BASKETBALLERIN MIT VIELEN TALENTEN –

Recouras künstlerische Ader

Die „andere Seite“ der Cyrielle Recoura: Zwei ihrer beeindruckenden Werke – ein Sonnenaufgang und ein Heißluftballon. Rossteuscher
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Die „andere Seite“ der Cyrielle Recoura: Zwei ihrer beeindruckenden Werke – ein Sonnenaufgang und ein Heißluftballon. Rossteuscher

Cyrielle Recoura (29) ist den meisten „nur“ als quirlige Basketballerin der Bad Aiblinger Firegirls bekannt, die mit ihren Aktionen unterm Korb die Zuschauer immer wieder zum Staunen bringt. Im Gespräch mit unserer Zeitung spricht die Französin über ihre andere – künstlerische – Seite.

Bad Aibling/Rosenheim – In perfektem Deutsch bestellt Cyrielle Recoura einen hausgemachten Eistee. Ihren französischen Akzent hört man nur leicht heraus. Seit zwei Jahren lebt die 29-Jährige jetzt schon in Bad Aibling und spielt für die Firegirls. „Ich spiele seit acht Jahren professionell Basketball“, erzählt sie. Erst in ihrer Heimat Frankreich, dann für ein Jahr in Kanada und jetzt eben in Deutschland. „Ich hatte einfach Lust auf etwas Neues“, antwortet sie auf die Frage, warum ausgerechnet Bad Aibling.

Entspannt blättert sie durch die Speisekarte. „Das Essen war für mich die größte Umstellung“, sagt sie gedankenverloren. Französische Delikatessen findet sie in Deutschland nur selten.

Dennoch ist sie dankbar, dass Basketball sie nach Deutschland gebracht hat. „Letztes Jahr habe ich Sprachunterricht genommen. Ich verstehe recht viel, ab und zu habe ich Schwierigkeiten mit dem antworten“, erklärt die 29-Jährige.

Deutsch, Französisch, Englisch und Spanisch – Cyrielle Recoura ist nicht nur beim Basketball spielen ein echtes Talent.

Die sympathische Französin entscheidet sich für einen Avocado-Salat. „Was viele nicht über mich wissen ist, dass ich eigentlich Mathe und Computerwissenschaften studiert habe.“ Nach einem Praktikum stand fest, dass eine Karriere in diesem Bereich für sie vorerst nicht in Frage kommt. „Ab und zu gebe ich Mathenachhilfe, aber sonst mache ich überhaupt nichts in die Richtung.“

Kunst und Literatur sind Recouras Leidenschaften. „Vor rund drei Jahren habe ich zum ersten Mal Kunstunterricht genommen. Ich hätte niemals gedacht, dass ich mich dafür interessieren würde“, erinnert sie sich. Was anfangs nur kleine Zeichnungen waren, entwickelte sich schnell in eine große Leidenschaft. „Während der Saison habe ich Collagen erstellt“, berichtet die 29-Jährige.

Kurz wird das Gespräch unterbrochen – der Avocadosalat ist da. „Davon werde ich niemals satt“, lacht die zierliche Französin und bestellt gleich noch Melone und Parmaschinken dazu.

Die Idee zu den Collagen kam von einer Freundin: „Ich wusste, dass ich so etwas Ähnliches probieren will.“ Mit einer speziellen Schnitt-und Klebetechnik erstellt sie Motive aus Zeitungsschnipseln. Die einzige Regel: Die Zeitungen und Magazine werden nicht gekauft. Das Ergebnis: Fünf Bilder die unter anderem einen Sonnenaufgang, Hochhäuser und eine Schneelandschaft zeigen. „Für das Bild des Sonnenaufgangs habe ich 482 Schnipsel verwendet und ungefähr 40 Stunden gebraucht“, erinnert sie sich. Das Resultat kann sich sehen lassen.

Neben ihrer Kunst arbeitet Recoura zudem an ihrem zweiten Buch. „Lesen war schon immer ein Hobby von mir und da wollte ich mich eben auch mal als Autorin ausprobieren.“ Ihr erstes Buch wurde bereits veröffentlicht.

Schnell wird klar, wenn die Französin sich etwas in den Kopf setzt, wird es auch in die Wege geleitet. „Wenn ich etwas machen will, dann mache ich es auch“, bestätigt sie, während sie das letzte Stück Avocado isst.

Kunst und Literatur sind für die Französin die beiden Ausgleiche für den Sport. „Es tut gut zu wissen, dass ich noch etwas anderes in meinem Leben habe“, so Recoura. Möglicherweise waren es gerade diese beiden Dinge, die ihr zuletzt über die bittere und unerwartete Niederlage gegen Marburg halfen, die den Aiblinger Traum vom Einzug ins Halbfinale zerplatzen ließ.

Für Recoura blieb keine Zeit zum Trübsal blasen: „Am Sonntag war das Spiel und einen Tag später meine Vernissage im Dinzler in Rosenheim.“ Ihre erste Ausstellung war für die 29-Jährige ein voller Erfolg. „Ich habe alle meine Bilder verkauft. Damit hätte ich nie gerechnet“, sagt sie strahlend.

Recoura hat schon viel erreicht, dennoch hat die Französin große Pläne für die Zukunft: „Ich möchte einmal einen Bestseller schreiben und an meiner Kunst arbeiten.“ Gedankenverloren trinkt sie den letzten Schluck von ihrem Eistee. „Irgendwann kann ich keinen Basketball mehr spielen. Auch wenn ich bis jetzt noch nicht ganz genau weiß, was ich danach machen will, habe ich das Gefühl, dass alles zusammenkommt.“

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