Pflegeheim in Bad Aibling: Was, wenn der Hang doch rutscht?

Mit dieser Visualisierung veranschaulichten die Planer die Höhe des neuen Pflegeheims (links).
+
Mit dieser Visualisierung veranschaulichten die Planer die Höhe des neuen Pflegeheims (links).

Das dringend benötigte neue Pflegeheim für demenzkranke Bewohner an der Ghersburgstraße muss so weit von der Hangkante entfernt errichtet werden, dass jegliche Gefährdung er Standsicherheit ausgeschlossen ist.

Bad Aibling – Zu groß ist die Sorge des Bad Aiblinger Stadtrates, dass der Hang aufgrund des Neubaus in seiner Stabilität beeinträchtigt, die darunter liegende Bebauung gefährdet und auch das Stadtbild verändert werden könnte.

Die Hausaufgaben, die der Stadtrat und Bauausschuss den Planern zuletzt mitgegeben hatten, waren zur jüngsten Sitzung weitgehende erfüllt: Durch zusätzlichen Grunderwerb kann die Feuerwehrzufahrt nun in der erforderlichen Breite von 3,50 Meter errichtet werden. Auch müssten, wie der Vorstandsvorsitzende der Aviam Projektentwicklung AG & Co. KGaAG Michael Mükusch erklärte, keine Bäume für das Projekt gefällt werden: „Im Gegenteil, der Baumbestand wird erweitert.“

„Wesentlich weiter von Hangkante weg“

Der Projektentwickler betonte, das fünfstöckige Gebäude werde niedriger gebaut als das benachbarte Novalishaus, zudem habe man es wesentlich weiter von der Hangkante abgerückt. Anhand von Visualisierungen und Lageplänen versuchte Mükusch, den Stadträten dies zu verdeutlichen.

Doch meinte Martina Thalmayr (Grüne): „Mir ist diese Präsentation zu schwammig. Was bedeutet ,wesentlich weiter abgerückt‘? Bei der südöstlichen Kante sind wir enorm nah dran mit der Bebauung.“ Sie forderte, dass dem Stadtrat vor einer Entscheidung ein Bodengutachten vorgelegt wird, aus dem hervorgehen muss, dass der Hang stabil genug ist für dieses Vorhaben.

„Auch den Platz, an dem das Gebäude errichtet wird, sehe ich zunehmend kritisch. Von der Ghersburgstraße sieht man es vielleicht nicht. Von der Fraunhofer- und Milchhäuselstraße aber blickt man dann direkt auf ein großes, funktionales Gebäude“, monierte Thalmayr. Ob denn die Bebauung des Parkdecks neben dem Novalishaus eine Alternative sei, wollte sie wissen.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Hier sei er nicht der richtige Ansprechpartner, entgegnete Mükusch. Bürgermeister Stephan Schlier fügte hinzu: „Der Grundstückseigentümer ist ein anderer.“ Dennoch beantragte Grünen-Rätin Anita Fuchs, das Vorhaben an der vorgesehenen Stelle wegen seiner Nähe zur Hangkante abzulehnen und stattdessen zu überprüfen, ob eine Überbauung des Parkdecks möglich sei, „bevor wir freien Grund und Boden antasten“.

Der Antrag wurde mit 16:9 Stimmen abgelehnt. Dr. Thomas Geppert wollte eine Lanze für die Wirtschaft brechen. Er mache sich keine Sorgen, dass hier ein einsturzgefährdetes Gebäude errichtet wird und sei der Meinung, dass man das Vorhaben nicht weiter verzögern sollte. Wenn man wirklich eine geringere Flächenversiegelung anstrebe, müsse man in die Höhe bauen.

Lesen Sie auch: Pflegeheim für Demenzkranke ja, aber die Hangkante in Bad Aibling muss unangetastet bleiben

Allerdings meinte auch Richard Lechner (SPD) an den Projektentwickler gerichtet: „Ich vermute, dass Sie ein größeres Platzproblem haben, als die gezeigten Ansichten vermuten lassen. Und Ihre Äußerung, dass die Bäume erhalten bleiben, halte ich für sehr optimistisch.“ Lechner forderte bereits zum jetzigen Verfahrensstand einen Freiflächengestaltungsplan und eine eindeutige Klärung der Stellplatzfragen.

Bodengutachten zwingend erforderlich

Stadtbaumeister Andreas Krämer wies drauf hin, dass es an diesem Abend darum gehe, ob der Bebauungsplan „Kurgebiet beidseitig der Ghersburgstraße“ zur Zulassung des Vorhabens erweitert werden könne. „Die Verbindlichkeiten werden dann im Bebauungsplan festgelegt. Dann ist auch einFreiflächengestaltungsplanvorzulegen.“ Ein Bodengutachten sei hier ohnehin zwingend erforderlich.

Dieter Bräunlich (ÜWG) wollte die Nutzung als Pflegeheim dinglich gesichert wissen und beantragte, dass das Gebäude mindestens zehn Meter Abstand von der südlichen Hangkante haben müsse.

Mit 23:2 stimmte der Stadtrat schließlich der Erweiterung des Bebauungsplanes zu. Bis zur Beratung über den Entwurf müssen vorliegen: Freiflächengestaltungsplan, Geländequerschnitt, Stellplatzberechnung und ein Baumbestandsplan.

Kommentare