Umbauarbeiten beginnen

Oberbayerns Gedächtnis: In Bruckmühl entsteht Zentrum für Volksmusik, Literatur und Popmusik

Das Zentrum für Volksmusik, Literatur und Popmusik aus der Vogelperspektive. In diesen Gebäuden wird künftig das Gedächtnis Oberbayerns aufbewahrt. Bisher stand der Regierung Oberbayerns nur ein Gebäude (links unten) als Volksmusikarchiv zur Verfügung.Gerlach
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Das Zentrum für Volksmusik, Literatur und Popmusik aus der Vogelperspektive. In diesen Gebäuden wird künftig das Gedächtnis Oberbayerns aufbewahrt. Bisher stand der Regierung Oberbayerns nur ein Gebäude (links unten) als Volksmusikarchiv zur Verfügung.Gerlach
  • Kathrin Gerlach
    vonKathrin Gerlach
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Bruckmühl wird das musikalische und literarische Gedächtnis Oberbayerns. Der Gebäudekomplex aus ehemaligem Krankenhaus, Altenheim und Volksmusikarchiv wird in ein modernes, weltoffenes Zentrum für Volksmusik, Literatur und Popmusik umgewandelt. Den Startschuss gab jetzt Bezirkstagspräsident Josef Mederer.

Bruckmühl – „Wir haben 2017 die einmalige Chance erhalten, den gesamten Gebäudekomplex aus ehemaligem Krankenhaus, Neu- und Altbau des Seniorenheims sowie die dazugehörigen Flächen zu erwerben. Wir können die Grundfläche der Einrichtung verdoppeln. Dadurch ist es uns möglich geworden, ganz neue Ideen zu entwickeln“; erklärt Bezirkstagspräsident Josef Mederer.

Mit dem Wechsel der Senioren ins neue Altenheim in der Bruckmühler Blumenstraße ist nun der Moment gekommen, ab dem das Volksmusikarchiv zu einem Zentrum für Volksmusik, Literatur und Popmusik entwickelt werden kann. In den nächsten zwei Jahren werden dafür die baulichen Voraussetzungen geschaffen. Entstehen sollen neben Archiven auch Räume für öffentliche Veranstaltungen, Proben und Ausstellungen sowie eine Bibliothek.

Sammlung, Forschung und Veranstaltungen

Das oberbayerische Zentrum wird sich weiter öffnen. Hier sollen künftig neben der Sammlung, Archivierung und Aufarbeitung historischer Dokumente auch Forschungen und Veranstaltungen möglich sein. „Wir wollen immaterielles Kulturgut retten und lebendig machen“, betont Dr. Elisabeth Tworek, die Leiterin der Kulturabteilung im Bezirk Oberbayern.

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In den vergangenen 47 Jahren lag der Fokus vor allem in der Volksmusikpflege. 1985 wurde das Volksmusikarchiv des Bezirkes Oberbayern als Zusammenschluss mehrerer privater Sammlungen gegründet und vor 20 Jahren das zentrale Archivgebäude in Bruckmühl eingeweiht. Nun wird es erweitert: Künftig soll auch der Beauftragte für Popularmusik unter dem Dach des neu entstehenden Zentrums arbeiten.

Aufbau einer literarischen Sammlung

Bruckmühl wird sich zum literarischen Gedächtnis Oberbayerns entwickeln. „Wir sind ganz am Anfang und beginnen jetzt mit dem Aufbau einer literarischen Sammlung“, informiert Dr. Tworek. Dafür müsse in den nächsten Wochen ein Sammlungskonzept erstellt werden.

„Außerdem wollen wir weg von der Haribo-Kiste hin zur digitalen Speicherung der Medien. Jetzt können wir unsere Kompetenzen bündeln und den Menschen zeitgemäße Angebote machen“, kündigt Mederer an. 160 000 Lieder, 300 000 Melodien, 22 000 Schellackplatten, 20 000 Schallplatten und 25 000 Bücher sollen nicht nur für die Nachwelt erhalten, sondern auch zugänglich gemacht werden.

Digitalisierung dauert zehn Jahre

1989 wurde mit dem Aufbau einer Datenbank begonnen. „Wir arbeiten gegen die Zeit, all diese Dinge zu retten“, macht Verena Wittmann, die Leiterin des Archivs für Volksmusik und regionale Literatur, klar. Die Digitalisierung der Bestände, die künftig im Internet einsehbar sein sollen, sei eine der wichtigsten Aufgaben. „Damit werden wir in den nächsten zehn Jahren gut beschäftigt sein“, umreißt Wittmann die Dimension.

Neben der Archivierung sollen originale Stücke des Zentrums für Volksmusik, Literatur und Popmusik künftig auch in Ausstellungen präsentiert werden. Wertvolle Zeitzeugen sind beispielsweise Feldforschungen – also Originalaufnahmen, die die Entwicklung von Musik, Sprache, Bräuchen und Alltag über viele Jahrzehnte dokumentieren. Zudem besitzt das Zentrum historische Musikinstrumente oder seltene Nachlässe – beispielsweise von Annette Thoma, Kiem Pauli oder Wastl Fanderl.

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Im neuen Zentrum werden viele Aufgaben zusammengeführt: Volks- und Popularmusik, regionale Sprache und Literatur, Archivierung, Digitalisierung, Ausbildung und Ausstellung. „Wir wollen raus aus dem Elfenturm der Wissenschaft hin zu den Menschen“, betont der neue Volksmusikpfleger Bernhard Achhorn.

Großes Interesse an Gesamtleitung

Mit der Umstrukturierung des neuen Zentrums gehen auch personelle Veränderungen einher. So wurde eine neue Stelle geschaffen: die Gesamtleitung des Zentrums. Noch bis 4. Dezember ist sie ausgeschrieben. „Wir haben schon sehr viele Bewerbungen erhalten“, informiert Dr. Tworek. Sie rechnet damit, dass im April oder Mai der neue Leiter vorgestellt wird.

Derzeit arbeiten am Zentrum zehn Mitarbeiter. Der neue Volksmusikpfleger Bernhard Achhorn nimmt am 1. Januar seine Arbeit auf. Zwei weitere Stellen sind vakant: die Assistenz der Gesamtleitung und eine Stelle im Archiv. „Das neue Zentrum eröffnet ganz neue Chancen. Wir sind am Beginn eines gewaltigen Entwicklungsschubes“, blickt Bezirkstagspräsident Mederer voraus.

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