Dokumentarfestival „Nonfiktionale“

„Sehschule“ am Gymnasium Bad Aibling

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Für die Aiblinger Gymnasiasten war es absolutes Neuland, für die Nonfiktionale-Leiterin Tamara Danicic mittlerweile eine liebgewonnene Tradition. Gut eine Woche bevor sich der Vorhang der Nonfiktionale am 3. März öffnet, erhielten 16 Elftklässler des Gymnasiums Bad Aibling eine Anleitung zum Verfassen von Filmkritiken.

Bad Aibling– Seit Gründung des Aiblinger Dokumentarfilmfestivals entstehen aus dem Workshop „Filmkritik“ Texte von Schülern zu den Filmen des aktuellen Festivalprogramms. Der Workshop ist eine Veranstaltung aus der Reihe „Junge Doks“, mit der die Nonfiktionale Jugendliche für den Dokumentarfilm begeistern will.

Auch diesmal galt es, in dem Workshop zunächst einmal die Sinne zu schärfen und den kritischen Blick zu trainieren. Dazu wurde ein Film aus dem aktuellen Programm der Nonfiktionale, welche unter dem Motto „Über: Ich“ steht, angespielt, bevor die Schüler im Anschluss versuchten, ihren ersten Eindruck von dem Gesehenen und Gehörten in Worte zu gießen.

Natürlich darf eine Filmkritik, Tamara Danicic zufolge, die Meinung des Autors spiegeln, diese muss aber begründet und nachvollziehbar sein. „Keine Wertung ohne Analyse“ gab sie den Schülern mit auf den Weg. Auch Verrisse seien erwünscht – solange sie argumentativ wasserfest seien. Auf die Ergebnisse darf man nun gespannt sein. Alle Schüler-Filmkritiken können während des Festivals, vom 3. bis 6. März im Festivalbüro (im Foyer des Aibvision Filmtheater) nachgelesen werden. Eine Auswahl erscheint ab nächsten Donnerstag, parallel zu den Vorführterminen, im Mangfall-Boten. Diese Besprechungen haben mittlerweile Tradition in der Heimatzeitung. „Und selbstverständlich sind alle eingeladen, die Urteile der jungen Filmkritiker im Kinosaal mit den eigenen Eindrücken abzugleichen“, animiert Tamara Danicic jeden, sich die Beiträge selbst anzusehen.

Seit 2007 ist die Kurstadt Schauplatz des deutschsprachigen Dokumentarfilms. Die Nonfiktionale ist gleichermaßen Branchentreffpunkt und lebendiges Publikumsfestival. Jedes Jahr präsentiert sich das Festival unter einem anderen Motto, das die Programmauswahl bestimmt.

Im Dialog zwischen Filmemachern, Branchenvertretern und Publikum wird nach jeder Vorführung über die Werke diskutiert. Filme und Gespräche stehen damit gleichberechtigt nebeneinander. „Unser Ziel ist ein inspirierender, vielstimmiger Diskurs, der zum einen inhaltliche Aspekte des Filmschaffens in den Blick nimmt, aber auch das Handwerk des Dokumentar-Filmemachens mit einbezieht“, betonten die Organisatoren.

Filme auf der Leinwand zu präsentieren ist das eine. Das Reden über Film das andere. Dabei unterstützen heuer Axel Block und Werner Ružicka die Verantwortlichen. Block hat seit 1974 als freiberuflicher Kameramann bei rund 100 Kino- und Fernsehproduktionen mitgewirkt. 1994 bis 1997 hatte er eine Professur für das Lehrgebiet Kamera an der FH Dortmund, 1997 bis 2015 eine Professor am Lehrstuhl für Angewandte Bildästhetik und war später geschäftsführender Professor der Abteilung Kamera an der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) München. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen und Preisen gehören das Filmband in Gold (Bundesfilmpreis), der Bayerische Filmpreis sowie der Deutsche Kamerapreis als Ehrenkameramann 2011.

Ružicka wiederum ist seit 1985 Leiter der Duisburger Filmwoche. Seit 1974 ist er Leiter der kommunalen Filmarbeit in Bochum. Von 1978 bis 1982 hatte er die Regie- und Produktionsleitung beim dokumentarischen Langzeitprojekt „Prosper/Ebel – Eine Zeche und ihre Siedlung“. Nach 1982 Arbeiten für Fernsehen und Theater. Es folgten unter anderem Lehraufträge für Dokumentarfilm an der HFF München sowie beispielsweise Goethe-Institut-Seminare in China und Israel. Seit 2007 ist er Gastmoderator bei der Nonfiktionale.

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