30.000 Euro Schaden

Prozess nach Unfall in Bruckmühl: Keine Spur vom Unfallauto, völlig verworrene Aussagen

War er der Fahrer des Unfallwagens oder nicht? Ein DNA-Abgleich des Angeklagten und der Spuren am zurückgelassenen Nummernschild soll darüber jetzt Klarheit bringen.
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War er der Fahrer des Unfallwagens oder nicht? Ein DNA-Abgleich des Angeklagten und der Spuren am zurückgelassenen Nummernschild soll darüber jetzt Klarheit bringen.
  • vonTheo Auer
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Das Unfallauto wurde nie gefunden, das zurückgebliebene Kennzeichen war gestohlen, die Zeugen erschienen fragwürdig, die Umstände eher dubios – das Jugendschöffengericht beim Amtsgericht Rosenheim unter Vorsitz von Richter Hans-Peter Kuchenbaur war jetzt mit einer verworrenen Situation konfrontiert.

Bruckmühl – Fest steht, dass am frühen Morgen des 30. November 2019, gegen 5 Uhr, ein Pkw – angeblich ein Fahrzeug der Marke Opel – in einer Kurve von der Straße abkam, in eine Gartenanlage geriet und gegen einen dort parkenden Pkw prallte. An diesem entstand ein Schaden von etwa 30.000 Euro. Der Unfallverursacher beging Unfallflucht.

Ist der Angeklagte wirklich anzuklagen?

Nun musste sich ein 20-jähriger Kfz-Mechatroniker vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Der Angeklagte bestritt heftig, an jenem Abend auch nur in der Nähe von Bruckmühl gewesen zu sein. Die Belastungszeugen, so behauptete er, habe er etwa sechs bis acht Wochen vor dem fraglichen Termin in einer Bruckmühler Disco kennengelernt. Damals habe es eine Auseinandersetzung im Lokal gegeben. Seither sei er nicht mehr dort gewesen.

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Bei der Beschuldigung durch den oder die Belastungszeugen müsse es sich um einen Racheakt wegen der damaligen Auseinandersetzung handeln, stellte der Angeklagte als Vermutung in den Raum. Er sei am fraglichen Unfallabend jedenfalls nicht in Bruckmühl, sondern mit einem Bekannten in Hohenbrunn gewesen. Leider sei dieser Entlastungszeuge in jener Nacht aber so betrunken gewesen, dass er keinerlei Erinnerungen mehr daran habe.

Nächtliches „Cruisen“ endet im Gartenzaun

Der Hauptbelastungszeuge – ein 19-jähriger Auszubildender – berichtete, er habe den Angeklagten nie zuvor gesehen. An jenem Abend habe dieser ihn aber in seinem Auto von einer Tankstelle aus mitgenommen – nur etwa 500 Meter bis nach Hause. Weil er weder Fahrer noch Beifahrer gekannt habe, hätte er dessen Personalausweis fotografiert. Der Fahrer habe ihn jedoch nicht nach Hause fahren wollen, sondern vielmehr die Absicht gehabt, „durch die Nacht zu cruisen“. Erst sei er völlig normal gefahren. In die Unfallkurve aber sei er viel zu schnell gefahren und habe die Beherrschung über das Fahrzeug verloren. Er sei nach dem Unfall allein ausgestiegen. Der Fahrer habe das Auto wieder gestartet und sei geflüchtet.

Alkohol löscht die Erinnerungen

Ein weiterer Zeuge berichtete, dass er sehr betrunken gewesen sei und nicht mehr genau wisse, wer gefahren sei. Es habe sich aber um den Angeklagten und einen zweiten Mann gehandelt.

Die Polizeibeamtin berichtete, dass der Unfallwagen nicht gefunden werden konnte. Das am Unfallort aufgefundene Nummernschild sei in München von einem Reparaturfahrzeug abmontiert worden. Nach ihren Recherchen seien nach dem Unfall zunächst drei Personen aus dem Wagen ausgestiegen, bevor der Fahrer schließlich geflohen sei.

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Nachdem der Angeklagte weiterhin darauf bestand, dass er nicht der Fahrer gewesen sei, wurde das Verfahren unterbrochen und der angebliche Entlastungszeuge geladen.

Der bot in der Fortsetzungsverhandlung eine arg verworrene Version an. Er habe mit dem Angeklagten den Abend in Hohenbrunn verbracht. Gemeinsam habe man eine Bekannte mit der S-Bahn nach Hause gebracht. Danach habe er in einem Maße weitergetrunken, dass er sich an nichts, aber auch gar nichts mehr erinnern könne. Sein Freund – der Angeklagte – habe ihn am nächsten Morgen, gegen 7 Uhr, in einem Feld liegend geweckt. Erst da setze seine Erinnerung wieder ein. Woher er damals eine offene Platzwunde am Hinterkopf hatte, könne er ebenfalls nicht mehr sagen.

Der Staatsanwalt beantragte die wörtliche Protokollierung der Aussage und machte dem angeblichen Entlastungszeugen klar, dass er ihn der Falschaussage verdächtige. Trotzdem bestätigte dieser die Aussage des Angeklagten, die Belastungszeugen Wochen zuvor bei einer Schlägerei das erste Mal gesehen zu haben.

Festnahme wegen vermuteten Meineids

Daraufhin ließ ihn der Staatsanwalt von bereitstehenden Beamten der Polizeiinspektion Rosenheim wegen des Verdachts der Falschaussage und Verdunkelungsgefahr festnehmen.

Um der Wahrheit auf den Grund zu kommen, wurden die Smartphones vom Angeklagten und dessen Freund sichergestellt. Zudem machte der Richter klar, dass am zurückgelassenen Nummernschild DNA-Spuren gefunden worden seien. Der Angeklagte war sofort zu einem Abgleich bereit.

Das Problem des Angeklagten: Erst im Juli des vergangenen Jahres war er wegen eines nahezu identischen Delikts verurteilt worden. Zudem besitzt er keinen Führerschein. Damit könnten die Strafen zu einer Gesamtstrafe zusammengefasst werden, was dem Angeklagten ein erheblich höheres Strafmaß einbringen könnte. Bis zur Erstellung des notwendigen DNA-Gutachtens wurde das Verfahren ausgesetzt.

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