Schule im Lockdown

Notbetreuung steht: Grundschulen in Bruckmühl und Tuntenhausen sind für Unterrichtsstart gerüstet

Die Ostermünchener sind vorbereitet: Systemadministrator Tobias Bayr richtet 40 Laptops für die Ostermünchener Grundschüler ein. Die Notbetreuung kann starten.
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Die Ostermünchener sind vorbereitet: Systemadministrator Tobias Bayr richtet 40 Laptops für die Ostermünchener Grundschüler ein. Die Notbetreuung kann starten.
  • Kathrin Gerlach
    vonKathrin Gerlach
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Eltern, Schüler und Lehrer stehen ab Montag, 11. Januar, vor neuen Herausforderungen. Der Distanzunterricht geht weiter. Für Schüler der ersten bis sechsten Klassen soll es eine Notbetreuung geben. Wie sieht diese an den vier Grundschulen in Bruckmühl und Tuntenhausen aus?

Bruckmühl/Tuntenhausen – Das Team der Ostermünchener Fritz-Schäffer-Schule ist vorbereitet. Schon seit Donnerstag feilen Rektorin Margaret Careddu-Bayr und Konrektorin Birgit Decker daran, dass der Distanzunterricht ab Montag funktioniert. „Wir haben mit BigBlueButton gute Erfahrungen gesammelt, bereiten die Videokonferenzen jetzt so vor, dass jeweils bis zu acht Schüler daran teilnehmen. So lässt sich virtuell am effektivsten unterrichten, kommt jeder Schüler zu Wort“, erklärt Carredu-Bayr.

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Die Notbetreuung steht. Systemadministrator Tobias Bayr hat die 40 schuleigenen Tablets dieser Tage installiert. Sie sind startklar. So können auch die Kinder in der Notbetreuung am Online-Unterricht teilnehmen und werden zusätzlich betreut. „Wir sind in der glücklichen Lage, mit unseren Lehrkräften und dem Team der offenen Ganztagsschule von 7.30 bis 16 Uhr eine Notbetreuung sichern zu können“, betont Konrektorin Decker. Einzige Hürde: Die Schulbusse fahren nicht. Die Eltern müssen ihre Kinder selbst bringen und abholen. Und auch das Mittagessen wurde abbestellt.

Auch Schönau bekommt endlich iPads

Die Familien scheinen auch für die nunmehr dritte Etappe des Homeschoolings wieder Lösungen gefunden zu haben. Bis Freitagmittag konnten sie in der Grundschule Schönau ihren Bedarf anmelden. Nur wenige Kinder werden ab Montag die Notbetreuung nutzen. Diese findet hier zu den Zeiten des regulären Unterrichts statt. Danach übernehmen die Mittagsbetreuung und der Hort gemeinsam und voraussichtlich bis 15 Uhr die Betreuung. Beide Angebote finden im Schönauer Schulhaus statt, weil keine Busse fahren. Mit ihren Sorgen oder einem eventuell erhöhten Betreuungsbedarf können sich die Eltern jederzeit an die zuständigen Träger – die Gemeinde und den BRK-Kreisverband Rosenheim – wenden. „Wir finden eine Lösung“, versichert Amelie Guggenberger vom BRK.

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Die Schönauer Schüler erhalten Arbeitsmaterialen und digitale Pläne. Für soziale Kontakte sorgen Videokonferenzen. Im Laufe der kommenden Woche soll die Grundschule auch endlich 20 iPads erhalten, die dann verliehen oder in der Notbetreuung eingesetzt werden können. „Wir hoffen, dass ab Februar wieder Präsenzunterricht möglich ist“, blickt Rektorin Karin Richter voraus.

Das Distanzlernen bei den „Holnstainern“

Noch bis Sonntagmittag können die Grundschüler der Holnstainer Grundschule für die Notbetreuung angemeldet werden. Danach zurrt Rektorin Birgit Splett mit ihrem Team die Betreuung fest, die vorerst nur für den Standort Bruckmühl vorgesehen ist. Sollte der Bedarf auch in Götting hoch sein, muss neu geplant werden. Die Notbetreuung geht hier von 7.45 Uhr bis zum Unterrichtsende oder so lange, wie die Eltern die Mittagsbetreuung gebucht haben – höchstens aber bis 17 Uhr. „Wichtig ist uns, dass wir auf Grundlage der Hygienerichtlinien auch für diese Kinder eine Wohlfühlatmosphäre schaffen, dass sie – wenn auch über eine Distanz von zwei Metern – miteinander kommunizieren können, und wir ihnen mit individueller Betreuung Lernfortschritte ermöglichen“, betont Splett.

