Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Jeder dritte Verkehrstote ist älter als 65 Jahre

Ostermünchener Senioren radeln beim Fahrsicherheitstraining gegen den Trend

Auf den Punkt zu bremsen, will gelernt sein: Florian Sewald schaffte es auf Anhieb – sehr zur Freude von Polizeihauptmeisterin Nadine Dechant.
+
Auf den Punkt zu bremsen, will gelernt sein: Florian Sewald schaffte es auf Anhieb – sehr zur Freude von Polizeihauptmeisterin Nadine Dechant.
  • VonWerner Stache
    schließen

Jeder dritte Verkehrstote und jeder zweite tödlich verunglückte Radfahrer ist älter als 65 Jahre. Diesem traurigen Trend bieten die Ostermünchener Senioren die Stirn. Im Fahrsicherheitstraining mit Polizei und Verkehrswacht machten sie sich fit für die neuen Anforderungen des Straßenverkehrs.

Tuntenhausen – „Senioren sind durch ihre erhöhte Anfälligkeit für Verletzungen im Straßenverkehr eher Gefährdete als Gefährder“, sagt ADAC-Verkehrspsychologe Ulrich Chiellino. Jeder Dritte Verkehrstote ist über 65 Jahre alt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag ihr Anteil an den Verkehrstoten im Jahr 2020 bei 32,9 Prozent. Die Zahl der im Straßenverkehr verunglückten Senioren ist seit 1980 um 24,5 Prozent angestiegen.

Das Risiko der Senioren, mit dem Fahrrad zu verunglückten, hat sich sogar verdoppelt. Mehr als jeder zweite (55,3 Prozent) tödlich Verunglückte ist 65 Jahre oder älter. Bei den Pedelec-Nutzern sind sogar 67,6 Prozent der tödlich Verunglückten aus dieser Altersgruppe. Um diesem traurigen Trend entgegenzuwirken, bietet die Polizeiinspektion Bad Aibling kostenlose Fahrsicherheitstrainigs für Senioren an – so wie kürzlich in Ostermünchen.

Gefahren werden oft unterschätzt

„Radfahren ist gesund. Leider wird die Gefahr, in einen Unfall verwickelt zu werden, meist unterschätzt“, sensibilisierte Polizeihauptmeisterin Nadine Dechant die Teilnehmer. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Viviane Wagner erläuterte sie die besonderen Gefahren beim Radfahren. Auf dem Fahrradübungsplatz der Grundschule waren verschiedene Stationen aufgebaut, an denen alltägliche Verkehrssituation nachgestellt wurden. Schwerpunkte waren dabei die Neuerungen in der Straßenverkehrsordnung, der gefährliche tote Winkel, die eigene Verkehrstüchtigkeit und die besonderen Fahreigenschaften eines E-Bikes. Interessiert folgte auch Juliane Korn, die Seniorenbeauftragte der Gemeinde, den Erläuterungen.

Lesen Sie auch: Kirchenchöre, Musikkapellen und Volksmusiker - Wie der Maxlrainer Kultursommer heimische Talente fördert

Entscheidend für eine unfallfreie Teilnahme am Straßenverkehr ist nicht nur das Lebensalter, sondern neben dem Gesundheitszustand auch die Fahrerfahrung. Die Verkehrstüchtigkeit kann nicht nur durch altersbedingte Aufmerksamkeitsdefizite oder eingeschränkte Mobilität beeinträchtig werden, sondern genauso durch Medikamente. „Auch wenn der Arzt die Teilnahme am Straßenverkehr unter Medikamenteneinnahme erlaubt hat, ist der Patient verpflichtet, seine Fahrtüchtigkeit selbst zu beurteilen“, erläuterte der Ostermünchener Apotheker Gerhard Kiemer.

Er informierte über Arzneimittelgruppen, die Einfluss auf die Fahrsicherheit haben können: „Immer gehört jedoch eine gewisse Portion Eigenverantwortung mit dazu“, so der Apotheker. Dabei sei auch auf die Dosierung genau zu achten.

Der Fokus von Franz Polland, Vorsitzender der Verkehrswacht Rosenheim, lag auf der Reaktionszeit. Am Fahrsimulator konnten sich die Teilnehmer testen. Dabei waren nicht wenige überrascht, wie verzögert sie reagierten. Denn auch beim Radfahren sind nicht nur der Brems- und Anhalteweg zu berücksichtigen, sondern auch Reaktionsweg und Reaktionszeit für den Pedalwechsel. Josef Mitterberger gehörte zu den Teilnehmern, die den Simulator so spannend fanden, dass sie den Check wiederholten.

Das könnte Sie auch interessieren: Michaela Reinel ist seit 32 Jahren die gute Seele der Oper Schloss Maxlrain

„Der tote Winkel ist meist größer als gedacht“, erläuterte Dechant. An einem Transporter verdeutlichte sie die Fläche, die nicht einsehbar ist. Auch das überraschte die Teilnehmer. Blick- oder Augenkontakt zu suchen, sei daher sehr wichtig, so ein wertvoller Tipp für die Teilnehmer. Am Steuer des Transporters sitzend konnten die Radfahrer den toten Winkel dann noch besser nachempfinden. Polizeihauptmeisterin Wagner dazu: „Bei Lkw oder Bussen kommt es häufig vor, dass Fußgänger oder Radfahrer vom Fahrer nicht gesehen werden.“

Wie immer verinnerlicht man Theorie am besten in der Praxis. Mit dem eigenen E-Bike mussten die Radfahrer Gefahren erkennen und bewerten. Plötzliches Bremsen oder Absteigen wurden ebenso trainiert wie langsames Fahren. Wagner erschwerte die Übungen mit der Ablenkung durch Rechenaufgaben, um die Konzentration zu testen. „Das ist dann nicht mehr so einfach“, bemerkte Teilnehmer Josef Niedermaier.

Erläuterungen zu neuen Verkehrsregeln

Die beiden Polizistinnen ermahnten die Teilnehmer auch dazu, ihren Kopf zu schützen und einen passenden Helm zu tragen. Zu guter Letzt erhielten die Teilnehmer eine Lehrstunde in der Straßenverkehrsordnung. Neu sind beispielsweise der Seitenabstand beim Überholen von Radfahrern von 1,50 Metern innerorts und zwei Metern außerorts sowie das Verkehrsschild „Überholverbot von Zweirädern“. Nach zwei Stunden hatten die Teilnehmer wertvolle Erfahrungen gesammelt, die ihnen im Alltag helfen können. Wer sich für ein solches Fahrsicherheitstraining interessiert, kann sich über weitere Termine bei der Polizeiinspektion Bad Aibling unter Telefon 0 80 61/9 07 30 informieren.

Wie groß der tote Winkel ist, veranschaulicht Polizeihauptkommissarin Viviane Wagner.
Am Fahrsimulator testet Franz Polland (links) die Reaktionen von Josef Mitterberger.

Mehr zum Thema

Kommentare