Schulstart nach Zwangspause durch Corona in Bad Aibling: „Ein leeres Klassenzimmer ist traurig“

„Dieser Raum ist für den Abiturunterricht vorbereitet“, demonstriert Oberstudiendirektor Michael Beer. Baumann

Unterrichtsbeginn für die Abschlussklassen – So machen sich die unterschiedlichen Schulen der Mangfallstadt bereit.

von Johann Baumann

Bad Aibling – Wegen der Corona-Krise sind seit dem 16. März alle Schulen geschlossen, der Unterricht erfolgte seither online. Jetzt hat der bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder auf den Re-Start-Knopf gedrückt: Am kommenden Montag beginnt für die Abschlussklassen in allen Schultypen wieder der Unterricht– auch in der Schulstadt Bad Aibling.

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Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo hat dazu eine Reihe von Richtlinien erlassen: Maximal dürfen sich in einem Raum nur 15 Schüler aufhalten. Sie werden an Einzeltischen mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern unterrichtet.

Weitere Aspekte betreffen beispielsweise Einbahnregelungen auf Gängen und in Treppenhäusern. Es herrscht keine generelle Maskenpflicht, die Schulen handhaben das unterschiedlich. Lehrkräfte und Schüler mit Vorerkrankungen sind vom Unterricht befreit. Außerdem befreit sind als Risikogruppe über 60 Jahre alte Lehrer, die jedoch auf freiwilliger Basis unterrichten dürfen.

Kein Abiball, kein Abistreich

„Dies gilt auch für mich, denn mit meinen 62 Jahren zähle auch ich zur Risikogruppe – aber ich bin ab Montag da“ erklärt Michael Beer, Leiter des Gymnasiums. Das Gymnasiums ist eines von sechs Aiblinger Schulen mit Abschlussklassen. „Täglich kommen neue Instruktionen, die es bis Montag um zusetzen gilt.“ Gleichwohl begrüßt Beer die Wiederaufnahme des Unterrichts: „Es ist unbedingt notwendig, dass die Schüler vor der Abiturprüfung nochmal in die Schule kommen, wir müssen ihnen dafür so viel Unterstützung wie möglich zukommen lassen.“

Er bedauert sehr, dass die diesjährigen Absolventen unter anderem auf den Abi-Streich, den Abi-Ball und die feierliche Zeugnisübergabe verzichten müssen. Am Gymnasium bereiten sich 130 Schüler aufs Abitur vor.

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An der Wilhelm-Leibl-Realschule gehen am Montag 135 Schüler aus sechs 10. Klassen an den Start. In seinem Rückblick auf die vergangenen Wochen konstatiert Realschul-Rektor Matthias Wabner: „Diese Form der Schule hat niemand gewollt und gekannt, aber es hat auch niemand gewusst, dass sie so funktionieren kann.“ Er hofft allerdings, dass sich die Schulöffnung nicht negativ auf die Corona-Ansteckungsbilanz auswirkt.

An der St. Georg-Mittelschule bereiten sich 50 Schüler auf ihre Abschlussprüfungen vor, davon zwei Klassen für den „Quali“ und eine Klasse für den mittleren Schulabschluss. „Ich finde es gut, dass jetzt versucht wird, die Schule wieder anlaufen zu lassen“, erklärt Rektor Wolfgang Baumann, „ein leeres Klassenzimmer ist traurig.“ Ziel sei es, die Prüfungen zusammen mit den Schülern so gut wie möglich durchzuführen.

150 Schüler, davon fünf 10. Klassen und eine zweistufige 11. Klasse, kehren an der Wirtschaftsschule Alpenland aus dem „Homeschool-Modus“ wieder in den Präsenz-Unterricht zurück.

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Die Wiederaufnahme des Unterrichts zu diesem Zeitpunkt sieht Oberstudiendirektor Randolf John kritisch: „Warum schon jetzt, wo viele Dinge in puncto Infektionsschutz noch nicht gelöst sind?“, stellt er fest und ergänzt: „Die Online-Beschulung läuft gut – bestand wirklich der große Druck, jetzt zu beginnen?“

Ein Schüler pro Werkbank

Positiv zur schrittweisen Öffnung äußert sich Angelika Held, Rektorin des Sonderpädagogischen Förderzentrums. An der Rupert-Egenberger-Schule stehen insgesamt 14 Abschluss-Schüler in den beiden Sparten „M-Zug“ und „Abschluss Lernen Förderschule“ vor ihren Prüfungen. Was den räumlichen Abstand zwischen den Schülern betrifft, gibt es hier eine Sondersituation: neben den vorgeschriebenen Einzeltischen heißt es hier in den praktischen Fächern Hauswirtschaft und Werken „ein Schüler pro Küchenzeile“ beziehungsweise „Werkbank“. Ferner ist die Schülerzahl pro Raum auf neun begrenzt. An der Schule verwenden Lehrkräfte und Schüler konsequent Masken.

Strikte Maskenpflicht gilt auch für die knapp 80 Schüler in vier Klassen am Dietrich-Bonhoeffer-Bildungs-Campus in den Schularten „Fachoberschule“, „Realschule“ und „Mittelschule“– davon „Quali“ und „M-Zug“. An der privaten Schule wurden 22 Wochenstunden online unterrichtet, auf freiwilliger Basis auch in den Osterferien.

Schulleiter Markus Schmidt findet es „grundsätzlich gut, dass der Endspurt im normalen ,Setting‘ passiert und die Prüfungssituation nicht nur online simuliert wird“.

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