Im Gespräch mit Hans Schaberl

Feldkirchen-Westerhams Bürgermeister hofft auf Normalität: „Ein Maibaumfest wäre schee“

„Eigentlich ist ein Bürgermeister sieben Tage die Woche 24 Stunden im Einsatz“, sagt Hans Schaberl. Wegen Corona fallen viele Termine aus – darunter auch Geburtstage und Goldene Hochzeiten, zu denen der Rathauschef fährt und persönlich gratuliert. Gratuliert wird jetzt per Post.
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Die Coronakrise bereitet Hans Schaberl Kopfzerbrechen.

Bürgermeister Hans Schaberl erzählt im Interview, was heuer in Feldkirchen-Westerham auf den Weg gebracht werden soll und wie es ihm nach seiner Schulter-Operation geht.

Feldkirchen-Westerham – Die Corona-Pandemie hat das gesellschaftliche Leben zum Erliegen gebracht – auch in der Gemeinde Feldkirchen-Westerham. Dennoch stehen heuer viele Planungen an. Wie es mit der Bestandsaufnahme des Straßenverkehrs ausschaut, mit den Betreuungsplätzen und der Erneuerung des Dorfplatzes samt Bücherei, verrät Bürgermeister Hans Schaberl (parteifrei) im Interview.

Wie geht es Ihnen?

Hans Schaberl: Ich war wegen der Schulter ja eine Zeit lang außer Gefecht gesetzt. Jetzt bin ich wieder da – leite die Sitzungen und bin vormittags im Rathaus. Derzeit ist die Wiedereingliederung – das wird sich sicherlich noch ein wenig ziehen. Aber seit die Schiene weg ist, kann ich auch wieder Autofahren – keine 100 Kilometer. Aber von zuhause ins Rathaus komme ich (lacht).

Frühstück macht Schaberl jetzt selbst

Die Verletzung ist an der linken Schulter. Sind Sie denn Rechtshänder?

Schaberl: Ja, ich schreibe mit rechts. Aber ich mache sehr viel mit links. Im Moment muss ich halt aufpassen, habe auch Krankengymnastik.

Wegen Corona sind viele Außentermine abgesagt.

Schaberl: Richtig. Das macht mir zu schaffen. Als Bürgermeister muss man unterwegs sein, reden mit den Leuten. Bevor ich sonst am Schreibtisch gesessen habe, war ich ja immer in einem Café – das wussten die Bürger und wenn sie Sorgen hatten, sind sie gekommen. Jetzt muss ich mir mein Frühstück selbst machen.

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Was macht Ihnen derzeit am meisten Sorgen?

Schaberl: Corona. Mir tun die kranken Menschen leid und natürlich auch die Einzelhändler, auch entsteht ein großes Defizit bei den Schülern – die Belastung der Eltern ist schlimm. Und ich habe wirklich wenig Verständnis dafür, wenn die Bürger über die Einschränkungen schimpfen. Es kann ja niemand etwas dafür. Man muss einfach gewisse Entscheidungen hinnehmen. Früher im Krieg hätte man gesagt: Eine Maske zu tragen ist das Geringste.

Wie schaut es heuer mit der Kinderbetreuung aus – bekommt jeder einen Platz?

Schaberl: Es schaut so aus, also ob jedes Kind einen Platz bekommt. Aber wir sind ja auch dabei einen Anbau am Kindergarten Höhenrain umzusetzen und einen Neubau am Ölberg – da sind wir voll in der Planung. Sobald es losgehen kann, stehen wir Gewehr bei Fuß.

Bürger mit ins Boot holen

Wie geht es mit der Bestandsaufnahme hinsichtlich des Verkehrs im Rahmen des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) voran?

Schaberl:Die Ausschreibung läuft. Es könnte also heuer noch losgehen. Wichtig ist mir auch, dass die Vorschläge des Arbeitskreises Verkehr miteinbezogen werden. Sie haben gute Vorarbeit geleistet. Mir ist es wichtig, die Bürger mit ins Boot zu holen.

Liegt Ihnen in puncto Verkehr etwas besonders am Herzen?

Schaberl: Dass auch an die Radler gedacht wird. Ich bin zum Beispiel kein Fan davon, dass Radwege neben großen Straßen entstehen. Man sollte einfach gewisse Wege ertüchtigen, wie beispielsweise eine Verbindung über die Mangfall in Westerham nahe der Firma Neenah Gessner. Da sind wir auch schon mit dem Wasserwirtschaftsamt im Gespräch. Auch über Zuschüsse wurde gesprochen, denn so ein Steg ist teuer. Es könnte auch der Damm des Hochwasserrückhaltebeckens in Richtung Vagen ertüchtigt werden –  das hat dann gleich einen Erholungscharakter.

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Wie schaut es mit dem Flurstück 84 aus?

Schaberl: Jetzt steht die Entscheidung an, ob wir es einer Wohnbaugesellschaft übergeben. Wenn dem nicht so sein sollte, könnte ein Teil verkauft werden – allerdings mit der Bindung, dass auch bezahlbarer Wohnraum entsteht. Der Bedarf ist riesig.

Es entstehen aber auch Einheimischenmodelle in der Vagener Au zum Beispiel.

Schaberl: Ja, aber ich denke, dass es kein Konzept für die Zukunft ist. Denn auch trotz der Förderung ist es teuer. Wir sollten über Erbbaurecht nachdenken – das wäre bezahlbarer.

Spatenstich will Schaberl noch machen - unbedingt

Wie geht es mit dem Wasserhochbehälter in Aschbach voran?

Schaberl:Derzeit wird freigeholzt. Im Frühjahr könnte es losgehen. Das Gelände ist etwas schwierig, deshalb haben wir uns für einen Hochbehälter entschieden. Erst wird eine Bodenplatte gelegt – darauf die Hochbehälter gesetzt. Anschließend soll darüber eine Halle kommen – so ist es immer zugänglich. Der Behälter, der jetzt schon steht, soll dann als Reserve dienen für die Feuerwehr.

Wann soll er fertig werden?

Schaberl:Eventuell heuer. Wir haben keinen Druck, da der alte Hochbehälter saniert wurde.

Ein Dauerthema ist die Bücherei samt Dorfplatzerneuerung. Wie schaut es damit aus?

Schaberl: Die Sitzungen des Projektausschusses laufen. Was kann man machen, was kann untergebracht werden. Es ist wichtig, dass wir das in Angriff nehmen und in die Gänge kommen. Ich will auf jeden Fall noch den Spatenstich machen (Amtszeit bis 2023, Anm. der Redaktion).

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Die Volkshochschule muss aus dem Kultur- und Sportzentrum (KuS) raus – wie geht es da weiter?

Schaberl:Die Vhs könnte Räume auf der Kinderbetreuungseinrichtung am Ölberg bekommen. Die Schüler benötigen den Platz im KuS. So schnell es geht, wollen wir es umsetzen.

Wie schaut es heuer mit den Festen in der Gemeinde aus?

Schaberl:Es muss ja keine großen Feste geben. Schön wäre es, wenn kleine Feierlichkeiten stattfinden können – vielleicht ein Dorffest und ein Fest der Feuerwehr. Schön wäre es auch, ein Fest zu machen, wenn der Maibaum aufgestellt wird. Die Gesundheit geht vor – aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

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