Seit einer Woche freiwillig in Quarantäne

Spielen gegen die Langeweile: Felix, Sven und Hanna Jungermann (von links) sind seit zehn Tagen zu Hause und warten auf ihre Corona-Testergebnisse. Alle Spiele haben sie schon zigfach gespielt. Langsam trübt das Nichtstun ihre gute Laune. Jungermann

Schönau. – Familie Jungermann aus Schönau ist vielen Eltern um eine Woche vo raus.

Schon seit dem 6. März ist Vater Sven mit den Kindern Hanna und Felix zu Hause. An diesem Tag wurde Südtirol zum Risikogebiet erklärt. Und genau dort waren sie im Urlaub.

Nach den Faschingsferien ging es wieder in die Schule. Nur jene Kinder durften dem Unterricht fernbleiben, die Grippesymptome zeigten. Hanna (12) und Felix (10) waren gesund, also mussten sie in die Schule. Bis zum 6. März. Als bekannt wird, dass auch Südtirol ein Risikogebiet ist, werden die Kinder nicht mehr zum Unterricht gelassen. Sven Jungermann muss seine Kinder abholen. In Ostermünchen und Bruckmühl. Hannas Klassenkameraden bleiben sogar zwei Tage zu Hause. Vorsichtshalber.

Mitten in der Nacht: Abstrich an Haustür

Am Samstag klagt Hanna über Halsschmerzen und Kopfweh. Montags meldet der Vater das beim Gesundheitsamt. In der folgenden Nacht steht die Familie im Schlafanzug an der Haustür. Es ist 3 Uhr, als ein Arzt eintrifft, um den Abstrich zu nehmen. „Mit Schutzmaske, Kittel und Gummihandschuhen – wie im Film“, erzählt Sven Jungermann. Auf Anraten des Arztes bleibt die ganze Familie zu Hause, begibt sich freiwillig in Quarantäne. „Aus Verantwortung den anderen Menschen gegenüber“, erklärt Sven. Er ist nicht nur Berufsmusiker im Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr, sondern auch der Dirigent der Schönauer Musi und Trompetenlehrer. Seine Frau Kathrin arbeitet in der Schule. Bevor sie nicht wissen, dass sie wirklich gesund und auch keine Virenträger sind, meiden sie jeglichen persönlichen Kontakt zu anderen.

48 Stunden soll es dauern, bis das Testergebnis da ist. Sieben Tage sind inzwischen vergangen. Und die Familie wartet immer noch. Jungermann ruft im Gesundheitsamt an, ob sie vergessen wurden.

Auswertung der Testsdauert viel zu lange

Sechs bis sieben Tage, so die Information, dauere es inzwischen, ehe ein Test ausgewertet werden kann. Also gedulden sich die Jungermanns weiter. Trotzdem können sie nicht verstehen, dass der Test so lange dauert. „Immerhin waren wir eine Woche ganz normal auf Arbeit, hatten die normalen Kontakte zu Kollegen, Freunden, den Musikern der Schönauer Musi“, beschreibt Kathrin und fragt: „Was, wenn wir doch Virenträger sind? Dann müssen die Menschen doch schnellstmöglich informiert werden, mit denen wir Kontakt hatten, damit sie sich testen lassen können.“

Die Jungermanns sorgen selbst vor. Sie verlassen ihr Grundstück nicht, halten sich höchstens in ihrem Garten auf. Sie gehen auch nicht einkaufen, obwohl sie das eigentlich dürften. Die Nachbarn helfen, bringen mit, was fehlt. Jungermanns bestellen ihre Lebensmittel online. Die Nachbarn holen sie ab. „Die Hilfsbereitschaft ist riesig in Schönau“, ist Sven dankbar. Dennoch trübt das Nichtstun die Laune.

In den letzten Wochen haben junge und gestandene Musiker der Schönauer Musi für ihr gemeinsames Konzert geprobt. Es wurde abgesagt. Genauso wie die Konzerte des Gebirgsmusikkorps. „Wir sollten Ende April eigentlich auf dem Oslo Tattoo spielen, haben dafür intensiv geprobt. Vorerst aber sind alle Konzerte gestrichen“, sagt Sven Jungermann.

Wie es weitergeht nach dem Testergebnis, wissen die Schönauer noch nicht. Alle vier sind gesund. Auch Hanna hat sich erholt. Die Erkältung ist abgeklungen. Ganz ohne Medikamente. Trotzdem haben die Kinder nun fünf Wochen frei. „Wir wollten Ostern eigentlich zu den Großeltern fahren, aber darauf werden wir wohl verzichten“, blickt Jungermann voraus. Denn auch wenn sie jetzt gesund sind, heißt es nicht, dass sie es bleiben und sich nicht bei anderen anstecken könnten. Der Trompeter muss wieder zur Arbeit nach Garmisch-Partenkirchen fahren, probt im Musikkorps gemeinsam mit 55 anderen Musikern. Auch Kathrin wird in der Schönauer Schule dringend gebraucht. „Wir werden uns abwechseln müssen“, meint Sven.

Nichtstun macht schlechte Laune

In zwei Wochen, wenn sich die Situation hoffentlich wieder entspannt hat, möchte er auch die Proben der Schönauer Musi – zumindest die der Erwachsenen – wieder ansetzen. „Wir werden verantwortungsbewusst und auf Freiwilligenbasis entscheiden, wann wir wieder Proben anbieten und wer kommen möchte“, erklärt er. Denn irgendwie muss es ja weitergehen. Derzeit ist das Vereinsleben in Schönau auf Null gefahren. Keine Musi, keine Plattlerproben, kein Sport. Die Kinder sitzen zu Hause und langweilen sich. „So nach einer Woche kippt dann langsam die Stimmung, weil man sich auf die Nerven geht“, beschreibt er das Warten in der selbst auferlegten Quarantäne. „Alle Spiele sind zigmal gespielt. Die Kinder müssen beschäftigt werden. Die Leute müssen aus dem Haus können.“ Wann es allerdings so weit sein wird, ist fraglich. Bis dahin heißt es ausharren und warten. Für die Jungermanns erst einmal auf den entscheidenden Anruf, der ihnen endlich das Testergebnis verrät. ka

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