VERHANDLUNG AM AMTSGERICHT ROSENHEIM

Prügelei unter Bruckmühler Kollegen: Auf Beleidungen folgen Schläge

Erst Beleidigungen, dann Prügel: Eine Prügelei unter rumänischen und kosovarischen Kollegen endete jetzt vor dem Amtsgericht Rosenheim mit Strafen auf Bewährung und Schmerzensgeld.
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Erst Beleidigungen, dann Prügel: Eine Prügelei unter rumänischen und kosovarischen Kollegen endete jetzt vor dem Amtsgericht Rosenheim mit Strafen auf Bewährung und Schmerzensgeld.
  • vonTheo Auer
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Zwei rumänische Brüder verprügelten einen Kollegen. Der Kosovare hatte rumänische Frauen mit Schimpfworten belegt. Dadurch fühlte sich das Brüderpaar bemüßigt, ihn mit Fäusten und Tritten zu maßregeln.

Bruckmühl – Sicherlich hatte der 38-jährige Lagerist aus dem Kosovo seine rumänischen Kollegen provoziert, als er die Frauen aus Rumänien mit üblen Schimpfworten belegte. Dass aber beide daraufhin mit Fäusten und Tritten über ihn herfielen, das sprengte den Rahmen des Erlaubten.

Kollegen sagen als Zeugen aus

Weil das Tatopfer bei den Prügeln auch kräftig mitgemischt hatte, wurde das Verfahren wegen der „Gegenseitigkeit“ zunächst eingestellt. Rechtsanwalt Kenan Ertunc, der Vertreter der Nebenklage, hatte dagegen Beschwerde eingelegt, worauf neuerliche Zeugen gehört wurden und das Verfahren neu auflebte. So traf man sich nun beim Amtsgericht in Rosenheim unter dem Vorsitz von Richter Dirk Dombrowski.

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Der jüngere der beiden Brüder wurde von Rechtsanwalt Peter Dürr vertreten, der ältere trat ohne juristischen Beistand auf. Der jüngere Angeklagte (29) berichtete, er habe lediglich verbal die Ehre rumänischer Frauen verteidigen wollen. Der Beleidiger habe zuerst zugeschlagen, daraus habe sich dann eine Prügelei entwickelt. Der ältere Bruder (46) wollte sich lediglich schlichtend dazwischen gestellt haben. Im Gegenzug habe der Beleidiger mit einem Messer gedroht.

Unbeteiligte Kollegen und Zeugen bestätigten zwar die Beleidigungen des Kosovaren, schilderten aber, dass zunächst der Jüngere von den Brüdern und schließlich alle beide auf ihren Kontrahenten eingeprügelt und ihn am Boden liegend noch mit Füßen traktiert hätten. Gerade bei den Sicherheitsschuhen, die im Unternehmen Vorschrift seien, wären schwere Verletzungen möglich. Diese sind zwar nicht eingetreten, aber bei dem Tatopfer wurden doch erhebliche äußere Verletzungen dokumentiert.

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Sogar ein Messer war im Spiel

Zwar hatte auch er sich heftig zur Wehr gesetzt. Es stimmt auch, dass er kurz ein Messer zur Hand genommen hatte, dieses wurde ihm von anderen Kollegen aber sofort wieder abgenommen.

Letztlich blieb es bei den bestätigten Schlägen und Tritten, die allseits geschildert worden waren. Auf Grund dieser Fakten bot Rechtsanwalt Dürr dem Tatopfer, das als Nebenkläger angetreten war, ein Schmerzensgeld von 1400 Euro an, was dieser auch akzeptierte.

Auch versuchte der Verteidiger in einem Rechtsgespräch, den Vorgang als „minder schweren Fall“ einzustufen. Hier waren jedoch Staatsanwaltschaft und Richter nicht einverstanden. Schon wegen der gefährlichen Tritte sei dies nicht möglich.

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So erklärte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft in ihrem Schlussvortrag, dass beide sich aktiv an den Auseinandersetzungen beteiligt hatten und deshalb gegen jeden eine Haftstrafe von 14 Monaten zu verhängen sei. Diese könne zur Bewährung ausgesetzt werden, das solle aber mit einer Geldbuße von 1700 Euro verbunden werden. Rechtsanwalt Ertunc schloss sich den Argumenten der Staatsanwaltschaft an.

Der Verteidiger verwies darauf, dass das Verfahren ursprünglich aus gutem Grund eingestellt worden sei und die Einlassungen des Tatopfers etliche Unwahrheiten enthalten hatten. So war er auch bemüht, den Tatbeitrag seines Mandanten zu relativieren.

Keine Haft, aber eine Bewährungsstrafe

Er beantragte für den 29-jährigen Rumänen Freispruch, hilfsweise solle eine Bewährungsstrafe ausreichend sein.

Das Gericht verhängte gegen beide Brüder wegen gefährlicher Körperverletzung eine Bewährungsstrafe von zwölf Monaten, verpflichtete sie, das Schmerzensgeld zu entrichten und erlegte ihnen dazu noch eine Geldbuße von 1000 Euro auf. Die Aussagen der unabhängigen Zeugen hatten schließlich den Richter überzeugt und den Schuldspruch erwirkt.

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