WENNERBERG-AUSSTELLUNG: PLAUDEREI IN DER KUNSTVEREIN-GALERIE

„Sammler sind glückliche Menschen“

+

„Eine Leidenschaft, die oft auch Leiden schafft“ – unter diesem Motto luden Christian Poitsch und Max Regensburger zu einer abendlichen Plauderei in die Galerie des Kunstvereins im Alten Feuerwehrhaus ein. Die Veranstaltung zählte zum Rahmenprogramm der Wennerberg-Ausstellung „Eine fidele Fuhre“, als deren Kurator auch Christian Poitsch fungiert. Er schilderte eingangs die Entstehung seiner Sammlerleidenschaft für Post- und Ansichtskarten, die er zunächst auf die Region Bad Aibling beschränkte.

Bad Aibling – Durch seine Mitwirkung bei der seinerzeitigen Initiative für den Erhalt des Wilhelm-Leibl-Ateliers beschäftigte er sich auch mit den Werken von Bygolf Wennerberg, der zeitweise im Leibl-Atelier tätig gewesen war. „Da bin ich dann tiefer in die Werke dieses Malers eingestiegen und meine Sammlung seiner Werke hat inzwischen die Stufe der Professionalität erreicht“, berichtete er.

So sei es auch naheliegend gewesen, dass er die Ausstellung anlässlich des 150. Geburtstags des Künstlers organisiert habe, so Poitsch. Max Regensburger erläuterte zunächst die in England verwendeten Sammelbegriffe „collecting“ und „treasuring“, die die unterschiedlichen Motive der Sammler widerspiegeln. „Sammeln beginnt ab drei Stück“, konstatierte er und offenbarte im Laufe des Abends scheibchenweise und mit Vorzeige-Exemplaren seine vielfältige Sammler-Passion.

Gegenstände als „Zeitzeugen“

So sammelt er unter anderem Zeitungen, Toaster, Schmuckteller vorzugsweise mit Aiblinger Motiven (je kitschiger, desto lieber), Mineralien, Landkarten, Löffel, Karikaturen, Muscheln und historische Dokumente. Er hat ferner ein umfangreiches Archiv über die Aiblinger Geschichte aufgebaut. Zu seinem Sammler-Sammelsurium zählen außerdem Birmingham-Manillas (Armreifen), die früher in Westafrika als Zahlungsmittel galten. Des Weiteren nennt er ein ganzes Schmucksortiment aus Neu-Guinea sein eigen, darunter eine Halskette mit Flughundzähnen.

„Manche Leute haben mich schon gefragt: Was sammelst Du eigentlich nicht?“, bekannte er schmunzelnd. „Zu allen Sammlungen gehören Wissen und Literatur“, betonte er. Neben seinen mehr als 12 000 Post- und Ansichtskarten besitzt Poitsch etwa 200 Radierungen von Horst Janssen. „Generell habe ich Lust, viele Dinge zu sammeln, aber da stellt sich immer wieder die Frage des Aufhebens“, räumte er ein.

Bei der Aufbewahrung vieler Sammlerstücke sei unter anderem die richtige Temperatur und Luftfeuchtigkeit wichtig, so Poitsch. Er ging auch auf die verschiedenen Verhaltensweisen von Sammlern ein. So gebe es aufgeschlossene Menschen, die ihre Schätze zeigen oder gar ausleihen.

Andere hingegen würden sich völlig verschließen, so dass Außenstehende nichts über ihre Sammlung erfahren. Eigenartiges Sammlerverhalten zeige sich auch oft bei Leihgaben für Ausstellung. „Manche Sammler liefern überhöhte Wertangaben für die Versicherung, andere bestehen darauf, dass alle Leihgaben auch in der Ausstellung gezeigt werden“, erklärte Poitsch. Er selber widme sich am liebsten Sammlungen ohne fixes Ende wie bei den Wennerberg-Werken, über die es keine Aufzeichnungen über Bildmotive und deren ihre Stückzahl gebe.

Im Gegensatz dazu stünden beispielweise katalogisierte Briefmarken. Beide Referenten äußerten sich unisono kritisch zum „Sammeln nur aus Komplettierungswahn“. „Sammlungen müssen nicht immer Bestand haben, sie können auch vergehen“, hoben sie ergänzend hervor und stellten fest: „Keiner ist sammlungsfrei“.

Den Dialog beschloss Kurator Poitsch unter dem Beifall des Publikums (darunter auch Stadträtin Heidi Benda) mit dem Goethe-Zitat: „Sammler sind glückliche Menschen“. Nicht ganz glücklich konnten die Veranstalter sein, denn der „kollektive Plauderabend“ hätte einen größeren Besucherzuspruch verdient. „Das schöne Sommerwetter macht unserer Ausstellung zu schaffen“, hatte Christian Poitsch bereits in seinem Willkommensgruß angemerkt. bjn

Kommentare