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Fünf Personen und nur 40 Liter Restmüll pro Jahr

Null Abfall: Die Bruckmühlerin Stefanie Kießling hat das Unmögliche fast geschafft

Stefanie Kießling vor ihren Vertikalbeeten mit diversen Salaten. Das Foto ist Mitte September entstanden.
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Stefanie Kießling vor ihren Vertikalbeeten mit diversen Salaten. Das Foto ist Mitte September entstanden.
  • VonJohann Baumann
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Wie kann es eine fünfköpfige Familie schaffen, nur 40 Liter Restmüll pro Jahr zu produzieren? Die Bruckmühlerin Stefanie Kießling weiß, wie es geht und gibt ihr Wissen an der Volkshochschule weiter. Ihr Ziel ist es, null Abfall zu produzieren.

Bruckmühl – Mit einem Baby auf dem Arm und einem Kleinkind an der Hand ist der Besuch im Wertstoffhof ziemlich schwierig. Diese Erfahrung hat bei der Bruckmühlerin Stefanie Kießling in die Idee gemündet, die Abfallmenge in ihrem Haushalt generell drastisch zu reduzieren. Bestärkt und zusätzlich inspiriert wurde sie durch das Buch „Zero Waste home“ von Bea Johnson, und so startete sie 2014 mit ihrem Reduzier-Programm.

Jeder Schritt zum Ziel ist ein Erfolg

„100 Prozent bei Rest- und Recyclingmüll bleiben bis dato leider utopisch“, räumt die Journalistin freilich ein. Doch ihre häusliche Müll-Bilanz ist trotzdem mehr als beeindruckend: „Wir fahren einmal monatlich zum Wertstoffhof und für den Restmüll reicht – außer in Pandemie-Zeiten – die 40-Liter Restmülltonne pro Jahr“, berichtet die 41-jährige Mutter von drei Kindern vom Kindergarten- bis zum Teenager-Alter.

„Zero Waste“ - zu Deutsch „Null Abfall“ - prägt inzwischen den Lebensstil der Familie, doch Stefanie Kießling betont: „Zero Waste ist kein Zustand, den man innerhalb einer Woche erreichen kann und auch kein Wettbewerb, wer am wenigsten Müll produziert. Der Wunsch danach, keinen Abfall zu erzeugen, ist vielmehr ein Prozess, bei dem jeder kleine Schritt in die richtige Richtung zählt und ein Erfolg ist.“

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Zur effizienten Abfallvermeidung müssten Industrie, Politik und Verbraucher Hand in Hand arbeiten, aber dies geschehe bisher nicht. „Und auf die, die etwas verändern wollen, hört man nicht“, stellt sie fest. Mit sechs einfachen Regeln sei es möglich, den Müll zu reduzieren. Sie beginnen mit „refuse“, also dem Verweigern. Das heiße „Danke, nein“ zu sagen oder etwas nicht anzunehmen.

Bei „reduce“, dem Verringern, komme es darauf an, was man tatsächlich brauche. (Und das versteht jeder bei einem Blick in den Kleiderschrank.) „Reuse“ bedeutet Wiederverwenden und rege die Weitergabe von Dingen beispielsweise an Second-Hand-Läden an.

„Repair“ mahnt an, defekte Sachen wieder zu reparieren. Im Rahmen von „recycle“ könne man Dingen eine andere Nutzung geben wie zum Beispiel einem T-Shirt, das man zur Einkaufstasche umnäht. Schließlich trage auch „Rot“ – also das Kompostieren von pflanzlichen Abfällen – zur Müllvermeidung bei und spiele für sie als begeisterte Hobby-Gärtnerin eine wichtige Rolle. Als praktische Alltagsbeispiele nennt Stefanie Kießling den Einkauf von Lebensmitteln als offene Ware oder in Großpackungen im Gemeinschaftseinkauf. Bücher, Hörbücher und DVD‘s könne man sich in der Bücherei ebenso ausleihen wie einen Hochdruckreiniger in einem Baumarkt.

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Auch Tauschen oder Verschenken trage zur Müllreduzierung bei. Zudem solle man sich grundsätzlich die Frage stellen: „Muss ich das besitzen, brauche ich das wirklich?“ Unter Druck setzen sollte man sich dabei jedoch nicht. Das sei nicht hilfreich und zielführend, stattdessen wäre es besser, so Kießling, neue Gewohnheiten im eigenen Tempo einzuführen.

„Zero Waste“ spielt natürlich auch bei Geschenken für die Kinder eine Rolle. Beim Kinderspielzeug seien die Lego-Steine dabei ein Klassiker.

Tauschen oder Second Hand

Man könne sie sehr gut „second hand“ über Kleinanzeigen erwerben und eventuell fehlende Teile nachkaufen. Bei Wünschen der Kinder gelte es in erster Linie, mit ihnen eine gemeinsame Lösung zu finden, damit alle Freude daran haben. „Es kommt in Einzelfällen aber auch vor, dass wir Eltern auch mal Nein sagen“, schildert Stefanie Kießling. Schließlich könne man sich auch nicht alle Wünsche der Kinder finanziell leisten.

Überdies seien in ihrer persönlichen Erinnerung immaterielle Geschenke wie ein Familienbesuch im Erlebnisbad viel stärker haften geblieben als Geschenkartikel. „Zero Waste muss letztlich machbar sein, denn ich habe drei Kinder“, konstatiert sie abschließend.

Veranstaltungsreihe wird ins neue Jahr verschoben

Kreativ und modern – in der Recycling-Tasche fand „ausgediente“ Kleidung eine neue Verwendung.

„Zero Waste“ (auf Deutsch „Null Abfall“) – mit dieser dreiteiligen Veranstaltungsreihe möchte die Volkshochschule Bruckmühl mit praktischen Vorschlägen zur Abfallvermeidung animieren. Kursleiterin ist Stefanie Kießling, die in einem Workshop im Juli bereits die Grundzüge der Aktion vorgestellt hat.

Nun sollten drei Veranstaltungen zu den Themen „Müllfrei durch die Feiertage“, „Zero Waste und Plastik-frei in der Küche“ sowie „Zero Waste und Plastik-frei im Garten“ stattfinden. Allerdings muss aufgrund des Lockdowns das gesamte Veranstaltungsprogramm der Vhs Bruckmühl ab Donnerstag, 25. November, ruhen.

Deshalb wird die „Zero Waste“-Reihe verschoben. Nähere Informationen zu den neuen Terminen im kommenden Jahr und Anmeldung unter www.vhs-bruckmuehl.de oder Telefon 0 80 62/7 05 70.

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