Pfarrverband Bruckmühl geht neue Wege: Per QR-Code zu St. Georgs Historie

Gemeinsam aktiv für die St. Georg Kirche in Oberholzham: Josef Krapichler, Lotte Stahuber, Kilian Knieger und Silvia Donderer (von links).
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Gemeinsam aktiv für die St. Georg Kirche in Oberholzham: Josef Krapichler, Lotte Stahuber, Kilian Knieger und Silvia Donderer (von links).

An QR-Codes kommt man fast nicht mehr vorbei. Man entdeckt sie auf Werbeplakaten, Visitenkarten, in Supermärkten und nun auch in Kirchen der Region. Die St. Georg Kirche in Oberholzham ist die erste im Pfarrverband Bruckmühl-Vagen, deren Geschichte jetzt per QR-Code verlinkt wurde.

von Kathrin Gerlach

Bruckmühl – „Viele Einheimische und Besucher unserer Region halten auf ihrem Weg inne, suchen Ruhe, wollen ins stille Gebet treten oder die Kirche besichtigen“, erklärt die Verwaltungsleiterin des Pfarrverbandes Bruckmühl-Vagen. Ihnen will man nun einen zusätzlichen Service anbieten.

Hinter der Idee stecken vielen Generationen von Christen. Kirchenpfleger Josef Krapichler beispielsweise, dessen Großvater zu den Erbauern der kleinen Dorfkirche gehörte. Oder Mesnerin Lotte Stahuber, die an jedem Morgen Punkt sieben Uhr die Kirchenpforte aufschließt, damit „sie allen offen steht“. Oder der Abiturient Kilian Knieger, der mit 20 Jahren schon Mitglied des Pfarrgemeinderates Kirchdorf-Holzham ist und sich auf das Erstellen von QR-Codes versteht.

Geschichte anders erzählt

„Jede Kirche hat eine ganz besondere Geschichte, aber wir haben viel zu selten die Gelegenheit, sie zu erzählen“, sagt Donderer. Und so kam die Jugend des Pfarrverbandes bei einem Brainstorming auf die Idee, Kirchengeschichte künftig per QR-Code zu erzählen.

Ein Testlauf in Weihenlinden stieß auf Begeisterung. Jetzt wird das generationsübergreifende Gemeinschaftsprojekt Schritt für Schritt umgesetzt. Die Pfarrgemeinden arbeiten die Geschichten ihrer Kirchen zu. Auf der Homepage des Erzbistums München wird sie online gestellt. Und Kilian Krieger erstellt den QR-Code, der dann in den Kirchen ausgehängt wird.

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In Holzham wurde der QR-Code im Schaukasten angebracht. „Er lässt sich mit dem Smartphone ganz einfach lesen – teilweise muss dafür vorher eine kostenlose App heruntergeladen werden“, erklärt Knieger: „Dann geht es ganz schnell: Man hält die Kamera des Smartphones auf den QR-Code. Sobald der erkannt wurde, öffnet sich die Webseite unserer Kirche.“

Neue Projekte schon in Planung

Jetzt solle getestet werden, wie oft die Seite aufgerufen werde. Bei guter Resonanz könne der QR-Code als stabiles Schild direkt an der Kirchenpforte angebracht werden. So wie Holzham sollen dann auch alle anderen Kirchen des Pfarrverbandes vernetzt werden.

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Um das Interesse an Glaube und Kirchen zu wecken, schwebt dem 20-jährigen Pfarrgemeinderat schon ein nächstes Projekt vor. Knieger: „Eine Quizführung durch die Kirche, mit der Informationen zu Stationen wie Altar oder Taufbecken spielerisch vermittelt werden.“

Ein Blick in die Geschichte der Oberholzhamer Kirche des Heiligen Georg

Die St. Georg Kirche in Holzham wurde in den Jahren 1923/24 in völliger Eigenregie der Holzhamer Bevökerung errichtet. Dazu zählten die Bürger aus Unterholzham, Oberholzham, Breitenberg, Hirschberg, Nacken, Voglried, Winterplöck, Unterwall und Oberwall.

„Die vier Bauern Neureither, Krapichler, Kogler und Ostermaier haben in der Silvesternacht des Jahres 1922 den Entschluss gefasst, eine eigene Kirche zu bauen, damit auch die älteren und gebrechlichen Bewohner die Möglichkeit erhielten, einen Gottesdienst zu besuchen“, erzählt Kirchenpfleger Josef Krapichler.

Spenden inmitten der Inflation

In den entbehrungsreichen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, in denen Deutschlands Wirtschaft in Scherben lag, der Staat pleite war und das Geld durch Hyperinflation entwertet wurde, sammelten die Einwohner jeden Pfennig für ihre Kirche. (Im November 1923 entsprach ein US-Dollar etwa 4,2 Billionen Mark.)

„Das war eine ganz große Leistung“, würdigt Krapichler das Engagement der Vorfahren. „Man kann sich vorstellen, dass in einer Hyperinflation jede Mark sofort in Material umgesetzt werden musste, damit sie nicht an Wert verlor“, erzählt Krapichler.

Betonsteine per Hand gegossen

Viel Material sei damals direkt gespendet worden. „Holz war sehr rar. Also haben die Bauern auch ihr Holz für die Kirche verkauft.“ Die Betonsteine seien per Hand gegossen, die Kirche in Eigenregie erbaut worden. „Der wunderschöne barocke Altar wurde vom Aiblinger Kunstschreiner, Restaurator und Holzbildhauer Wilhelm Köglsberger geschaffen.“

Am 11. Mai 1924 wurde die Kirche zu Ehren des Heiligen Georg von Kardinal Dr. Michael Faulhaber feierlich geweiht. Der Kardinal soll dabei die bewegenden Worte „Das ist Eure Kirche!“gesagt haben. In vier Jahren wird die Oberholzhamer Kirche 100 Jahre alt. Die Erben der Erbauer werden dieses Jubiläum in Anerkennung der Leistungen ihrer Vorfahren würdig begehen. Bis dahin soll die Kirche, die im Alter von 96 Jahren noch immer in einem sehr guten Zustand ist, noch einmal frisch hergerichtet werden.

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