„Racheakt“ im Verkehr wird teuer

Um den Überholvorgang eines langsamen Fahrzeugs drehte sich ein Streit, der jetzt vor dem Amtsgericht Rosenheim verhandelt werden musste.
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Um den Überholvorgang eines langsamen Fahrzeugs drehte sich ein Streit, der jetzt vor dem Amtsgericht Rosenheim verhandelt werden musste.

Feldkirchen-Westerham/Rosen- heim – Am 13. März 2020 kam es bei Vagen zu einem Auffahrunfall.

Gegen einen Strafbefehl über 70 Tagessätze wegen vorsätzlicher Verkehrsgefährdung legte ein Handwerksmeister aus Westerham Einspruch ein. So kam es jetzt zur Verhandlung vor dem Strafrichter am Amtsgericht Rosenheim.

Dort schilderte der Angeklagte den Vorgang folgendermaßen: Im Feldkirchen-Westerhamer Ortsteil Vagen sei ein Auto mit langsamer Geschwindigkeit von höchstens 20 Stundenkilometern – vor seinem VW-Bus hergefahren. In einem übersichtlichen Teil der Straße habe er versucht, zu überholen. Unerwarteterweise habe das andere Auto aber ebenfalls nach links gewechselt und ihn so am Überholen gehindert. Ein zweiter Überholversuch sei ebenfalls gescheitert, erst beim dritten Versuch sei es gelungen, an dem Fahrzeug vorbeizufahren. Nachdem er überholt und seine Geschwindigkeit reduziert habe, sei das überholte Fahrzeug plötzlich mit hoher Geschwindigkeit auf ihn aufgefahren und habe ihn touchiert. Den Grund für das Verhalten des Unfallgegners könne er sich nicht erklären. Der Vorsitzende Richter fragte den Angeklagten, warum er denn nach zwei offensichtlich gefährlichen Behinderungen den dritten Überholversuch überhaupt unternommen habe. Bei weiterem Hinterfragen stellte sich heraus, dass sich die beiden Fahrzeuge bereits vorher begegnet waren, wobei der Unfallgegner ihn bei einer Straßenausfahrt verkehrswidrig behindert hatte. Daraufhin hatte der Angeklagte sein Fahrzeug gewendet und war entgegen seiner ursprünglichen Fahrtrichtung dem anderen gefolgt. Richter und Staatsanwältin empfahlen daher dem Angeklagten und dessen Verteidiger, den Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzunehmen, weil alle Aussagen darauf hinweisen würden, dass er zum Zwecke einer „Strafaktion“ überholt und den Unfallgegner mutwillig abgebremst und gefährdet habe.

Gutachterwiderlegt Aussage

Erst als Gutachter Andreas Thalhammer dem Gericht vorrechnete, dass die Aussage des Handwerksmeisters nicht stimmen könne, weil für dessen Angaben eine Straßenlänge von rund 500 Metern notwendig sei, ihm jedoch nur 260 Meter zur Verfügung gestanden hatten, willigte der Angeklagte ein, den Strafbefehl zu akzeptieren.

Das Gericht errechnete eine Tagessatzhöhe von 70 Euro, sodass er mit einer Geldstrafe von 4900 Euro davonkam.

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