Online – eine virtuelle Schau: Kunstverein Bad Aibling stellt erstmals Werke ins Netz

„Der Großwildjäger“ von Wilhelm Zimmer in Bronze ist auf der Homepage des Kunstvereins ausgestellt. Die Beute ist Toilettenpapier.
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„Der Großwildjäger“ von Wilhelm Zimmer in Bronze ist auf der Homepage des Kunstvereins ausgestellt. Die Beute ist Toilettenpapier.
  • Ines Weinzierl
    vonInes Weinzierl
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Vernissagen im Kunstverein Bad Aibling finden generell am Sonntagabend um 19 Uhr statt. So auch dieses Mal – jedoch war alles anders. Als Plattform für die Mitgliederausstellung diente nicht das Feuerwehrgerätehaus, sondern das Internet.

Bad Aibling –Die Vorsitzende Martina Thalmayr begrüßte nicht persönlich zum „jährlichen Highlight des Kunstvereins Bad Aibling“, sondern ebenfalls via Internet, pünktlich um 19 Uhr. „Sorgfältig haben wir überlegt, wie wir unseren Künstlern in diesen schwierigen Zeiten dennoch eine Plattform bieten können“, sagte sie. „Wir haben die Arbeiten der Teilnehmer auf der Homepage des Kunstvereins ausgestellt.“

Zur Zeit machen 26 Maler und Bildhauer des Vereins von der Möglichkeit Gebrauch, ihre Arbeiten digital zu zeigen, nicht nur auf der Homepage des Vereins, sondern auch bei Facebook sowie Twitter und Instagram.

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Jeden Abend um 20 Uhr wird das Werk eines weiteren Künstlers freigeschaltet – mit einer Abbildung und einem erläuternden Text. Weitere Kunstschaffende des Vereins können sich nachträglich anmelden.

In der Präsentation zeigen die Künstler, ob und wie sie von der Corona-Situation beeinflusst werden. Einige Kunstschaffende thematisieren die Bedrohung direkt, so wie Hilde Manzke mit zwei gegenüber gesetzten aggressiven Gesichtern, die Tröpfchen versprühen, oder wie Wilhelm Zimmer mit seiner Skulptur „Großwildjäger“, in der eine männliche Figur mit großmännischer Geste einen Fuß auf seine Beute setzt. Nur handelt es sich bei der Beute nicht um erlegtes Wild, sondern um riesige Pakete mit Toilettenpapier, dessen Beschaffenheit der Betrachter am unteren Rand der Großpackung entziffern kann. Bei weitem nicht alle Mitglieder stellten Corona im Kunstwerk dar, aber sie verarbeiteten ihre Gedanken zur Krise in begleitenden Worten.

Großwildjäger ergattert Klopapier

Die Umsetzung in eine rein digitale Schau ist gelungen. Die kontemplativen Texte der Künstler runden das Ausstellungsprojekt ab. Die Feier zum 70-jährigen Jubiläum des Kunstvereins und der dazu geplante Skulpturenpark werden laut Thalmayr ins Frühjahr 2021 verschoben. Der Vorstand hofft, dass es noch heuer zur nächsten Ausstellung am 27. September einen Neuanfang geben werde. Ihre Einführung schloss Thalmayr: „Ich hoffe sehr, dass ich Sie dann wieder mit Händedruck oder mit einer freundschaftlichen Umarmung begrüßen kann.“

+++ Virtuelle Schau unter www.Kunstverein-Bad-Aibling.de +++

Martina Thalmayr ist die Vorsitzende des Bad Aiblinger Kunstvereins. Im Interview verrät sie wie ihre erste Online-Vernissage war und welche Ideen sie noch hat.

Wie war die erste Vernissage online für Sie?