Bei den „Holnstainern“ gehören mehrere Bausteine zum Vermitteln und Üben des neuen Lernstoffs auf Distanz: Videokonferenzen und Telefonate für den sozialen Kontakt, digitale Angebote aus dem Modul „Lernen“ des Schulmanagers und traditionelle Lernpakete mit Arbeitsmaterialien.

Heufeld bringt neue Strukturen in den digitalen Schulalltag

Die Justus-von-Liebig-Schule in Heufeld startet mit einem neuen Zeitmanagement in den Distanzunterricht. „Wir arbeiten mit unserem Schulmanager, planen die Videokonferenzen – also eine Form des virtuellen Frontalunterrichts – der einzelnen Klassen jetzt zeitversetzt, damit das System nicht überlastet wird“, erläutert Rektorin Arabella Quiram. Alle Klassen nehmen daran teil, auch die jüngsten Schüler. Zwar lasse sich der Schulmanager einfach bedienen, doch ein wenig Starthilfe der Eltern bräuchten die jüngeren Kinder dabei schon.

Neue Regeln sollen den Schulalltag von besser strukturieren: „Am Vormittag wird von 8 bis 9 Uhr beziehungsweise von 10 bis 11 Uhr per Video unterrichtet. Ab 12 Uhr ist für alle eine Pause geplant. Am Nachmittag geht es – wiederum zeitversetzt – mit der virtuellen Wiederholung weiter. Dann finden Videokonferenzen mit all jenen Schülern statt, die zum Stoff des Vormittags noch Erklärungsbedarf haben“, so Quiram. Die Notbetreuung in Heufeld wird für die Zeit des regulären Unterrichts angeboten. Kinder der Mittagsbetreuung werden bis 16 Uhr (Mittelschule) beziehungsweise 17 Uhr (Grundschule) betreut.

Ab jetzt elf Wochen Unterricht am Stück

Vor den Schülern liegen nun elf Wochen Unterricht. Die Faschingsferien vom 15. bis 19. Februar wurden gestrichen. Erst am 29. März beginnen die zweiwöchigen Osterferien. Das ist eine lange Strecke. „Doch damit hätten wir ab Mitte Februar noch die Chance auf sechs Wochen Unterricht am Stück. Die Zeit werden wir brauchen, um unsere Schüler wieder ins Boot zu kriegen“, hofft Arabella Quiram darauf, spätestens ab dem 15. Februar in den Präsenzunterricht wechseln zu dürfen.

Für Betreuung ihrer Kinder sind in erster Linie die Eltern verantwortlich

Eltern, Schüler und Lehrer stehen ab Montag wieder vor neuen Herausforderungen. Der Distanzunterricht geht weiter. Für Schüler der ersten bis sechsten Klassen sowie Kinder mit Behinderungen soll es eine Notbetreuung geben. Ihre Ausgestaltung ist Aufgabe der Schulen vor Ort. Doch wer darf die Notbetreuung wirklich in Anspruch nehmen?

Während Ministerpräsident Markus Söder in der Pressekonferenz am 6. Januar noch betonte, dass sie diesmal für „alle, die sie brauchen“, gedacht sei, definierte das Kultusministerium tags darauf doch wieder Einschränkungen. Demnach gibt es eine Notbetreuung „für alle Kinder, für die sonst keine Betreuungsmöglichkeit besteht“, heißt es in dem Schreiben, das das Kultusministerium am Donnerstag über die Schulleitungen an die Eltern sandte.

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„Es ist wirklich eine sehr schwierige Situation für die Familien. Die Eltern müssen erst einmal selbst schauen, dass sie eine Betreuung organisieren können“, erklärt Karin Richter, Rektorin der Schönauer Grundschule. Denn im ministeriellen Schreiben wird der Anspruch auf Notbetreuung konkretisiert: Demnach dürfen nur die Kinder kommen, deren Eltern keinen Urlaub bekommen, vom Arbeitgeber nicht freigestellt werden, alleinerziehend, freiberuflich oder selbstständig sind oder Hilfen zur Erziehung erhalten. In ihrem Antrag auf Notbetreuung müssen Eltern ihren Bedarf schriftlich begründen, aber kontrollieren können die Schulen das natürlich nicht.

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„Die Eltern leisten gerade Enormes“, betont Birgit Splett von der Holnstainer Grundschule in Bruckmühl. „Es ist erstaunlich, mit wie viel Engagement sie das Distanzlernen für ihre Kinder seit Monaten ermöglichen, welche Einschränkungen sie hinnehmen, und welche Belastungen sie aushalten.“ Trotz aller Schwierigkeiten meistern die Eltern diese Herausforderung. „Nach unseren Erfahrungen nutzen nur sehr wenige das Angebot der Notbetreuung“, bilanziert Arabella Quiram von der Heufelder Schule die Monate unter außergewöhnlichen Lehr- und Lernbedingungen.

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