Richtfest für "Leuchtturm-Projekt"

Die große Richtkrone ziert seit gestern das einzigartige, achtstöckige Holzhaus auf dem B&O-Gelände in Mietraching. Fotos Gilg

Hoch hinaus will die B&O Wohnungswirtschaft auf dem ehemaligen US-Areal in Mietraching und dokumentiert dies mit dem ersten achtstöckigen Holzhaus Deutschlands. Auch wenn laute Auftritte sonst nicht der Fall des Unternehmens seien, wolle man anlässlich des Richtfestes dennoch kräftig seinen Stolz bekunden, erklärte B&O-Geschäftsführer und Bauherr Dr. Ernst Böhm gestern vor den geladenen Gästen.

Bad Aibling - Knapp 25 Meter misst das "Leuchtturm"-Projekt auf dem B&O-Gelände, für das insgesamt über 750 Kubikmeter Holz - überwiegend aus Bayern - verbaut wurden. Lediglich das Treppenhaus wurde aus Brandschutzgründen aus Beton errichtet.

Zimmermeister Ekkehard Ehlers beim Richtspruch.

Ein großes Lob zollte Dr. Böhm den Handwerkern, allen voran den Zimmerern der Firma Huber und Sohn aus Bachmehring: "Sie haben das Haus gebaut - wir schmücken uns damit." Künftig wolle man neben jeder Universität und in Bayern und Baden-Württemberg ein Holzhaus erstellen, erklärte der Unternehmer. In den oberen Geschossen könnten Professoren und Dozenten sowie in der Mitte Studenten wohnen. In den unteren Stockwerken seien Einrichtungen wie Kinderbetreuungsstätten und ähnliches denkbar.

Offenheit und Mut gewürdigt

Architekt Arthur Schankula sprach von einer beachtlichen Perfektion bei diesem 2,8 Millionen-Euro-Projekt und drückte, an alle daran Beteiligten gewandt, sein Lob aus. Hier stehe ein zukunftsträchtiges Modell für die Wohnungsbauwirtschaft.

"Der Bauherr hatte die Idee: Eine Stadt aus Holz, des waar schee", meinte anschließend Zimmermeister Ekkehard Ehlers bei seinem Richtspruch vom Gerüst des Gebäudes aus. Er würdigte die Offenheit und den Mut Dr. Böhms, die Voraussetzung für die Umsetzung eines derartigen Modellprojektes gewesen seien.

Stolz auf einzigartiges Modell

Unternehmer Josef Huber (Huber und Sohn) bekundete im Gespräch mit unserer Zeitung "schon einen gewissen Stolz". Solch ein Haus sei einzigartig in Mitteleuropa. Mit sechs Monteuren war seine Firma vor Ort, während in Bachmehring weitere 20 seiner insgesamt 200 Mitarbeiter mit der Produktion beschäftigt waren.

Bauherr Dr. Ernst Böhm freute sich in seiner Ansprache über das gelungene Bauwerk, das Teil der "Null-Energie-Stadt" werden soll.

Nicht nur in Fachkreisen stoße der Prototyp - dessen "kleiner (vierstöckiger) Bruder gleich nebenan steht - auf großes Interesse. Als nächstes plane man gemeinsam mit B&O ein sechsstöckiges Holzhaus in Erlangen. Bei dem verwendeten Holz handelt es sich um Fichtenholz, das mit einer speziellen Farbe gestrichen wird, die rund zehn Jahre lang hält und die Fassade nicht verwittern lässt. Zum Festakt - und während die Richtkrone per Kran in die Höhe gezogen wurde - spielte die Harthauser Musi für die Gäste, darunter auch Bürgermeister Felix Schwaller, Stadtbaumeister Andreas Krämer sowie Vertreter der Hochschule Rosenheim, bevor im nahe gelegenen B&O-Parkhotel weitergefeiert wurde.

Genutzt werden soll das neue Gebäude, bei dessen Umsetzung man auch eng mit der TU München und dem Fensterinstitut Rosenheim zusammengerarbeitet hat, nach Fertigstellung mit einer Mischung aus Büros und Wohnen, erläuterte Dr. Böhm.

Das hohe, schlanke Haus, auch "Holz 8" genannt, ist zugleich ein exemplarischer Bestandteil der sogenannten Null-Energie-Stadt, die auf dem B&O-Gelände in Mietraching entsteht und die mit regenerativen Energien versorgt wird.

So soll "Holz 8" eine Wärmepumpe und eventuell doch noch eine Variante eines Windrades (ein im vergangenen Jahr vorgestelltes Modell war, wie berichtet, vom Aiblinger Bauausschuss abgelehnt worden) zur Energieversorgung erhalten.

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