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Skiclub Bad Aibling: „Unsere Stärke ist der Zusammenhalt!“

Conny Irlbacher, einer der erfolgreichsten Aiblinger Skifahrer (mit Konrad junior), ist 1970 unter die Skifabrikanten gegangen.
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Conny Irlbacher, einer der erfolgreichsten Aiblinger Skifahrer (mit Konrad junior), ist 1970 unter die Skifabrikanten gegangen.
  • vonJohann Baumann
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Auch wenn Tränen beim enttäuschten Renn-Nachwuchs fließen, die Haupteinnahmequellen wegfallen und der Verein an der Krise schwer zu knabbern hat: Die Pandemie wird den SCA, aktuell der „beste Skiclub Deutschlands“ nicht aus der Bahn werfen. Seine Stärke: der Zusammenhalt.

Bad Aibling – „Bester Skiclub Deutschlands 2020“ – diese Auszeichnung erhielt der Skiclub Bad Aibling vor Kurzem durch den „Deutschen Skiverband“ (DSV). Mit diesem Preis wird jährlich der Verein unter den rund 4.000 bundesweiten Skiclubs ausgezeichnet, der herausragende ganzjährige Trainings- und Wettkampfkonzepte entwickelt und umsetzt.

Die Preisverleihung stellt einen absoluten Meilenstein in der Geschichte des Vereins dar. Die Basis hierfür wurde bereits in den Gründerjahren gelegt, wie ein Blick in die von Altbürgermeister Dr. Werner Keitz erstellte Stadtchronik zeigt.

Die Hamberger-Brüder Luis, Rudolf und Fred (von links) siegten 1958 bei den Vereinsmeisterschaften des SC Bad Aibling.

Blick in das Gründungsjahr 1957

Gegründet wurde der Skiclub Bad Aibling (SCA) im Oktober 1957. Bis dahin waren die Aiblinger Skifahrer Mitglieder beim SV Heufeld. Doch der Wunsch nach einem eigenen Verein war immer stärker geworden. Bei der Gründungsversammlung wurde Karl Pöhlmann zum Vorsitzenden gewählt. Als Vereinsziel wurden die Ausrichtung von Tor- und Abfahrtsläufen, die Ausbildung der Jugend und die Förderung des Langlaufs manifestiert.

Kinderskikurse schon seit 1960

Schon 1960 wurden die ersten Kinderskikurse durchgeführt. 1963 richtete der SCA einen Langlaufwettbewerb mit 132 Teilnehmern aus Ober- und Niederbayern und 50 Schulbuben aus Bad Aibling aus. Ebenfalls in den 60er-Jahren hob der SCA die erste alpine Stadtmeisterschaften aus der Taufe – und neben der Skigymnastik für Rennläufer auch allgemeine Gymnastikkurse für Erwachsene und Kinder.

Die junge Rennläuferin Ida Wolff vom SCA des SCA mit ihrem Trainer Michi Marx am Start eines Rennens – als das noch in dieser Form möglich war.

Erfolgsgeschichte „Moorwanderung“

1972 lud der Verein erstmals und mit großem Erfolg zu seiner Moorwanderung ein, die 25 Jahre lang mit bis zu 3000 Wanderfans veranstaltet wurde. Mit der Stadtmeisterschaft im Langlauf und dem Wendelstein-Berglauf wurden weitere Wettbewerbe eingeführt.

Unter der Ägide des damaligen Vorsitzenden Meinrad Egger steigerte sich die Teilnehmerzahl an den Kinderskikursen ständig und erreichte 1990 die Rekordzahl von 643. Von 1993 bis 2005 gab es sogar eine Radrenngruppe beim SCA.

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Neben dem Breitensport glänzten zahlreiche SCA-Aktive auch mit großen Erfolgen als alpine Rennskiläufer. Zu ihnen zählten u. a. Konrad Irlbacher, Dr. Karl Zillibiller, Steffi und Andi Bachmeier, Valentin Egger und Jacob Schramm. Aktuell ist Linus Witte das Aushängschild des SCA. Er errang den deutschen U 21-Meistertitel im Super-G 2021 und vertrat als einer von nur vier Athleten den DSV im März 2021 bei der Junioren-WM in Bansko/Bulgarien.

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„Das über die Jahrzehnte gewachsene breite Ganzjahresangebot des SCA mit wöchentlich zwei Trainingseinheiten im Spitzen- und Breitensport war ein wesentliches Kriterium bei der Auszeichnung zum besten Skiclub 2020“, unterstrich Stefan Rossteuscher, seit 1999 Vorsitzender des SCA, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Der Verein hat bereits kurz nach dem Lockdown 2020 poly-athletische Online-Trainingsprogramme gestartet und dazu Spitzensportler wie Slackline-Weltrekordhalter Friedi Kühne oder Ice-Cross-Crack Luca Engler gewonnen. „Wir wollen nicht nur den Spitzensport fördern, sondern auch junge Menschen zum Skisport bringen, und das ist heutzutage schwieriger geworden“, erklärt der SCA-Chef.

SCA-Vorsitzender Stefan Rossteuscher (rechts) und Trainer Tom Priermeier zeichnen den Weg des Vereins von dessen Gründung bis zu Auszeichnung als „Bester Skiclub Deutschalds 2020) nach.

Pandemie trifft den Verein hart

Die Corona-Pandemie trifft den Verein mit seinen rund 1000 Mitgliedern hart. „Wir haben an den Entscheidungen der Politik zu knabbern“, moniert Trainer Tom Priermeier. „Wir hatten bereits das für 20 Teilnehmer erlaubte Training organisiert, aber die Lifte waren geschlossen und wir schauen in weinendende Kindergesichter.“

Der Lockdown verursacht auch erhebliche finanzielle Folgen. „Mit der Absage des Bürgerfestes entfiel unsere Haupteinnahmequelle und die Absage des Skibasars bedeutet nicht nur den Ausfall des Verkaufserlöses, sondern auch der günstigen Einkaufsmöglichkeiten“, erklärt Rossteuscher.

„Corona wird uns nicht aus der Bahn werfen“

Doch Corona wird den Skiclub Bad Aibling nicht aus der Bahn werfen. „Unsere Stärke ist der Zusammenhalt, und die Vereinsarbeit wird durch das Ehrenamt am Leben gehalten“, unterstreicht der Vorsitzende und ergänzt: „Wir haben außer Corona keine sonstigen Durststrecken zu beklagen und bei uns gibt es weder Grabenkämpfe noch finanzielle Sorgen.“

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