Martina Thalmayr: Die Vernissage ohne Publikum zu halten ist natürlich eine neue Erfahrung. Ich lege bei den Vernissagen immer viel Wert darauf, mit den Besuchern in Kontakt zu kommen. Auch in der Begrüßungsreden kann ich natürlich auf Reaktionen aus dem Publikum schnell und unkompliziert reagieren. Das fehlt in diesem online Format natürlich komplett. Dennoch denke ich, das mit der kurzen Einführungsrede Sinn und Zweck der Veranstaltung ganz gut rüber gekommen ist. Und wir für unsere Galerie Besucher auch online nahbar bleiben.

Eine virtuelle Schau in Coronazeiten. Wie sind Sie darauf gekommen?

Thalmayr: Kunst und Kultur war in der ganzen Corona-Zeit sehr unsichtbar. Die Unsicherheit bei Kulturschaffenden ist nach wie vor immens. Aber gerade Kunst und Kultur und in unserem Fall die bildende und darstellende Kunst ist ein so wichtiger Bereich unseres kulturellen Lebens und es liegt mir am Herzen, die Kunst sichtbar zu machen und an die Menschen heran zu tragen – auch gerade jetzt in Corona Zeiten. Einige Künstler in unserem Verein sind zwar in einem gewissen Rahmen medienaffin, aber eigentlich die wenigeren. Sinn und Zweck unseres Vereins ist die Förderung und die Unterstützung der regionalen Kunst und Künstler und dafür wollten wir einen Weg finden, der jetzt funktionieren kann. Und so haben meine Kollegin Anja Grigull und ich das Konzept Aib Art 2020 entwickelt.

Wir finden die teilnehmenden Mitglieder die Idee?

Thalmayr: Die Künstler reagieren sehr positiv. Am Anfang waren die Rückmeldungen noch sehr scheu, haben aber mit der Zeit zugenommen. Auch jetzt nach dem aibart 2020 gestartet ist, kommen immer mehr Künstler auf uns zu und möchten noch teilnehmen. Was wir sehr gerne umsetzen.

Wie ist die Resonanz?

Thalmayr: Unter dem Hashtag #aibart2020 stellen wir täglich einen der teilnehmenden Künstlern auf Facebook Instagram und Twitter vor. Die Reichweite der einzelnen Posts nimmt täglich zu. Wir denken, das liegt an der allmählichen Durchdringung des Hashtags. Aus diesem Grund werden wir auch die ersten Künstler am Ende erneut in den digitalen Raum schicken.

Wie viele Werke werden insgesamt gezeigt? Das Netz hat ja quasi grenzenlos Platz.

Thalmayr: Im Moment nehmen 26 Künstler des Vereins an AIBART 2020 teil. Es kommen laufend neue hinzu. Wir haben unsere Künstler gebeten, ein Werk mit entsprechenden Begleittext zur Verfügung zu stellen. Manche Künstler stellen auch mehrere Fotos aus. Wir haben hier keine Grenze gesetzt.

Wie wurde es technisch umgesetzt?

Thalmayr: Auf unserer Webseite dominiert im Moment ausschließlich AIBART 2020. über verlinkte kleine Bildvorschauen gelangt man zum Künstler, seinem Werk und dem zugehörigen Text. Diese Künstler Darstellungen werden über den Hashtag #aibart2020 in den sozialen Medien verbreitet.

Kann man Kunst virtuell erlebbar machen?

Thalmayr: Ich hätte noch viele Ideen, wie man Kunst auch im digitalen Raum erlebbar machen kann: Zum Beispiel mit begleitenden Videosequenzen, die den Entstehungsprozess zeigen, Interviews, Hintergrundinfos über Techniken oder witzige Sequenzen, die durch Nachahmungsversuche den Unterschied zwischen Kunst und dem Versuch aufzeigen. Allerdings habe ich begrenzte zeitliche wie auch finanziellen Ressourcen in einem ehrenamtlichen Verein – also setzen wir das um, was wir stemmen können. AIBART 2020 ist ein Experiment das uns viel Spaß macht und hoffentlich gut ankommt.

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