„Sie sind ihm alle blind gefolgt“

Sabine Poll-Plonus darf das Denkmal für Enoch zu Guttenberg errichten.
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Sabine Poll-Plonus darf das Denkmal für Enoch zu Guttenberg errichten.

Neubeuern – „Er hat den Namen Neubeuern in die Welt getragen“, sagt Künstlerin Sabine Poll-Plonus über den verstorbenen Musiker Enoch zu Guttenberg.

Der Dirigent, der 2018 überraschend verstorben ist, hat ein großes Loch in Neubeuern hinterlassen. Die Chorgemeinschaft hat sich mittlerweile aufgelöst, sie wollte ohne den Dirigenten nicht mehr weitermachen (wir berichteten). Um an die großen musikalischen Erfolge zu erinnern, soll nun eine Gedenkstätte errichtet werden – sowohl zu Ehren des verstorbenen Ehrenbürgers als auch der Chorgemeinschaft. Entworfen wird das Memorial von Sabine Poll-Plonus aus Neubeuern.

Insgesamt gingen neun Vorschläge ein

Angeregt wurde dieses Vorhaben von den ehemaligen Bürgermeistern Josef Trost und Hans-Jürgen Tremmel. Unterstützung kommt jetzt auch vonseiten des Marktgemeinderats: Unter der Voraussetzung, dass nicht nur der Dirigent selbst, sondern auch die Chorgemeinde entsprechend gewürdigt werde. Der Künstlerkreis Neubeuern rief für die Gestaltung eines Memorials einen Wettbewerb auf, an dem insgesamt neun Bewerber teilgenommen haben. Im Vorfeld wurde eine engere Vorauswahl getroffen und im Marktgemeinderat zwei Entwürfe vorgestellt. Die Wahl fiel auf den Entwurf von Sabine Poll-Plonus. Für die 55-Jährige eine große Anerkennung: „Ich freue mich sehr.“ Enoch zu Guttenberg sei ihrer Familie sehr verbunden gewesen, lief in ihrem Elternhaus „ein und aus“. Ihre Mutter, Resi Poll, gehörte zum Urgestein des Neubeurer Chors, sagt die 55-Jährige. Auch ihre beiden Schwestern waren lange Jahre Mitglieder des Chors. Sie selbst war nur im Kinderchor, aber den hatte damals Enoch zu Guttenberg noch „höchstpersönlich“ unterrichtet. Charismatisch sei er gewesen, erinnert sich Poll-Plonus. „Er hat einen guten Zugang zu den Leuten gefunden. Sie sind ihm alle blind gefolgt.“

Die Chorgemeinschaft in Neubeuern sei etwas Besonderes gewesen. Dadurch sei eine „neue Form von Freundschaftskultur“ entstanden. Deshalb sei es der Künstlerin auch sehr wichtig, dass sich in dem Denkmal die Worte „In Erinnerung an eine große musikalische Freundschaft“ wiederfinden. Denn das war es, was den Chor letzten Endes ausmachte.

Das Memorial, das sich derzeit noch im Entstehungsprozess befindet, soll ein Notenpult mit aufgeschlagenen Seiten zeigen. Der Sockel des Pults soll aus Naturstein (aus einem Stein aus Neubeuern) gefertigt werden, und die aufgeschlagenen Seiten aus Messing. Hinter dem Pult werden sogenannte Ovale (ebenfalls aus Messing), die die singenden Chormitglieder darstellen sollen, mithilfe von Stahl angebracht. Die linke Seite des aufgeschlagenen Buches soll in goldener Gravur eine Widmung an den Ehrenbürger enthalten, auf der rechten Seite wiederum soll an die Chorgemeinschaft erinnert werden, die es von 1967 bis 2018 gab.

Gerade erst den Taktstock abgelegt

Das Kunstwerk soll Anwesenheit und Abwesenheit gleichermaßen symbolisieren. Der abgelegte Taktstock auf den Seiten erwecke den Eindruck, als habe der Dirigent ihn gerade erst abgelegt, schildert Poll-Plonus. Wertvolle Impulse zur Entwurf-Gestaltung habe sie auch von ihrem Mann Manfred Plonus, ebenfalls Künstler, bekommen. „Aktuell sind wir in der Realisierungsphase“. Mitte Juli soll das Denkmal aber fertig werden.

Bürgermeister Christoph Schneider hält es für wichtig, dass das Werk noch in diesem Jahr errichtet wird. Platziert werden soll es auf der Grünfläche am Marktplatz vor dem Schwirtlich-Haus. Zu den Kosten konnte der Rathauschef nur ungefähre Angaben machen: Zwischen 8000 bis 9000 Euro vermutet er. 2000 Euro gibt es von der Marktgemeinde. Der Rest wird durch Spenden finanziert.

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