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Bürger sorgen sich um die Zukunft ihrer Kinder

„Prestigeprojekt zerstört Lebensraum“: Brenner-Nordzulauf könnte auch Hohenthann zerschneiden

Bürgermeister Georg Weigl nahm aus der Infoveranstaltung in Hohenthann viele Bedenken der Bürger mit.
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Bürgermeister Georg Weigl nahm aus der Infoveranstaltung in Hohenthann viele Bedenken der Bürger mit.
  • VonWerner Stache
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Der Brenner-Nordzulauf durchschneidet die Gemeinde Tuntenhausen. Während die oberirdische Trasse von Aubenhausen bis Ostermünchen eine Fläche von 40 Hektar verbraucht, droht mit dem Abschnitt von Ostermünchen bis Grafing nun auch für Hohenthann eine Zerstörung von Lebensraum.

Tuntenhausen – Über den aktuellen Planungsstand für den Brenner-Nordzulauf informierte Bürgermeister Georg Weigl jetzt in einer Bürgerversammlung in Hohenthann. Dabei kamen die Sorgen der Bürger deutlich zum Vorschein: Sie plagen Zukunftsängste aufgrund von Landverlust, Lärm und Preisverfall. Zudem befürchten sie die Zerstörung des Lebensraumes für ihre Kinder und Enkel.

„Das Thema Brenner-Nordzulauf ist allgegenwärtig ist, gerade auch in Hohenthann. Deshalb machen wir eine Infoveranstaltung“, begründete der Bürgermeister das Treffen in der Alten Schule von Hohenthann. Mit dabei war auch die Bürgerinitiative gegen den Brenner-Nordzulauf, um das Projekt von verschiedenen Seiten zu betrachten. „Unser Ziel ist es, das Beste für die Gemeinde zu erreichen“, stellte Weigl voran. Er schilderte den aktuellen Planungsstand – besonders für den Teilabschnitt von Ostermünchen bis nach Grafing. Hohenthann wäre besonders von der pinken Variante betroffen.

Entscheidung zu Trassen im Sommer

Die Entscheidung über die endgültige Trasse will die Bahn Mitte des Jahres bekannt geben. „Jetzt müssen wir Einfluss nehmen“, betonte Bürgermeister Georg Weigl: „Wenn das Projekt 2025 im Bundestag entschieden wird, ist es gelaufen.“

Margit Kraus von der Bürgerinitiative Tuntenhausen gegen den Brenner-Nordzulauf argumentierte: „Ein Drittel der Landwirte verlieren ihre Existenz.“

Die pinke Variante ist eine von fünf möglichen Trassen des Brenner-Nordzulaufs von Ostermünchen nach Grafing. Davon wäre Hohenthann besonders betroffen.

Bürger befürchten vom geplanten Bau der Trasse vor allem Gefahren für die Statik ihrer Häuser, ganz zu schweigen vom Lärm, der von den Bauarbeiten und später vom Güterverkehrsaufkommen zu erwarten ist. Dass eine Untertunnelung das Problem lösen kann, wurde bezweifelt, da die Bahn die Vorgabe habe, wirtschaftlich zu planen. Wenn eine oberirdische Trasse möglich sei, falle die wesentlich teurere Tunnellösung schnell vom Tisch.

Aus Sicht des Klimaschutzes sei ein Tunnelbau sowieso falsch, wie die Bürgerinitiative verdeutlichte: „Pro Kilometer Tunnel werden circa 30 000 Tonnen Kohlendioxid freigesetzt“, dokumentierte Kraus. 54 Kilometer Strecke als zweiröhriges Tunnelbauwerk verursachten demnach 3,25 Millionen Tonnen CO2. Deshalb fordert die Bürgerinitiative verkehrspolitische Anreize, um den Güterverkehr auf die Schiene zu bringen. „Und zwar sofort“, so Kraus. Das sei möglich, da die Bestandsstrecke nicht ausgelastet sei, aktuelle gerade mal 250 von 390 möglichen Zügen verkehrten. „Der Güterverkehr funktioniert auch ohne drittes und viertes Gleis“, versicherte Kraus.

Maut als beste Steuerungspolitik

Bürgermeister Weigl schlug in die gleiche Kerbe und betonte: „Die Maut wäre die beste Steuerungspolitik.“ Dafür zitierte er das Argument, dass 30 bis 40 Prozent des Lkw-Verkehrs über den Brenner Umwegeverkehr sei. „Billigere Maut und günstigeres Benzin sind die Ursachen“, so Kraus, die gezielte Maßnahmen gegen den Lkw-Umwegeverkehr forderte.

Dieses Argument wird auch von der Brenner-Korridor-Plattform-Studie untermauert. Auch hier werden unterschiedliche Mauten, günstiger Treibstoff und ausländische Mindestlöhne von teilweise nur 2,50 Euro pro Stunde als Ursachen für den Umwegeverkehr benannt. Ralf Exler von der Bürgerinitiative Kolbermoor ergänzte, dass nur 41,3 Prozent der Fahrten über den Brenner der „beste Weg“, der Rest Umweg- und Mehrwegverkehr seien.

Verschwendung von Steuergeld

Margit Kraus zeigte auf, dass der Güterverkehr auch auf der Bestandsstrecke funktionieren würde.

Seine klare Forderung: Nur durch politisches Handeln könne man den Lkw-Verkehr von 2,4 auf 1,2 Millionen Lkw pro Jahr reduzieren. Exler brachte auch die neue Seidenstraße und deren Gefahren ins Spiel: „Mit der Etablierung der neuen Seidenstraße entscheidet künftig China, auf welchen Strecken die Frachten kommen.“ Als ein weiteres Hindernis sieht Exler die Kosten-Nutzen-Analyse. Lag diese 2010 noch bei 1,16, sank sie schon 2017 auf 0,79. Mittlerweile sind die Kosten von 1,8 auf 7 Milliarden Euro gestiegen. „Heutige Kostenschätzungen sprechen sogar von 10 Milliarden Euro“, so Exler.

Der Tenor der Bürger: „Das ist Verschwendung von Steuergeldern für ein Prestigeprojekt. Der Lebensraum unserer Kinder wird zerstört.“ Am Ende der Veranstaltung gab es vor allem besorgte Gesichter. Bürgermeister Weigl schloss mit den Worten: „Was nicht notwendig ist, gehört auch nicht gebaut. Wir wollen die Landschaft und unsere Kultur für unsere Kinder erhalten.“

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