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Geschichte in 21.000 Fotos

„Das ist ein Denkmal“: Neue Chronik fasziniert die Ostermünchener Trachtler

Das Werk ist vollendet: Dorothea Niedermeier und Brigitte Kiemer (Mitte, von links) mit der Vereinschronik, stolz umrahmt von Zweitem Vereinsvorsitzenden Harry Medl (links) und Almarausch-Chef Andreas Neichl.
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Das Werk ist vollendet: Dorothea Niedermeier und Brigitte Kiemer (Mitte, von links) mit der Vereinschronik, stolz umrahmt von Zweitem Vereinsvorsitzenden Harry Medl (links) und Almarausch-Chef Andreas Neichl.
  • VonWerner Stache
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100 Jahre Trachtenverein „Almarausch“ Ostermünchen sollten im Jahr 2020 mit einem großen Gaufest gefeiert werden. Doch die Corona-Pandemie machte alle Planungen zunichte. Bis auf eine. Und für die war es gut, dass es keine zeitlichen Grenzen gab.

Ostermünchen – „Unsere neue, 700-seitige Vereinschronik ist keine einfache Chronik, sie ein Denkmal.“ So brachte es Sepp Lausch, der langjährige Vorsitzende des Trachtenvereins „Almarausch“ Ostermünchen auf den Punkt. Und er war nicht der Einzige, der die neue Chronik würdigte: Alle Kommentare zu diesem Werk waren überschwänglich. Und das zu Recht, denn den Trachtlerinnen Dorothea Niedermeier und Brigitte Kiemer ist ein Meisterwerk gelungen.

„Und doch war es ein langer und beschwerlicher Weg zur neuen Chronik“, betont Vereinsvorsitzender Andi Neichl und überließ sogleich Dorothea Niedermeier das Wort, die Geschichte und Anekdoten der Chronik zu erzählen.

Drei Jahre intensive Recherche

„2018 fing alles an“, erzählte sie: „Ein kleiner Bildband zum Jubiläum sollte es werden.“ Das jedenfalls war der Auftrag der damaligen Trachtenvereinsvorsitzenden Brigitte Kiemer. Ein Arbeitskreis wurde gebildet, viele vorhandene Quellen angezapft, wie das umfangreiche private Archiv von Monika Strauß. Und dann wurde gesammelt und gesammelt. Niedermeier und Kiemer steckten mit ihrer Chronik das ganze Dorf an: Hans Thiel, der so viele Menschen kennt. Lorenz Asböck, der über 30 Jahre Schriftführer war. Und viele alte Mitglieder – sie alle lieferten Beiträge, Anekdoten und Bilder.

Doch das war Dorothea Niedermeier nicht genug. Sie zapfte das Trachtenkulturzentrum an, ging zu sämtlichen Stadtarchiven in der Umgebung, zum Heimatmuseum und zum Historischen Verein. Sie rief alte Vereinsmitglieder an, die schon längst weggezogen waren, und verfolgte Spuren bis nach Kufstein, Salzburg, München und Bayrischzell. „Selbst über 90-jährige Vereinsurgesteine wie Katharina Huber sprudelten geradezu bei der Befragung zur Vereinsgeschichte“, verrät Dorothea Niedermeier.

Es wurde immer mehr an Material, aber das musste auch sortiert und zugeordnet werden. Wer ist das auf diesem Bild? Wann ist dieses Foto entstanden? Kiemer und Niedermeier grübelten viele Stunden, um alle Unterlagen authentisch einzuordnen – eine Mammutaufgabe. Und manchmal war sogar der Besuch von Grabsteinen vonnöten, um Namen und Verbindungen zu identifizieren.

Auch Brigitte Kiemer schaffte alles ran, was verfügbar war, wie Niedermeier erzählt: „Bis um 2 Uhr morgens haben wir oft gesichtet und uns unterhalten.“ So kam immer mehr zusammen, wurde die Aufgabe immer interessanter: „Wir haben uns richtig reingesteigert“, meint Niedermeier rückblickend, denn irgendwann stellte sie fest: „100 Seiten Bildband reichen für einen Verein, der so viel gemacht hat, einfach nicht.“ Die Messlatte wurde höher angesetzt: erst bei 250 Seiten, dann bei 450 Seiten.

Wichtige Überlieferungen und einmalige Dokumente

Doch auch das wurde deutlich übersprungen, denn am Ende hatten die beiden Trachtlerinnen mehr als 21 000 Fotos gesammelt und Material für 700 Seiten. Entstanden ist eine Chronik, wie sie Ostermünchen noch nie gesehen hat. „So können wir diese Chronik auch in 100 Jahren noch stolz zeigen“, ist Niedermeier zufrieden. Darin finden sich wichtige Überlieferungen und einmalige Dokumente genauso wie lustige Erzählungen und erstaunliche Geschichten.

Das originale Schriftführerbuch aus dem Jahr 1920, alte Vereinszeichen, Bilder von der Eröffnung der ersten Plattlerbühne 1932 und vieles mehr, flossen mit ein. Ebenso Fotos von alten Fahnen, den ersten Pokalen, einem alten Spinnrad aus 1965 oder den ältesten Aufnahme-Urkunden. Nach dem schwungvollen Blick in die Chronikentstehung bekam Dorothea Niedermeier von den Ostermünchener Trachtlern nahezu frenetischen Beifall. „Ihr könnt stolz darauf sein, so eine Frau im Verein zu haben. Sie ist eine wahre Historikerin“, lobte Kreisheimatpfleger Michael Stratbücker das Werk. Brigitte Kiemer, inzwischen dritte Vorsitzende, ist vor allem dankbar und erfreut darüber, dass so viele Leute mitgearbeitet haben.

Jeder will ein Exemplar: Schon beim Auftaktverkauf der Chronik war der Andrang groß. Jetzt gibt es das 700-Seiten-Werk noch in der Marien-Apotheke.

Einmaliges Geschenk für die Trachtensache

„Unbeschreiblich und einmalig“ sei das Werk, meinte Vereinsvorsitzender Andreas Neichl freudestrahlend: „Das ist nicht zu toppen“ Auch Gauvorstand Georg Schinagl ist überwältigt: „Ich bin beeindruckt, was ihr hier auf die Beine gestellt habt. Um Euren Trachtenverein braucht man sich keine Gedanken zu machen, denn ihr verbindet Vergangenheit und Zukunft in besonderer Weise.“ Der langjährige Vorsitzende der Ostermünchener Trachtler Sepp Lausch brachte es auf den Punkt: „Mit fehlen die Worte. Das ist keine Chronik, das ist ein Denkmal.“ Als „Nachschlagewerk für die gesamte Gemeinde“ würdigte Bürgermeister Georg Weigl das umfassende Schriftstück.

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