Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Satirischer Streifzug durchs Schulmilieu

Der stets authentische Kabarettist Hans Klaffl begleitete sich fast im Liegen auf dem Klavier zu seinem Lied über die schulische Raumsituation.  Foto  Baumann
+
Der stets authentische Kabarettist Hans Klaffl begleitete sich fast im Liegen auf dem Klavier zu seinem Lied über die schulische Raumsituation. Foto Baumann

Aktenordner mit den Aufschriften "Verweise/Schulstrafen", "Abiturjahrgänge" oder "Protokolle Lehrerkonferenz" zeugen davon: Hans Klaffl weiß, wovon er spricht. Schließlich ist der erfolgreiche Kabarettist noch immer aktiver Lehrer am Ernst-Mach-Gymnasium in Haar. Was den Titel seines Programms angeht, könnte dieser auch lauten "Ein Lehrer packt aus" - und zwar mit spürbarer Sachkenntnis.

Bad Aibling - Bedächtigen Schrittes erklimmt er bei der Benefizveranstaltung für die Aiblinger Familienstiftung "protegoon" die Bühne der brechend vollen Gymnasiums-Aula, um in seiner Startnummer - Rotwein-gestützt - eine Schulaufgabe zu korrigieren. Neben Seitenhieben auf die "Autoren" stellt er fest, dass die ganze Klasse das Wort "Rhythmus" falsch geschrieben hat - bis auf einen Schüler mit Legasthenie-Attest. Dies bringt ihn zur Folgerung: "Bei dem ist das richtig geschriebene Wort ein Fehler." Klaffl beschäftigt sich mit der Frage "Warum wird man Lehrer?" und führt den damit verbundenen Beamtenstatus ins Feld: "Da ist häufig der Gedanke der Wunsch des Vaters." Sein eigener Vater habe sich seinerzeit nicht begeistert gezeigt über die Berufswahl: Beamter ja, aber eher beim Strafvollzug. Die Ausbildung habe sich seinerzeit noch vom Lehrerberuf unterschieden.

Kernpunkt seines satirischen und bisweilen auch deftigen Vortrags ist die Charakterisierung von vier Lehrertypen, die am imaginären "Lukas Podolski"-Gymnasium tätig sind: der behäbig-abgeklärte "Sedlmaier", der Bedenkenträger "Gütlich", der hagelbuchene "Gmeinwieser" (intellektuell eher im "Stand by-Modus") und der Schöngeist "Gregorius" (unterrichtet alte und ganz alte Sprachen).

Im Zuge der Darstellung der vier Typen, die sich wie ein roter Faden durch das Programm zieht, erwähnt Klaffl nebenbei die traditionellen Jahresgaben des Philologenverbandes (aktuell ein zwölfteiliges Hörbuch "Ludwig Spaenle liest die bayerische Schulordnung"), setzt sich mit der mutmaßlichen Entstehung des "handlungsorientierten Projektunterrichtes" auseinander ("an einem Schreibtisch im Kultusministerium hat einer nachgedacht - von keinerlei Sachkenntnis behindert") oder lässt Lehrer Gmeinwieser über seine Schüler lästern ("bildungsresistente Zellhaufen, deren Fortbewegung an Verwesung erinnert").

Deutlich schneller würden sich die Lehrer bewegen - auf dem Weg zum Parkplatz mit einer gleichzeitigen übermäßigen Ausschüttung von Glückshormonen, die bei jeder Dopingkontrolle auffielen. Klaffl beschäftigt sich mit dem Verhalten der pädagogischen "Prototypen" in Lehrerkonferenzen, in denen nur die Tagesordnungspunkte "beweglicher Ferientag" und "Notenkonferenz" die Teilnehmer aktiv werden ließen. Die Einführung des G 8 wäre ferner nur durch die damit verbundene "Verkürzung des Gärprozesses in den Schüler-Turnsäckchen" zu rechtfertigen.

Nicht fehlen darf die PISA-Einstufung, bei der sich Deutschland innerhalb von zehn Jahren immerhin von Platz 19 auf Platz 17 verbessert und Österreich überholt habe ("darum arbeiten so viele österreichische Lehrer bei uns"). Als Zuwanderungskriterium ("nur Einwanderer aus höher eingestuften Ländern und die übrigen wieder raus") sei PISA jedoch ungeeignet: "Dann wären wir in einiger Zeit die Blödesten im eigenen Land".

Weitere Themen bildeten die Überalterung des Lehrkörpers ("marodierende Geriatrie"), die Raumsituation und unterschiedliche Wahrnehmung von Schülern durch Lehrer und Eltern. Zwischen seinen mit häufigem Szenenapplaus begleiteten Aussagen setzte sich Musiklehrer Klaffl ans Klavier oder griff zum Kontrabass und besang zu Melodien wie "Fever" oder "Sex Bomb" zum Beispiel Korrektur-Leiden und Disziplinlosigkeiten.

Enthusiastischer Beifall der rund 600 Besucher (darunter Schulleiter Michael Beer, dessen Vorgänger Werner Fiebig und weitere 225 Lehrkräfte) belohnte Klaffl für sein keineswegs nur für Pädagogen amüsantes Programm. Eröffnet hatte den vergnüglichen Abend "protegoon"-Vorsitzende Astrid Steidl, die auf die Ziele der ehernamtlich tätigen Stiftung hinwies. bjn

Kommentare