Nonfiktionale in Bad Aibling: „Zwischenspiel“ verkürzt Wartezeit

Die Nonfiktionale 2020 musste wegen Corona abgesagt werden, die nächste Auflage ist für März geplant. Aber schon am langen Wochenende 2. bis 4. Oktober gibt es ein Schmankerl für Freunde des Dokumentarfilms: das „Zwischenspiel“.

Bad Aibling– Die Plakate waren überall gehängt, die Kataloge kamen gerade frisch aus dem Druck – die Macher der Nonfiktionale 2020 standen im März längst in den Startlöchern und waren voller Vorfreude, als sie das Dokumentarfilmfestival angesichts der sich zuspitzenden Pandemie-Situation absagen mussten. Die 13. Ausgabe soll nun, wie Festivalleiterin Tamara Danicic sagt, planmäßig vom 11. bis 14. März 2021 stattfinden.

Zwischenspiel startet am 2. Oktober

Um die Wartezeit zu verkürzen und um einmal mehr daran zu erinnern, wie wichtig das Kino als Ort geteilter Filmerfahrungen ist, laden die Veranstalter aber nun von Freitag bis Sonntag, 2. bis 4. Oktober, zu einem Zwischenspiel ins Aibvision Filmtheater ein. „Wir haben ein kleines, feines Programm zusammengestellt“, kündigt Danicic an. Ausnahmsweise eine die vier Dokumentarfilme diesmal kein Motto – es gibt aber, wie es bei der Nonfiktionale Tradition ist, eine längere Diskussion mit den Filmschaffenden – Produzentin Isabelle Bertolone sowie die Regisseurinnen Susanne Mi-Son Quester, Theres Koppe und Janna JiWonders – nach jeder Vorführung. „Denn Filme zu zeigen und anschließend gemeinsam darüber nachzudenken, gehört für uns unbedingt zusammen“, so die Festivalleiterin.

Thema von der Aktualität eingeholt

Dabei wurde der Film „Regeln am Band bei hoher Geschwindigkeit“, der am 2. Oktober, 19.30 Uhr, gezeigt wird, auf ungeahnte Weise von der Aktualität eingeholt. Inzwischen kennt den Fleischwerk-Riesen so gut wie jeder aus den Nachrichten. Dennoch übersteigt der schon vor der Krise gedrehte Film, so Danicic, jeden vordergründigen Aktualitätsbezug bei Weitem und entpuppt sich als eine ebenso vielschichtige wie kluge Reflexion auf kapitalistische Markwirtschaft, Moral und moderne Sklaverei.

Den Tag der Deutschen Einheit nehmen die Macher der Nonfiktionale ferner zum Ausgangspunkt, um sich in zwei Filmen deutscher Lebenswirklichkeit zu nähern. In „Warum ich hier bin“ (3. Oktober, 16 Uhr) erzählen fünf Protagonisten unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft, wie es für sie war, in Deutschland ein neues Leben zu beginnen.

Ein unangepasstes Leben in der DDR

Der Beitrag „Im Stillen laut“ (3. Oktober, 19.30 Uhr) wiederum porträtiert zwei 81-jährige Frauen, die auf eine gemeinsame Liebesbeziehung, die Kunst sowie ihre Erinnerungen an ein unangepasstes Leben in der DDR zurückblicken.

„Walchensee Forever“ nimmt das Publikum am Sonntag, 4. Oktober, 11 Uhr, schließlich mit auf eine Reise voller verschlungener Pfade durch ein Jahrhundert Familiengeschichte. Im Mittelpunkt stehen die Frauen der Familie und ihre Suche nach Heimat und Identität. Und immer wieder führen ihre Wege an den bayerischen Walchensee.

Karten gibt es unter Telefon 0 80 61/3 76 35.

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