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Mini-Schnecke in Ostermünchener Garten entdeckt

„Kommt die Schnecke etwa mit Haus zur Welt?“ – Ein Biologe beantwortet die Fragen der achtjährigen Viktoria

Die achtjährige Viktoria hat viele Fragen zur winzigen Schnecke, die sie in ihrem Garten in Ostermünchen fand.
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Die achtjährige Viktoria hat viele Fragen zur winzigen Schnecke, die sie in ihrem Garten in Ostermünchen fand.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Eine winzige Schnecke hat die achtjährige Viktoria Mayer aus Ostermünchen im heimischen Garten entdeckt. Sie ist kaum drei Millimeter groß, hat aber schon ein Häuschen. Nun fragt sie sich natürlich, ob eine Schnecke schon mit Haus geboren wird.

Ostermünchen /Bruckmühl – Ist das etwa ein Schneckenbaby? Der Mangfall-Bote hat den Fachmann zurate gezogen, der Viktorias Fragen beantwortet. Und so gibt Biologe Harry Klottig, der Leiter des Tierkundemuseums des Marktes Bruckmühl, im Interview Einblicke ins Leben einer Schnecke.

Werden Schnecken mit Häuschen geboren?

Harry Klottig:Ja, aber weh tut das der Schneckenmama bei der Geburt trotzdem nicht. Das Häuschen der Schneckenbabys ist noch sehr, sehr klein. Außerdem bekommen nur wenige unserer Land- und Süßwasserschnecken lebende Junge. Fast alle Arten legen Eier, aus denen die Jungen schlüpfen. Und ihr Häuschen hat eine Schnecke tatsächlich von Anfang an am Körper, denn sie ist mit ihm verwachsen.

Harry Klottig ist Leiter des Tierkundemuseums.

Wie viele Häuschen braucht eine Schnecke denn in ihrem Leben?

Harry Klottig:Nur eines. Das kleine Häuschen tragen die Schnecken ihr ganzes Leben mit sich herum. Wird die Schnecke größer, wächst das Häuschen mit. Die Bausubstanz wird vom Weichkörper abgeschieden und an den Gehäuserand angelagert. Es ist unglaublich, aber ein Häuschen, das einst nur Millimeter groß war, kann bis zu 90 Zentimeter lang werden – wie beispielsweise bei der Großen Rüsselschnecke, die im Indischen Ozean lebt.

Wie groß wird die Schnecke, die Viktoria gefunden hat?

Harry Klottig: Das ist schwer zu sagen. Vom Gehäuse her vermute ich, dass es sich um eine Teller- oder Glanzschnecke handeln könnte, die etwa zwei Zentimeter groß werden. Die kleinste Landschnecke in unseren Breiten ist die Punktschnecke. Ihr Haus ist mit gut einem Millimeter Durchmesser schon ausgewachsen. Die größte bei uns vorkommende Gehäuseschnecke ist die Weinbergschnecke. Ihr Haus wird mehr als fünf Zentimeter groß.

Nur wenige Millimeter groß ist eine Schnecke, wenn sie frisch aus dem Ei geschlüpft ist.

Oft findet man ja leere Schneckenhäuser. Was bedeutet das dann?

Harry Klottig: Sollte man ein leeres Schneckenhaus finden, dann ist die Schnecke definitiv tot. Vielleicht war sie alt oder wurde von einem Feind gefressen. Findet man ein Schneckenhaus, das mit einem Kalkdeckel verschlossen ist, dann ist die Schnecke noch am Leben.

Warum ziehen sich Schnecken in ihr Häuschen zurück?

Harry Klottig: Sie schützen sich vor Hitze und Feinden. Während zu großer Trockenheit suchen sie ein geeignetes feuchtes Versteck auf und verschließen die Öffnung der Schale mit ihrem Mantelwulst und Schleim. Bei längerer Trockenheit wird das Gehäuse sogar mit einem Kalkdeckel verschlossen. Das machen die Schnecken mit ihrem Schleim. Im Winter verschließen sie ihr Häuschen ebenfalls, kriechen vorher aber unter Blätter oder ins dichte Gebüsch, denn trotz Häuschen würden sie sonst erfrieren.

Wie alt werden Schnecken eigentlich?

Harry Klottig: Die Lebenserwartung der einzelnen Schneckenarten ist sehr unterschiedlich. Sie hängt vom Lebensraum, der Lebensweise, der Größe der Schnecke und von ihren natürlichen Fressfeinden wie Igel, Maus, Marder oder Vogel ab. Man geht von neun Monaten bis zu zehn Jahren aus. Dabei haben es Gehäuseschnecken im Vergleich zu Nacktschnecken natürlich einfacher, weil sie in ihrem Haus schwierige Lebensbedingungen gut überstehen können.

Die winzigen Zwergschnecken, die zum Beispiel im feuchten Laub der Buchenwälder vorkommen, werden kaum älter als ein Jahr. Die Spanische Wegschnecke, die in unseren Gärten allgegenwärtig ist, wird etwa zwei Jahre alt. Die wohl älteste Schnecke ist laut Aussagen des NABU eine Weinbergschnecke, die in einem Terrarium lebte. Sie wurde 30 Jahre alt. In der freien Natur erreichen Weinbergschnecke ein Alter von bis zu zehn Jahren.

Wie viele verschiedene Schnecken gibt es denn?

Harry Klottig: Es gibt über 43 000 verschiedene Schneckenarten. Unsere landlebenden Schnecken wie beispielsweise die Weinberg- oder Nacktschnecke kommen ursprünglich aus dem Meer. Sie haben besondere Eigenschaften entwickelt, um an Land leben zu können. So verhindern ein kleines verschließbares Atemloch, das Gehäuse und der Schleim das Austrocknen. Der Schleim zieht sogar Wasser aus der Umgebung an.

Wie schnell kriecht eine Schnecke eigentlich?

Harry Klottig: Eine Schnecke legt in einer Sekunde einen Weg von einem Millimeter zurück. Aber: Schnecken kriechen nicht. Sie hüpfen, denn bei Trockenheit oder Hitze berührt immer nur ein Teil ihres Fußes den Boden, um sich vor Verdunstung zu schützen. Wegschnecken – auch Nacktschnecken genannt – sind bedeutend beweglicher und damit schneller und ausdauernder als Gehäuseschnecken, die Energie für Aufbau und Transport ihres Gehäuses aufwenden müssen.

Die gefräßigen Nacktschnecken sind in den Gärten gerade wieder sehr aktiv. Ist der Mensch ihr größter Feind?

Harry Klottig: Vermutlich schon. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass nicht jede Schnecke ein „Schädling“ ist. Nacktschnecken ernähren sich vorwiegend von frischem Pflanzenmaterial und sind deshalb als „Schädlinge“ relevanter als zum Beispiel die Weinbergschnecke, die sich eher von welkem Pflanzenmaterial ernährt. In den Gärten werden die Nacktschnecken oft mit Schneckenkorn bekämpft. Das ist nicht ganz ungefährlich, denn das Gift kann auch Tieren töten, die Schnecken fressen – also Igel, Spitzmäuse oder Vögel. Andererseits könnten dadurch auch heimische Schnecken vergiftet werden, die im Garten gar keinen Schaden anrichten oder sogar „Nützlinge“ sind wie der Tigerschnegel. Er kann bis zu 13 Zentimeter lang werden, ist nachtaktiv und ernährt sich von welken Pflanzen, aber vor allem von Schneckeneiern und anderen Nacktschnecken. Das freut den Gärtner.

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