Patriotischer Bauernverein holt Tausende nach Tuntenhausen

Zur Abwendung der Hochwassergefahr pilgerte auch die Pfarrei Rosenheim alle Jahre nach Tuntenhausen, wie dieses Mirakelbild zeigt.
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Zur Abwendung der Hochwassergefahr pilgerte auch die Pfarrei Rosenheim alle Jahre nach Tuntenhausen, wie dieses Mirakelbild zeigt.

Tuntenhausens Wallfahrt hat eine lange Tradition. Bereits vor dem „ersten Wunder“ 1441 pilgerten Menschen hierher und machten Tuntenhausen zu dem, was es heute ist: Eine der größten Wallfahrten der Erzdiözese München und Freising.

Tuntenhausen – Interessant ist auch ein Blick auf die Dorfschaften, die seinerzeit mit dem Kreuz nach Tuntenhausen kamen: Die Orte reichen von Albaching über Altenerding und Anzing bis Zorneding oder von Haag über Halfing und Holzkirchen bis Wasserburg. „Wallfahrtszüge sind Triumphzüge der Wahrheit der Religion“, wird in einem Wallfahrtsbüchlein die Bedeutung der Wallfahrten beschrieben. Die Wallfahrten hatten gewaltige Ausmaße: Ebersberg-Oberndorf kam an einem Dienstag nach Christi Himmelfahrt mit 350 Personen nach Tuntenhausen.

300 Personen bei einem Bittgang

300 Personen scharte Grafing um sich, und die Stadt Rosenheim kam gar mit 500 Personen nach Tuntenhausen. Die enorme Gläubigkeit damals ist auch an der Mission von 1898 zu sehen. Obwohl die Pfarrei normalerweise nur 850 Kommunikanten zählte, wurden während der Mission 2500 Kommunionen ausgeteilt. Aus Aufzeichnungen des ehemaligen Wallfahrtspfarrers Josef Vogt geht auch hervor, dass durch den 1869 gegründeten bayerisch-patriotischen Bauernverein – dem heutigen Männerverein – mit seinen Stiftungsgottesdiensten und Herbsttagungen Tausende zur Wallfahrt aufbrachen.

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Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde das Gebet um einen baldigen Frieden und glückliche Heimkehr der Krieger zum Hauptanliegen der Wallfahrten. In der Wallfahrtskirche wurden sogenannte Kriegsrosenkränze gebetet und neuntägige Andachten gehalten. Nach den Weltkriegen gingen die Wallfahrten weiter. Pfarrer und langjähriger Wallfahrtskustos Josef Vogt berichtete von Fußpilgern, wie die Moosener a.d. Vils, die 1946 wieder mit 170 Leuten nach Tuntenhausen marschierten, genauso wie die Obertaufkirchener, die gar mit 384 Leuten kamen. Und in alter Treue setzten nach dem Krieg auch die Tiroler Pfarreien ihre herkömmliche Wallfahrtstradition fort. Viele ältere Bürger wissen noch gut, dass oftmals Sonderzüge am Bahnhof von Ostermünchen hielten, Pilgerscharen ausstiegen und über den Bahnweg nach Tuntenhausen marschierten.

Wallfahrtswesen hat sich verändert

Dieses Wallfahrtswesen hat sich inzwischen verändert. Noch heute gibt es rund 90 feste Wallfahrergruppen aus Bayern, Tirol und dem Salzburger Land, die jedes Jahr nach Tuntenhausen wallfahren. Sie folgen damit einer alten Tradition oder einem Verlöbnis aus früherer Zeit. Daneben gibt es noch viele private Pilger und Besucher. Auch Jakobsweg-Pilger mehren sich, die aus Polen und der Tschechei kommen.

Werner Stache

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