, erzählt Stephan Michelon aus Sindlhausen. Zusammen mit Meßner Klaus Gambos sowie Astrid und Dominik Gambos holte er in der Glockengießerei Perner in Passau jetzt die zwei Glocken für die Ortskirche ab.

Abenteuerliche Fahrt in Passauer Gießerei

„Wir haben im Vorfeld die alte, nicht mehr restaurierbare Glocke ausgemessen und beschlossen, dass das Auto unseres Meßners für den Transport gerade so reichen müsste.“ Allerdings staunte Glockengießer Rudolf Perner nicht schlecht, als die „Golfklasse“ mit den Sindlhausenern bei ihm auftauchte, und meinte: „So was hab ich auch noch nicht gesehen.“

Denn was die Abholer nicht bedacht hatten: Die Glocken sind jeweils in ein Holzgerüst „eingespannt“ und auch das sollte ja noch ins Auto passen. Vom stattlichen Gewicht von über 140 Kilogramm beider Glocken ganz zu schweigen. Mit viel „Tetrisgeschick“ gelang es aber: Die Glocken mitsamt Gestell wurden sicher im Auto verstaut.

In Passau kamen die Sindlhausener in den Genuss einer Betriebsführung. Dabei erfuhren sie viele interessante Details: So wurde die Vermutung eines Fachmann bestätigt, dass die alte Sindlhausener Glocke weit vor dem 15. Jahrhundert gegossen wurde. Die Glockengießer erklärten auch, dass erst in der Gotik (15. Jahrhundert) damit begonnen wurde, Glocken aufeinander harmonisch abzustimmen. Bei den beiden Sindlhausener Glocken war dies noch nicht der Fall.

Beide Glocken sollten am Ende des Zweiten Weltkrieges eingeschmolzen werden. Deshalb seien sie angeblich vom Turmfenster heruntergeworfen worden, erzählt man sich in Sindlhausen. Vermutet wird auch, dass dadurch die Aufhängung der kleinen Sterbeglocke gebrochen ist.

Glocken kamen nach dem Krieg zurück

Nach dem Krieg bekam der kleine Ort beide Glocken zurück. Der Riss in der Sterbeglocke wurde von einem Schmied mit Eisen ausgebessert, was ihren Klang deutlich verschlechterte. So wurde in späteren Jahren zum Totengedenken die zweite Glocke geläutet.

2019 beschlossen die Sindlhausener, beide Glocken restaurieren zu lassen. Schnell war klar, dass das bei der Kleineren nicht mehr möglich sein würde. So gaben sie bei der Gießerei Perner in Passau eine neue Glocke in Auftrag. Das Geld dafür kam unter anderem durch Sammlungen im früheren Kirchsprengel Sindlhausen zusammen, das neben Sindlhausen auch die Weiler Bach, Voglried und Guperding umfasst.

Geweiht werden die neue und die restaurierte Glocke aus dem Jahr 1559 am Sonntag, 24. Juli, um 10 Uhr, mit einem feierlichen Feldgottesdienst in Sindlhausen. Anschließend wird nicht nur die neue Glocke gefeiert, sondern auch ein besonderes Jubiläum: Sindlhausen wird heuer 1250 Jahre alt und gehört somit zu den ältesten Orten im Landkreis Rosenheim.

772 wurde die Kirche von Sindlhausen (Sindilinhusir) erstmals erwähnt: Der Kleriker Sindolo errichtete Deutschlands frühest bekannte Christopheruskirche gemeinsam mit seinem Vater Hroadperth (Ruppert), seiner Mutter Hiltrud und dem Lehrer Wendo. Sie wurde nach ihrer Weihe durch Bischof Aribo der Hauptkirche zu Freising überlassen.

Jubiläumsfeier mit Kesselfleischessen

Die Kirche wurde in der Barockzeit stark verändert und ist heute der Heiligen Margarethe geweiht. Im verschiedenen Urkunden tauchen in den Folgejahrhunderten immer wieder Hinweise zu Sindlhausener Anwesen und Höfe auf, die abgabenpflichtig waren. Mitte des 16. Jahrhunderts war Sindlhausen eine eigene Hauptmannschaft, die zwölf Anwesen aufwies, darunter auch die oben erwähnten drei Weiler.

Mehr zur Geschichte des Ortes können Interessierte unter www.sindlhausen.de nachlesen. Die Feierlichkeiten klingen mit einem Kesselfleischessen am Montag, 25. Juli, ab 18.30 Uhr aus.

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