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Seltener Fall: Freispruch erster Klasse

Schlechtes Fotomaterial hatte einen unberechtigten Verdacht gegen einen Mann geschaffen. Vor Gericht stellte sich nun heraus: Der Kfz-Gutachter hat kein falsches Gutachten erstellt.

Bad Aibling/Rosenheim - Am 5. Mai 2013 kollidierte auf dem Herto-Parkplatz in Rosenheim eine Rosenheimer Pkw-Fahrerin mit dem Fahrzeug eines Aiblingers und hinterließ dort eine Schramme am Heck.

Der Mann brachte das Fahrzeug zu einem Kfz-Meister und Gutachter, um sich von diesem einen Kostenvoranschlag für die Reparatur erstellen zu lassen. Diesen reichte er an die Unfallgegnerin weiter, von wo aus er zum Versicherer der Unfallgegnerin gelangte. Dieser überprüfte gewohnheitsmäßig den Schaden und stellte fest, dass an dem Fahrzeug auch Altschäden vorhanden waren. Diese waren aber auf den Bildern, die dem Versicherer vorlagen, nicht zu erkennen.

So wurde nun Anzeige erstattet. Zum einen gegen den Fahrzeughalter. Dem warf man vor, sich mit einem zu hohen Schadensfall bereichern zu wollen. Zum anderen gegen den Gutachter. Der habe ein falsches Gutachten erstellt und darüber hinaus das Schadensfoto manipuliert. Gegen beide erging ein Strafbefehl, den der Fahrzeughalter akzeptierte. Der Gutachter hingegen legte Einspruch ein und zog vor Gericht.

Sein Verteidiger Dr. Markus Frank erklärte vorab, es gäbe hier eine Reihe von Missverständnissen. Denn was sein Mandant erstellt habe, sei kein Gutachten, sondern lediglich ein Reparatur-Kostenvoranschlag gewesen. Ein solcher bezöge sich niemals auf ein bestimmtes Schadensereignis, sondern beschreibe lediglich die Kosten, die zur Behebung eines bestimmten Zustandes an einer vorgegebenen Stelle notwendig sei. Wodurch dieser Zustand im Einzelnen hervorgerufen sei, bleibe dabei völlig außer Acht.

Des Weiteren handle es sich bei den betreffenden Bildern nicht um Original-Fotos, sondern um Scan-Bilder, die nur eine ungefähre Abbildung sein könnten. Der hinzugezogene Sachverständige Andreas Thalhammer bestätigte, dass Entstehung und Zweck eines Kostenvoranschlages ganz anders gelagert seien als ein Gutachten.

Außerdem legte er ein anderes Originalfoto des Unfallschadens vor. Auf diesem waren Alt- und Neuschaden deutlich erkennbar. Das Problem dabei sei, dass chromglänzende Teile fotografisch äußerst schwierig darstellbar seien, was bei gescannten Bildern zu einer weiteren Verschlechterung führen müsse.

Als das Gericht die gescannte Aufnahme am Bildschirm vergrößerte, wurden auch hier die tatsächlichen Schäden erkennbar. So stellte sich zweifelsfrei heraus, dass der Gutachter weder die Fotos manipuliert, noch ein falsches Gutachten abgegeben hatte.

Unisono beantragten deshalb der Staatsanwalt und die Verteidigung einen Freispruch wegen erwiesener Unschuld. Dies, so die Richterin, die den Anträgen entsprach, sei ebenso erfreulich wie es leider selten sei. Dem Fahrzeughalter, der den Strafbefehl bereits akzeptiert hatte, empfahl sie, sich wegen einer Wiederaufnahme des Verfahrens an einen Anwalt zu wenden. Er wird in den überaus seltenen Genuss einer erfolgreichen Wiederaufnahme kommen. au

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