Seit 25 Jahren entsteht in Noderwiechs aus Abfall wertvolle Erde

Rohstoff für wertvolle Erde:Das Grüngut ruht etwa drei Monate lang in diesen „Mieten“. Dabei entstehen im Inneren Temperaturen von bis zu 70 Grad Celsius. Baumann

Die Noderwiechser Kompostieranlage ist seit 25 Jahren im Dienst für die Umwelt. Etwa 60000 Kubikmeter Grüngut werden hier jährlich angeliefert. Daraus entstehen wertvolle Erden – Naturerzeugnisse mit einem hohen Qualitätsstandard.

Von Johann Baumann

Bruckmühl– Schon seit 25 Jahren steht die Kompostieranlage in Noderwiechs als „grüner Umschlagplatz“ im Dienst der Umwelt. Anders als viele Wertstoffhöfe in der Region war sie auch in der Corona-Krise unentwegt am Netz. Der „Grünstoffhof“ im Bruckmühler Ortsteil Noderwiechs ist eine von zwei Kompostieranlagen des Landkreises Rosenheim – die andere befindet sich in der Gemeinde Eiselfing.

60 000 Kubikmeter Grüngut verarbeitet

Auf dem gut zwei Hektar großen Areal in Noderwiechs werden jährlich rund 60 000 Kubikmeter Grüngut entgegengenommen. Die „Lieferanten“ sind Privatleute, Garten- oder Landschaftsbaufirmen sowie kommunale Wertstoffhöfe aus dem südlichen und westlichen Landkreis Rosenheim.

Für Privatleute ist die Anlieferung bis zu einem Kubikmeter pro Tag kostenlos. Gewerbliche Anlieferungen sind kostenpflichtig.

„Je nach Wochentag und Witterung bringen 200 bis 500 Fahrzeuge das Rohmaterial“, verrät Anlagenleiter Martin Reisberger, der in Noderwiechs ein Team von neun Mitarbeitern leitet.

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Auf einem Rundgang erläutert der „Anlagen-Chef“ die einzelnen Verarbeitungsschritte, beginnend mit dem Zerkleinern des angelieferten Grüngutes. Dieses besteht aus Rasenschnitt (reines Gras, meistens vom Rasenmähen), Stauden (Gehölzschnitt wie abgeschnittene Äste von Bäumen, Sträuchern, Hecken sowie Christbäume), Wurzelstöcken und gemischtem Grüngut (Langgras, Rasenschnitt, Blumen- und Pflanzenabfälle, Laub und Gehölze gemischt).

Während der Rasenschnitt überwiegend direkt an Biogasanlagen „weiterwandert“ und ein Teil des zerkleinerten Staudenmaterials unter anderem in der Trocknungsanlage Hornau als Brennstoff dient, wird das übrige Material nach dem Zerkleinern auf sogenannte Mieten aufgesetzt.

Dreimonatige Ruhezeit

Die zehn dreieckigen „Lang-Pyramiden“ – rund sechs Meter breit, 2,50 Meter hoch und 40 Meter lang – beinhalten jeweils etwa 300 Kubikmeter. Innerhalb der Mieten entwickelt sich eine Temperatur von 65 bis 70 Grad, die laufend überwacht wird. „Durch diese Wärme wird das im Grüngut vorhandene Unkraut vernichtet“, erläutert Reisberger.

In der etwa zwei bis drei Monaten Lagerzeit wird das in den Mieten befindliche Material bis zu 15-mal mit einem riesigen Umsetzgerät mit innenliegender Walze gewendet.

Danach durchläuft es eine Siebtrommel, die nach zwei unterschiedlichen „Körnungen“ sortiert. Bevor als letzter Schritt die endgültige Kompostverarbeitung beginnt, wird der Rohkompost noch viermal umgesetzt.

Hochwertige Erden entstehen

Danach startet die Herstellung der verschiedenen „Endprodukte“ für den Verkauf. Das Angebotsspektrum besteht aus Blumenerden, Kompost, Spezialerden und Rindenmulch. Den verschiedenen Produkten werden teilweise Zusatzstoffe beigemischt.

So wird der Humuskompost für die Neuanlage und Pflege von Beetflächen und beim Pflanzen von Stauden und Gehölzen sowie zum Pflanzen von Gemüse im Hochbeet verwendet.

Für die Ansaat von Rasenflächen wird der Sandkompost eingesetzt. Der Premiumkompost (ohne Torfzusatz) kommt beim Pflanzen von Blumen (wie Geranien oder Petunien) mit hohen Ansprüchen zum Zuge.

Für Rindenmulch, das in grober und feiner Ausführung hergestellt wird, bezieht die Kompostieranlage entsprechendes Rohmaterial von Sägewerken.

Naturerzeugnisse von hoher Qualität

„Insgesamt verkaufen wir pro Jahr etwa 10 000 Kubikmeter aus unserer Produktpalette“ berichtet Martin Reisberger.

Der hohe Qualitätsstandard der Noderwiechser Naturerzeugnisse wird vom „Fachverband bayerischer Komposthersteller“ laufend überwacht.

Geöffnet hat die Kompostieranlage Noderwiechs von Montag bis Freitag, jeweils von 7 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr sowie am Samstag, von 8 bis 13 Uhr.

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