NS-Minister soll im Zug gesessen haben

Der Westerhamer Bahnhof nach der Bombardierung. /Repro merk
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Der Westerhamer Bahnhof nach der Bombardierung. /Repro merk

Feldkirchen-Westerham – Vor beinahe 75 Jahren, am 8.

Mai 1945, ist der Zweite Weltkrieg zu Ende gegangen. Deutschland lag nach den Jahren der Terrorherrschaft völlig zerstört, zerbombt und mit unzähligen Kriegsopfern am Boden. Das Dritte Reich musste bedingungslos kapitulieren.

Verfasser ausFeldolling

Anton Marschall, ein Feldollinger Bauerssohn, hat die Namen aller Männer, die diese Kriegsfronten an vorderster Stelle miterlebten, verwundet wurden oder ihr junges Leben sinnlos oft im gnadenlosen Kugelhagel opfern mussten, mühsam zusammengetragen. Und Marschall hat es in einem 1978 gedruckten Buch „Gemeinde Feldkirchen-Westerham im Krieg 1939  - 1945“ auf 366 Seiten als bleibendes Nachschlagewerk niedergeschrieben. In einem mehrseitigen Bericht wird auch an die Zerstörung des Bahnhofs in Westerham in den letzten Kriegstagen erinnert.

21. April: Zerstörung am Vormittag

Wenige Tage vor dem Ende dieses gnadenlosen, schmerzlichen und von vielen Menschen herbeigesehnten Kriegsendes ist der Bahnhof in Westerham am frühen Vormittag des 21. April von Bombern angegriffen, aber nicht voll getroffen worden. Dafür aber wurden Sekunden vorher, keine 200 Meter vom Bahnhof entfernt, am Übergang ein Bauer aus Seeham und sein Sohn, die mit einem Pferdefuhrwerk zur Molkerei fahren wollten, von einer Bombe tödlich verletzt.

Anton Holzapfel, ein erfahrener Rotkreuzler und auch die beiden Schreiner Josef Marx und Andreas Völkl konnten den beiden Bombenopfern nicht mehr helfen. Wohl aber der Kinderärztin Dr. Schallweg und ihrer dreijährigen Tochter, die gegenüber des Bahnübergangs im sogenannten Lurzhaus wohnten und von Bombensplittern verletzt worden waren – die Medizinerin überlebte diesen Angriff leider nicht, aber ihre Tochter.

Schon eine Stunde später wurde der Westerhamer Bahnhof wieder angegriffen und dieses Mal von einem vernichtenden Bombenhagel getroffen. Heinrich Fürst, den Westerhamern als zuverlässiger Schrankenwärter bekannt, wurde von einem Bombensplitter tödlich getroffen. Holzapfel, Marx und Völkl versuchten, auch hier zu helfen, soweit es ging. In der Nähe des völlig zerstörten Bahnhofs kam ihnen ein zwölfjähriger Bub entgegen, der ebenfalls von einem Bombensplitter getroffen worden war. Schreiend vor Schmerz und Angst flüchtete er in die Arme der drei Sanitäter, die sein junges Leben nicht mehr retten konnten. Ein Jesuiten-Pater, der sich den drei Männern angeschlossen hatte, spendete dem Kind die Sterbesakramente. Dann schloss der Bub für immer die Augen, in denen die jugendliche Unbekümmertheit längst der Todesangst gewichen war. Wa rum der Bahnhof in Westerham von den bombenbeladenen Flugzeugen angegriffen wurde, wird im Buch so beschrieben: „In einem der beiden abgestellten Züge waren ungarische Flüchtlinge nach Westerham gebracht worden. Im anderen Zug soll sich der damalige Verkehrsminister Julius Dorpmüller aufgehalten haben.“

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