Drogengeschäfte

Schöffengericht Rosenheim verurteilt 35-jährigen Tunesier zu Haft von zwei Jahren und neun Monaten

Zu einer Haftstrafe verurteilte das Schöffengericht Rosenheim einen Tunesier aus Bad Aibling, in dessen Wohnung die Polizei 14 Gramm reinen Kokains und mehr als 500 Gramm Amphetamine fand.
+
Zu einer Haftstrafe verurteilte das Schöffengericht Rosenheim einen Tunesier aus Bad Aibling, in dessen Wohnung die Polizei 14 Gramm reinen Kokains und mehr als 500 Gramm Amphetamine fand.
  • vonTheo Auer
    schließen

Eigentlich sahen die Pläne für einen jungen Tunesier vor 16 Jahren wirklich gut aus. Doch nachdem er ins Drogenmilieu abrutschte, wurde er straffällig und nun vom Schöffengericht Rosenheim zu einer Haftstrafe verurteilt.

Bad Aibling – Im Jahre 2004 wurde der Tunesier von seiner Familie nach Deutschland geschickt, um hier zu studieren. Mit einer guten Ausbildung in der Tasche sollte er später seine Familie unterstützen – so der Plan. Zunächst begann der damals 23-Jährige auch mehrere Studiengänge, brach sie aber wieder ab. Dann flüchtete er sich in Haschischträume: 2014 begann er mit dem Kokainkonsum.

Da er schließlich auch nicht mehr immatrikuliert war, verlor auch sein Visum seine Gültigkeit. Das führte dazu, dass er zwischen 2008 und 2011 mehrfach wegen fehlender Aufenthaltserlaubnis verurteilt worden war. Nachdem er mit einer Freundin zwei Kinder gezeugt hatte, wurde ihm schließlich eine Aufenthaltserlaubnis zugesprochen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Coronavirus bei Haustieren? Bislang keine Fälle im Raum Rosenheim bekannt

Heimatmuseum in Kolbermoor hat schon bald mehr Platz - auch für neue Schätze

Polizei findet Drogen in der Wohnung

Der Tunesier lebt in Bad Aibling. Zurück in seine Heimat wollte der inzwischen 39-Jährige nicht mehr, weil er dort als Versager gilt. Statt zu studieren, arbeitet er inzwischen auf dem Bau. Von einstigen Kommilitonen ließ er sich mit Kokain aushalten, weil für ihn die Droge zu teuer war. Parallel dazu kam er mit einem benachbarten 36-jährigen Dealer in Kontakt. Da diesem die Polizei bereits auf der Spur war, deponierte der bei dem Tunesier kurzzeitig Amphetamine. Nach seiner Festnahme denunzierte er ihn und beschuldigte ihn des Drogenhandels.

Bei einer Hausdurchsuchung fand die Polizei bei dem Tunesier schließlich auch 14 Gramm reinen Kokains und mehr als 500 Gramm Amphetamine. Angeblich soll er dem verhafteten Drogendealer nach dessen Aussage aber auch noch ein Kilo Haschisch und 70 Gramm Kokain verkauft haben. Da gegen den Dealer in den nächsten Wochen am Landgericht in Traunstein verhandelt wird, berief er sich im Fall des Tunesiers auf sein Aussageverweigerungsrecht nach Paragraph 55 Strafprozessordnung und machte als Zeuge keinerlei Aussagen.

Tunesier wird zum Mittäter

Weil er in den von ihm angegebenen Fällen der einzige Belastungszeuge war, wurden diese Vorwürfe dann nach Paragraph 154 Absatz 2 vorläufig eingestellt. Doch auch die verbliebenen Vorwürfe reichten für eine Verurteilung aus und wurden vom angeklagten Tunesier auch eingestanden. Immerhin hatte er den Rucksack des Dealers in seiner Wohnung verstaut und wusste genau, dass sich darin harte Drogen – mehr als 500 Gramm Amphetamine – befanden. Damit wurde er zum Mittäter. Darüber hinaus sind die 14 Gramm reinen Kokains, die ebenfalls bei der Hausdurchsuchung des Tunesiers gefunden wurden, das 28-fache der sogenannten „nicht geringen Menge“ an harten Drogen und damit höchst strafbar.

Der forensisch-psychiatrische Gutachter Rainer Gerth aus dem InnSalzach-Klinikum erklärte, dass bei dem Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit nicht zu erkennen sei. Wohl aber empfahl er eine Therapie im Maßregelvollzug nach Paragraph 164 Strafgesetzbuch, denn der Angeklagte leide neben seiner Kokainsucht auch an mehreren psychiatrischen und physischen Problemen. Die Staatsanwältin beantragte – wie in einem rechtlichen Hinweis des Gerichtes festgestellt – die Verurteilung wegen Erwerbs, Besitzes und Überlassung von erheblichen Mengen harter Drogen. Die Haftstrafe solle dabei drei Jahre betragen, gleichzeitig möge das Gericht eine Therapie im Maßregelvollzug beschließen wie vom Gutachter empfohlen.

2,9 Jahre Gefängnis und Drogen-Therapie

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Michael Landgraf, stimmte in der Beurteilung der Staatsanwältin zu, wollte es aber bei einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten belassen. Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Melanie Bartschat entsprach den Anträgen und verhängte eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Dazu Richterin Bartschat: „Der Therapie-Aufenthalt im geschlossenen Vollzug wird ihnen die Gelegenheit geben, ihre psychischen und physischen Baustellen behandeln zu lassen und selbst zu behandeln. Das Gericht hofft, dass Sie Ihre Situation nun endgültig begriffen haben.“

Bildunterschrift:

Zu einer Haftstrafe verurteilte das Schöffengericht Rosenheim einen Tunesier aus Bad Aibling, in dessen Wohnung die Polizei 14 Gramm reinen Kokains und mehr als 500 Gramm Amphetamine fand. Foto dpa/Rumpenhorst

Kommentare