Raubrittersitz, Klause und Herberge

Gut erkennbar: die Höhe der zweigeschossigen Kirche von Süden her. Fotos lösch

Eine bewegte Vergangenheit hat die hochbedeutende, wie es in den denkmalpflegerischen Gutachten immer wieder heißt, kleine Kirche in Thal bei Hohenthann in der Gemeinde Tuntenhausen hinter sich. Dies gilt sowohl hinsichtlich des Baustils, der jeweiligen Bedeutung, der zahlreichen Renovierungsarbeiten

Thal - Heute gehört die katholische Nebenkirche St. Georg in Thal der Pfarrei Schönau. Das war nicht immer so. Der Ursprung der Kirche ging nach früheren Vermutungen weit ins 11. Jahrhundert zurück. Nach übereinstimmenden jüngeren Forschungsergebnissen wird der Bau der Kirche den Edlen von Thal, die etwa ab Mitte des 12. Jahrhunderts bezeugt sind, zugeschrieben.

über die Baugeschichte liegen allerdings vor 1600 keinerlei Daten vor. Die Ortschaft Thal verlor erst ab 1935 den Besitz über die Kirche. Durch Inkrafttreten der deutschen Gemeindeordnung von 1935 wurde jedes Ortschaftsvermögen aufgelöst und der jeweiligen politischen Gemeinde übertragen. Besitzer war damit die Gemeinde Hohenthann. Im Jahre 1951 sollte dann das Eigentum an der Thaler Kirche auf die Kirchenstiftung Schönau übertragen werden.

Nach langen Verhandlungen, bei denen die Thaler hartnäckig versuchten die Verfügungsgewalt über die Kirche zurückzuerlangen, wurde dann die Pfarrkirchenstiftung Schönau 1959 als Besitzerin ins Grundbuch eingetragen.

Ein langes Kapitel in der Geschichte der Thaler Kirche nehmen die Renovierungsarbeiten ein. Zuvor sollte allerdings noch einiges über Baustil und Verwendung des Bauwerks gesagt werden.

Das renovierte Fresko in der Apsis der Kirche.

Wie ein Gutachten des Landesamtes für Denkmalpflege aus dem Jahre 1982 aussagt, "ist die kleine Georgskirche in Thal ein bedeutender, weil weitgehend von späteren Eingriffen unberührt gebliebener romanischer Sakralbau der Zeit um 1200.

Unter diesen in Oberbayern nicht sehr zahlreichen Anlagen zeichnet sich die Kirche darüber hinaus durch ihre Doppelstöckigkeit aus, die schon zum ursprünglichen Baubestand gehört." Die Kirche ist aus Tuffquadern gebaut. Später kamen noch einige gotische änderungen dazu. So erhielt z. B. der Eingang einen Spitzbogen und die Südseite ein Fenster im gotischen Stil. Außerdem wurde die Apsis in dieser Zeit angebaut.

Wozu die Kirche in den verschiedenen Epochen diente, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Am häufigsten wird die Bedeutung als Wehrkirche oder als Pilgerherberge erwähnt. Die Kirche war früher von einem Wassergraben wie eine Burg umgeben.

Weniger wahrscheinlich ist die Nutzung durch einen Klausner weil auch keine Feuerstätte im oberen Geschoss, das nur von außen zugänglich war, nachweisbar ist. Trotz hartnäckiger Gerüchte am wenigsten wahrscheinlich ist die Bedeutung als Raubrittersitz obwohl Thal an der Salzstraße die von Miesbach nach Mühldorf führte lag und deshalb die Räuber leichte Beute hätten machen können.

Heute dient die Kirche nachweislich nur mehr sakralen Zwecken und an Georgi und zu besonderen Anlässen werden noch Messen gelesen. Seit 1700 gehörte noch das "Koblheusl" , das an den Mesner vermietet war, zur Kirche.

Schriftliche Unterlagen über Ausstattung und Zustand der Kirche gibt es erst ab 1641. Im Jahre 1739 ist die erste Reparatur erwähnt.

Im Jahre1806 drohte sogar der Abbruch der Kirche. Allerdings, so wird vermutet, haben dies die Thaler Bürger verhindert indem sie sich entschlossen die Kirche zu erwerben und auch die Baulast zu tragen. Aus diesem Grunde liegen auch für das 19. Jahrhundert keine Unterlagen über die baulichen Veränderungen vor. Verschiedene änderungen wie der Einbau der Empore oder Veränderungen am neugotischen Dachreiter der zwei Glocken aus den Jahren 1825 und 1866 trägt, werden jedoch diesem Zeitraum zugerechnet.

1922 ist dann wieder eine Renovierung, belegt an der auch der Schreiner Georg Weigl aus Biberg beteiligt war. Weitere Renovierungsarbeiten insbesondere an Turm, Dächern und Mauerwerk sowie an den Kirchenbänken sind dann ab 1950 immer nachweisbar. Im Jahre 1951 wurde dann das jetzt vollständig renovierte Fresco an der Ostseite ebenfalls bei Renovierungsarbeiten entdeckt. Von da ab wurden dann auch die verschiedenen Ausstattungsgegenstände immer wieder konservatorischen Maßnahmen unterzogen.

Der Ablauf der Renovierungsarbeiten war indes nicht immer problemlos. Dem Tatendrang der Besitzer und Kirchenpfleger stand oft der lange Weg über Denkmalschutz, Landratsamt, Kirche und Bürokratie gegenüber, so dass es im Nachhinein immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den Bürgern vor Ort und den Aufsichtsbehörden über die auszuführenden bzw. ausgeführten Arbeiten kam.

Mittlerweile scheint aber ein Kompromiss gefunden worden zu sein. Das kirchliche Kleinod in Thal ist weitgehend entsprechend den Vorstellungen der Denkmalpflege wiederhergestellt. Auch alle Ausstattungsgegenstände sind einer gründlichen Verbesserung unterzogen worden, so dass einer Einweihung nichts mehr entgegenstand.

Das Fest soll nun am Sonntag, 13. September, mit einer Messe in und um die Thaler Kirche gefeiert werden. Dabei kann sich jeder von der gelungenen Gesamtrenovierung überzeugen.

Der weltliche Teil der Feier findet dann anschließend in der Werkshalle des Sägewerks von Anton Kastenmüller statt. Die Kirche ist an diesem Sonntag den ganzen Tag geöffnet. ol

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