Die Ruhe nach dem Sturm

Die einstige Metzgerei in Schönau scheint verwaist. Rocker oder gar Hells Angels-Anhänger wurden hier zuletzt nicht mehr gesehen. Gerlach

Schönau. – Die Schönauer wollen ihren Frieden. Gras über das Gastspiel der Hells-Angels wachsen lassen.

Rund 160 Biker, Anhänger und Sympathisanten der Hells Angels waren am 20. Juli in das 600-Seelen-Dorf gerollt, um in der alten Metzgerei ihr neues Clubheim zu eröffnen (wir berichteten). Die Polizei hatte mit 150 Beamten darauf reagiert, die an diesem Abend – teilweise schwer bewaffnet – alle Fahrzeuge kontrollierten, die nach Schönau wollten.

Unter den zu Kontrollierenden auch die Besucher der Abendmesse in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. „Es war eine seltsame Stimmung an diesem Abend, so als wäre gerade ein schwerer Gewittersturm über den Ort gezogen“, erinnert sich Diakon Josef Hilger gegenüber unserer Zeitung.

Beschaulichkeit wieder da

Fünf Wochen später, sei Schönau so beschaulich wie zuvor, erfährt der Mangfall-Bote bei einem Rundgang durch den Ort. „Es ist ruhig. Die Hells Angels waren nicht wieder hier“, sagt eine ältere Dame, die direkt hinter der einstigen Metzgerei wohnt, in der das Sommerfest gefeiert worden war. „Wir wissen jetzt, dass das kein harmloser Club ist.“ – seit dem 31. Juli. In der Mehrzweckhalle des Dorfes hatte an diesem Tag die Polizei über das am 1. Mai gegründete Charter Hells Angels MC Rosenheim informiert, das aus einem Splitting des Charters Hells Angels MC Munich Area hervorgegangen ist. „Wir sind informiert und damit emanzipierter als zuvor“, sagt ein Schönauer.

Auch er will seinen Namen nicht preisgeben, wie alle, die man im Ort auf dieses Thema anspricht. Es ist noch immer ein heißes Eisen, denn keiner weiß, ob sie wiederkommen. Und keiner will ihnen eine Angriffsfläche bieten.

Dass die Red Devils, die seit Jahren ihr Stüberl in der alten Metzgerei haben, ein Supporterclub der Hells Angels sind, wissen die Schönauer nun auch. Das hat sie überrascht. Mit ihnen hatte auch der Vermieter des Hauses keine Probleme – solange bis die Hells Angels auf der Matte standen. „Mir tut die Familie wirklich leid“, sagt eine Nachbarin. „Es sind nette Leute, die im Dorf integriert sind und sich engagieren.“

Kann Mietvertrag gekündigt werden?

„Wir erwarten, dass der Mietvertrag gekündigt wird, und die Rocker weiterziehen“, sagen viele Schönauer gegenüber unserer Zeitung mit Nachdruck. Doch ist ein Mietvertrag überhaupt so leicht zu kündigen? Der Vermieter braucht dafür einen besonderen Grund: Eigenbedarf, Mietrückstände oder eben eine Störung des Hausfriedens – durch Drogenhandel oder Prostitution zum Beispiel. Dafür allerdings gibt es im Schönauer Fall keinerlei Hinweise. Der Vermieter will sich zum Stand der Dinge nicht öffentlich äußern.

Auch von der Polizei gibt es keine Aussage zur Lage in Schönau. Denn eine „Lage“ gebe es gerade nicht. Der Ort werde nach wie vor bestreift, beobachteten jedoch die Schönauer. Und sie wissen ihren Bürgermeister in der Nachbarschaft. Georg Weigl (CSU) ist selbst Schön auer. Der Draht zur Polizei ist kurz.

„Ich spüre im Ort keine Angst“, beruhigt auch Hilger und ergänzt: Die Dinge sind offen angesprochen. Wir gehen mit geschärften Sinnen durch unser Dorf. Und jeder von uns kann in die Lage kommen, dass er eine Entscheidung trifft, deren Konsequenzen er nicht überschaut, die ihm irgendwann aber möglicherweise über den Kopf wachsen.“

Inzwischen hat die Gemeinde Tuntenhausen die Nutzung des Parkplatzes vorm Haus untersagt (wir berichteten). Und keiner der Bauern werde den Rockern künftig seine Wiesen für ihre Zelte mehr zur Verfügung stellen, weiß einer der Nachbarn.

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